U19 08.08.2019 — 10:28 Uhr

"Wir wollen Spiele gewinnen und das auch ausstrahlen"

In Teil zwei des Interviews spricht der neue U19-Trainer Benjamin Hoffmann über Persönlichkeitsentwicklung, die ersten Eindrücke von seiner Mannschaft und erklärt, warum er von Ergebniszielen lieber Abstand nimmt

In Teil zwei des Interviews (Teil eins: "Klopp und Tuchel haben mich geprägt") spricht der neue Trainer der U19 über Persönlichkeitsentwicklung, die ersten Eindrücke von seiner Mannschaft und erklärt, warum er von Ergebniszielen lieber Abstand nimmt.

Der Mainzer Fußball steht für bestimmte Prinzipien und bewegt sich in gewissen Leitplanken. Wie  bringst du als Trainer darin deine eigenen Ideen unter?

Man entwickelt sich als Trainer mit der Zeit so oder so. Vor fünf oder sechs Jahren habe ich andere Prioritäten als heute gesetzt. Gerade im Jugendfußball muss man sich vor allem auf die Jungs einstellen. Welche Stärken und Schwächen bringen sie mit? Welche Charaktere habe ich in der Mannschaft? Es geht auch um Persönlichkeitsentwicklung. Da unterscheidet sich der Job ein bisschen von dem eines Trainers im Profibereich. Wenn man weiß, welche Charaktere, Stärken und Waffen in der Mannschaft vorhanden sind, entwickelt man daraus auch in gewissem Maße seine Spielweise. Man möchte immer, dass jeder Spieler seine Stärken auf dem Platz entwickeln kann. Dafür brauchen sie auch Freiräume und Freiheiten.

Was ist dir außerdem wichtig bei deiner Mannschaft?

Es geht darum, dass ich Charaktere und Persönlichkeiten auf dem Platz habe, die ein Spiel gewinnen wollen und das auch ausstrahlen – und zwar immer als Team. Ich glaube, dass ein Team immer stärker sein kann, als der einzelne. Ein einzelner Spieler entscheidet vielleicht mal ein Spiel, aber, wenn man aber über eine gesamte Saison etwas gewinnen will, geht es nur über den Teamgedanken. Aus den Mannschaften, mit denen ich erfolgreich war, haben viele Spieler eine Profikarriere gestartet, weil das Team erfolgreich war. Das zählt und ist der nächste, wichtige Schritt für die Spieler. Wenn sie dann noch ihre Persönlichkeit und Rolle innerhalb des Teams finden, können sie eine tolle Entwicklung nehmen. Dafür müssen sie natürlich bereit sein, hart zu arbeiten.

Es geht darum, dass ich Charaktere und Persönlichkeiten auf dem Platz habe, die ein Spiel gewinnen wollen und das auch ausstrahlen

Das habt ihr auch bereits im einwöchigen Trainingslager in Obsteig getan. Unter anderem habt ihr zusammen einen Berg mit dem Fahrrad erklommen. Die letzten beiden Testspiele (1:2 gegen Alemannia Aaachen und 4:0 gegen Darmstadt 98). Wie ist bislang dein Eindruck von den Jungs?

Zunächst muss ich zugeben, dass ich das Fahrrad teilweise den Berg hochgeschoben habe (lacht). Das war schon eine Herausforderung, aber eine schöne. Wir haben dann auf 2.100 Meter auf dem Gipfel nochmal etwas gemacht, was uns durch die Saison tragen soll. Natürlich war das Trainingslager auch optimal, um die Mannschaft besser kennenzulernen. Die Jungs, die in der Vorbereitung bisher bei den Profis sind, (Erkan Eyibil, Merveille Papela und Paul Nebel) habe ich schon in Trainingseinheiten von Sandro beobachtet. Sie sind aber sehr aktiv in der Whatsapp-Gruppe. Das zeigt, dass die Jungs eine Verbindung zueinander haben, was auch wichtig ist.

Welche Erwartungen hast du an die Jungs, auch nach der starken vergangenen Saison?

Die Erwartungen nach dem zweiten Platz in der vergangenen Spielzeit mit vielen jungen Jahrgängen sind in der kommenden Saison natürlich hoch. Diese gilt es zu erfüllen, gleichzeitig sollte man aber auch einen eigenen Anspruch haben. Wir wollen immer mit der Haltung in ein Spiel gehen, es gewinnen zu wollen. Wir haben natürlich nie eine Garantie auf das Ergebnis, aber auf die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Diese Art und Weise wollen wir uns versprechen und das Versprechen gilt es, Woche für Woche einzufordern und zu erfüllen. Wir haben hier einen sehr guten Jahrgang. Die Talente der Einzelspieler sind das eine, aber die Mannschaft muss sich finden, damit wir auch erfolgreich Fußball spielen können.

Wir haben natürlich nie eine Garantie auf das Ergebnis, aber auf die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. 

Am Samstag startet die Saison mit einem Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim. Ist die Mannschaft bereit für den Auftakt und wie zufrieden bist du insgesamt mit der Vorbereitung?

Wir haben vor allem in den ersten Wochen im athletischen und konditionellen Bereich hart gearbeitet. Ich habe viel Wert darauf gelegt, dass wir im Ballbesitz gute Lösungen finden und uns den Gegner gewissermaßen zurechtlegen. Defensiv wollen wir als Team zusammen agieren. Die Jungs setzen das hervorragend um, die Arbeitsmoral ist top. Dass manche Automatismen und Abläufe noch nicht hundertprozentig funktionieren, ist nach nicht mal vier gemeinsamen Wochen völlig klar. Da haben wir aber in der Saison noch genug Zeit, das auszubauen und zu pflegen. Ich sehe uns gut gewappnet, um gegen Heidenheim einen guten Start hinzulegen. Den Anspruch sollten wir auch an uns selber haben. Das wird sicherlich kein einfaches Pflaster bei einem unangenehmen, laufstarken Gegner. Am Ende sollten wir unser Spiel durchgedrückt bekommen. Viele Jungs haben mittlerweile verstanden, was wir sehen wollen bei Mainz 05 und wie wir erfolgreich Fußball spielen.

Welche Ziele habt ihr euch für die Saison gesetzt?

Ich nehme immer gerne Abstand von diesem ergebnisorientierten Handeln. Das ist immer schwer, einem Spieler mit auf den Weg zu geben. Wenn ich zu einem der Jungs sage, „Du schießt heute ein Tor“, baut das nur Druck auf. Wenn ich ihm aber mit auf den Weg gebe, „Finde so oft wie möglich die Tiefe, sei in den torgefährlichen Räumen präsent“, dann hilft das viel mehr. Genauso handhaben wir es mit der Mannschaft auch. Die Inhalte, die wir trainieren, wollen wir auf dem Platz sehen und weiter automatisieren, um mit einem guten Gefühl in das erste Spiel zu gehen.

 

Am ersten Spieltag treten die 05er am Samstag, den 10. August um 11 Uhr beim 1. FC Heidenheim an. Der erste Auftritt im Bruchwegstadion folgt eine Woche am 17. August um 11 Uhr gegen den SSV Ulm 1846 Fussball.

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