Profis 23.10.2026 - 18:30 Uhr
Caci will den Turnaround: "Das fängt schon beim Warmup an"
Die Erinnerungen an den letzten Heimsieg sind fast verblasst, gegen Werder sollen am Wochenende mit aller Macht drei Zähler eingefahren werden. Anthony Caci spricht über den Matchplan, seinen Fitnesszustand & die Atmosphäre in der MEWA ARENA.

Den bis dato letzten Heimsieg der 05ER verfolgte Anthony Caci im März noch als Tribünengast, der erst kurz davor stand nach mehr als halbjähriger Leidenszeit seine Kaderrückkehr bei den Mainzern zu feiern, die letztlich im April erfolgen sollte. Ganz frisch sind die Erinnerungen nicht mehr, doch ist auch dem Franzosen wohl bewusst, welche Energie drei Punkte vor heimischer Kulisse freisetzen können - zumal nach inzwischen über siebenmonatiger Durststrecke. "Sehr emotional", sei der späte Erfolg über die Eintracht dank des Doppelpacks von Paul Nebel gewesen, denkt Caci zurück. "Das Stadion ist fast explodiert. Wir wollen und sind bereit für den Turnaround gegen Bremen", so der Außenverteidiger, der längst wieder unverzichtbar geworden ist auf dem rechten Flügel. Bei 100 Prozent sei er jedoch noch nicht wieder angekommen, habe nach wie vor das eine oder andere Defizit aufzuarbeiten. Alles geben bis zur Erschöpfung wird der 29-Jährige am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, MEWA ARENA, live auf Sky, DAZN und 05ER.fm) natürlich dennoch wieder, um das Punktekonto nach ordentlichem Saisonstart weiter auszubauen.
Rund 13 Monate ist es mittlerweile her, dass sich "Titi", wie er von allen genannt wird, beim Auswärtsspiel in Augsburg schwer verletzte und letztlich viel länger ausfiel als ursprünglich prognostiziert. Nach langer Leidenszeit kämpfte sich der Franzose, der mittlerweile seine fünfte Saison beim FSV absolviert (121 Spiele, 7 Tore/17 Assists) zurück, spürt die Nachwehen der Verletzung aber nach wie vor, wie er zugibt: "Man sagt im Fußball meistens, dass es solange dauert, wieder auf sein altes Niveau zu kommen, wie man zuvor ausgefallen ist. Das spüre auch ich. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Wenn ich eine Zahl nennen soll, würde ich sagen 85 Prozent. Da spielen grundsätzlich viele Faktoren eine Rolle. Die Physis, das Vertrauen in den eigenen Körper, die Ausdauer. Im Moment bin ich nach Spielen sehr müde, muss viel regenerieren. Insbesondere defensiv muss ich zudem an dem einen oder anderen Thema arbeiten. Ich bin aber auf einem guten Weg, kann ich sagen."
"Im Moment bin ich nach Spielen sehr müde, muss viel regenerieren"
Auf einem guten Weg ist er auch mit seinem Team, hat nach nach sechs Spieltagen zehn Zähler auf dem Konto - im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt satte sechs Punkte weniger. Persönlich bringt er es auf vier Scorerpunkte und ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Dass ihm zuletzt gegen Leverkusen gar ein Doppelpack gelang, verblüffte wohl nur seinen Vater auf der Tribüne noch mehr als ihn selbst. Zwar sei es bitter gewesen, dass man am Ende mit null Punkten da stand, dennoch werde er den Tag wohl lange in Erinnerung behalten: "Meine Familie war auf der Tribüne und durfte es miterleben. Es war natürlich ein tolles Gefühl, auch wenn es mich nach dem Spiel erstmal nicht interessiert hat, weil wir verloren haben. Ich weiß aber, dass mein Papa regelrecht schockiert war und meine Mutter fragte: 'War das wirklich Anthony?‘, verrät Caci grinsend. Den Papa aus der Fassung bringen möchte er gerne noch häufiger in Zukunft und hofft, "dass es nicht das erste und letzte Mal in meiner Karriere war, dass mir zwei Tore gelingen".
Das eigene Revier markieren & Füllkrug ausschalten
Gegen Werder dürfte Caci aber zunächst einmal herzlich egal sein, ob er trifft, wie auf Schalke zum Siegtreffer serviert oder einfach nur mittendrin ist im Kampf um drei Zähler in der nahezu ausverkauften MEWA ARENA. Der erste Heimsieg der Saison nach drei Dreiern auf fremden Terrain soll her, ist fast schon alternativlos. Ein Rezept dafür, wie es gelingen könnte, hat Caci schon parat und erklärt: "Die Atmosphäre muss stimmen, wir müssen voll fokussiert sein – das fängt schon beim Warmup an. Wir wollen die Fans mitnehmen, sie und uns endlich wieder mit einem Heimsieg beschenken. Sie sind immer da für uns. Das Gefühl, mit ihnen auch wieder zuhause zu feiern, wollen wir endlich wieder genießen können", so der Franzose, der den heimischen "Turnaround" beschwört und so gleichzeitig darauf setzt, mit einem Erfolgserlebnis Selbstvertrauen für den weiteren Verlauf der Englischen Woche tanken zu können. Immerhin wollen die Mainzer am Dienstag in Bochum das Achtelfinal-Ticket im DFB-Pokal lösen und am Freitagabend in Elversberg die nächsten Liga-Punkte einfahren.
Die Voraussetzungen für den lang ersehnten Heimdreier haben die Rheinhessen aus seiner Sicht gelegt in der Trainingswoche, sich Videos der Bremer angeschaut, die zuletzt dreimal nach 0:2-Rückständen noch punkten konnten und nicht zu unterschätzen sind. Allen voran ist der FSV gewarnt vor Niclas Füllkrug, der schon einen Treffer mehr erzielt hat als der bislang beste Mainzer Torschütze Phillip Tietz (5 Treffer). Natürlich, findet Caci, werde es am Samstag wichtig, "Füllkrug nicht ins Spiel kommen zu lassen". Dies sei letztendlich eine Aufgabe für die gesamte Mannschaft. Wie das aussehen müsse, habe man auf Schalke gesehen, wo ein Rädchen ins andere griff und der Gegner kaum zu seinem Spiel fand. "Unser Ziel ist es, über die gesamte Strecke einen gemeinsam Plan zu verfolgen und an unsere Idee zu glauben. Vor allem defensiv heißt es, hochkonzentriert zu bleiben, die Bälle sauber zu klären und schon im Halbfeld nah am Mann zu stehen." Flanken auf den grün-weißen Torjäger gar nicht erst zuzulassen als eines der Mittel der Wahl. Schließlich soll von Beginn an kein Zweifel daran aufkommen, wer Herr der Arena ist. "Was wir auswärts von Minute eins bis 90 zeigen, müssen wir jetzt auch in unserem Zuhause abrufen", fordert Caci. Neun Punkte und zehn zu drei Tore aus drei Spielen toppt kein Team der Liga: eine Ausbeute, in deren Genuss die Fans auch endlich wieder im heimischen Wohnzimmer kommen wollen.


