U23 19.05.2022 — 12:30 Uhr

"So viel mitgenommen": Rückblick auf außer­gewöhnliche U23-Saison

Teamgeist, sportliche Entwicklung & Charakterstärke: Cheftrainer Bartosch Gaul blickt auf eine starke Spielzeit zurück

Zufrieden mit dem Verlauf der Saison 2021/22: Die Mainzer U23 nach dem finalen Heimspiel gegen Balingen im Bruchwegstadion.

Am vergangenen Freitag endete für die U23 von Mainz 05 eine "sensationelle Saison" 2021/22 in der Regionalliga Südwest. Mit diesen Worten beschrieb Bartosch Gaul die Spielzeit, die sein Team mit 69 Punkten und einem Torverhältnis von 63:42 auf dem fünften Tabellenplatz beendet hat. Doch nicht nur das rein zahlenmäßige Ergebnis stimmte den U23-Cheftrainer positiv. Die individuelle und mannschaftliche Entwicklung sowie der besondere Teamgeist ließen den 34-Jährigen mit einem Gefühl der Zufriedenheit in den verdienten Urlaub gehen.

Etwas Wehmut war allerdings auch dabei, ob des U23-typischen Umbruchs in der Sommerpause. Sieben Spieler haben die 05ER verlassen, mit Stephan Fürstner und Giuliano Modica haben zwei davon ihre Karriere beendet. Aus der eigenen U19 kommen sechs Jungs hoch. Weitere externe Zugänge werden in den kommenden Wochen folgen. "Am Ende einer Saison zu sagen: 'Scheiße, dass der Haufen auseinandergeht', das wünsche ich mir", hatte Gaul schon in der Winterpause betont. "Ich glaube, das hat die Truppe über die ganze Saison hinweg gezeigt und wachsen lassen. Irgendwann ist ein Spirit und eine Kultur entstanden. Die sind schon sehr eng beisammen", sieht sich der U23-Chefcoach bestätigt.

Da hast du gemerkt, dass die Jungs Bock auf die Gruppe haben

Bereits im Trainingslager entwickelte sich dieses Gefühl, dass man nicht nur gute Fußballer, sondern auch großartige Charaktere in der U23 habe. "Da hast du gemerkt, dass die Jungs Bock auf die Gruppe haben und in der Lage sind, ihr eigenes Ego zurückzuschrauben, um den Laden besser zu machen. Das sind wichtige Faktoren, die auf der menschlichen Ebene stattfinden", so Gaul. Auch über die Dynamik der Ergebnisse habe sich das weiterentwickelt. Die 05ER gewannen ihre ersten vier Saisonspiele. "Aber die Basis ist das menschliche."

Schon in der Vorbereitung deutete sich für Bartosch Gaul an, dass seine Mannschaft eine gute Entwicklung nehmen könnte.

Gemeinsam den Glauben entwickelt

Auch sportlich lief es von Beginn an in die richtige Richtung, wie Gaul befand. Auch, wenn das gerade in einer U23 ein langwieriger Prozess ist, der mit der Vorbereitung keinesfalls abgeschlossen sei. "Man hat schon gesehen, dass die Jungs viele Dinge taktisch und fußballerisch gut umgesetzt haben und Lust darauf, sich weiterzuentwickeln. Das haben sie von Spiel zu Spiel gemacht", erklärte der U23-Cheftrainer, dessen Mannschaft aber nicht einfach von Sieg zu Sieg flog, sondern Hürden überspringen und Widerstände meistern musste. Bemerkenswert dabei: Von Niederlagen ließ sich die höchste Ausbildungsmannschaft nie komplett aus der Bahn, sondern zeigte immer die entsprechende Reaktion. Beispielsweise nach dem 0:5 bei der SV Elversberg in der Hinrunde, nach dem die FSV-Jungs die folgenden vier Partien gewannen. "Auf uns als Mannschaft, aber auch den Verein kamen weitere Herausforderungen hinzu in dieser Saison. Was viele gar nicht im Blick haben ist, dass wir eine große Verletztenliste in der Hinrunde hatten. Auch dadurch sind wir noch enger zusammengerückt und haben diese Widerstände überwunden. Wenn dann in so einer Konstellation noch die Ergebnisse stimmen, entwickelt sich ein Glaube daraus", ergänzte Gaul.

Wir wollten keine Sekunde im Training, in der Kabine oder sonst wo verschwenden

Der starke Teamgeist und das erfolgreiche Lösen von Widerständen waren zwei Erfolgsgeheimnisse, die Lust auf und am Gewinnen von Spielen ein weiteres. 22-mal in 36 Partien gingen die 05ER als Sieger vom Platz, erarbeiteten sich in vielen engen Partien die drei Punkte, manchmal auch mit Glück. "Das gehört zu einem gewissen Grad dazu, aber du musst es dir auch erarbeiten. Wir haben vor der Saison gesagt: wir wollen uns entwickeln, aber wir sind auch hier, um Spiele zu gewinnen, wir bilden für den Profisport aus. Da geht es darum, Spiele zu gewinnen. Das heißt, wir wollten keine Sekunde im Training, in der Kabine oder sonst wo verschwenden, um danach nicht sagen zu müssen, dass wir nicht alles für den Erfolg getan hätten“, so Gaul. Die 05ER ließen zu keiner Phase der Saison nach. Auch nicht, nachdem in der Rückrunde klar war, dass es mit dem möglichen Aufstieg nichts werden wird. Der Umgang mit Erfolg und Misserfolg war auch im Nachhinein bemerkenswert.

Eindrücke aus 38 Spieltagen

Individuell und im Kollektiv weiterentwickelt

Unabhängig von möglichen sportlichen Erfolgen liegt die Hauptaufgabe einer U23 in der Ausbildung und Weiterentwicklung der Nachwuchsspieler an der Schwelle zum Profifußball. Die Liste der Akteure, die Gaul erwähnt, ist lang. Angefangen mit den Jungprofis Lasse Rieß, Merveille Papela, Paul Nebel und Niklas Tauer. "Unser Job wurde gar nicht nur in dieser Saison erledigt, sondern auch in der letzten", erklärte der U23-Cheftrainer. "Da haben wir gemerkt, dass die Jungprofis in der Regionalliga ihre Widerstände zu überwinden hatten. Wenn man die Entwicklung zur letzten Saison sieht, ist unser Job bei der U23 zum Teil erledigt." Nach der Winterpause konnten mit Ben Bobzien und Eniss Shabani zwei weitere Talente, die mit Profiverträgen ausgestattet wurden, erfolgreich integriert werden. Gaul zählte weitere hocherfreuliche Entwicklungen bei seinen Spielern auf: Lucas Laux ("eine der Überraschungen der Saison"), Lukas Quirin ("zum Leistungsträger auf neuer Position gesteigert"), Tobias Mißner, Felix Könighaus, Kaito Mizuta, Romario Roesch oder Marvin Jung. "Darauf kann man stolz sein. Wenn ich so die Liste durchgehe, glaube ich schon, dass wir unseren Job sehr gut erfüllt haben."

Bei all den positiven Aspekten lassen sich negative Komponenten nur schwer ausmachen. Die vier in Folge, teilweise unglücklich, verlorenen Topspiele in der Rückrunde gegen Homburg, Elversberg, Offenbach und Ulm waren keine leichte Phase. Sie zeigten aber gleichzeitig den Charakter der höchsten Mainzer Ausbildungsmannschaft. "Das hätte einen Bruch geben können, aber wir haben uns zügig wieder herausgearbeitet und schnell in die Erfolgsspur zurückgefunden."

Darauf kann man stolz sein

Fußball gespielt, aber vor allem in aller Intensität gearbeitet haben die 05ER in der abgelaufenen Saison. "Die Jungs haben schnell kapiert, worum es geht und was bei Mainz 05 von der Art und Weise zu spielen erwartet wird", so Gaul. "Man hat gemerkt, die Mannschaft hat Bock, Spiele zu gewinnen. Und auch wenn wir Erster waren, war es für mich logisch, das gar nicht anzusprechen, denn es war klar: die Jungs werden alles dafür tun, weitere Punkte zu holen."

Darum wird es in der kommenden Saison wieder gehen: keine Sekunde zu verschwenden und alles für das Team zu tun. Man sei auf dem Weg und noch nicht am Ende. "Wir starten wieder bei Null und müssen den Laden wieder ins Rollen bringen", sagte Gaul, der weiß, dass vieles aus dieser außergewöhnlichen Saison es wert ist, beibehalten zu werden. "Alle haben so viel mitgenommen von dieser Zeit."

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