
Auch im vierten Testlauf des Sommers ist der 1. FSV Mainz 05 seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Am Samstagnachmittag bezwang das Team von Urs Fischer Holstein Kiel nach Toren von Phillip Tietz, Ransford Königsdörffer und William Böving mit 3:0 (2:0). Die Gäste hatten im zweiten Durchgang zwar mehrfach einen möglichen Ehrentreffer auf dem Fuß oder Kopf gehabt, scheiterten aber nicht zuletzt an den beiden 05-Keepern Robin Zentner und Maximilian Kinzig.
Urs Fischer sagte nach dem Schlusspfiff: "Wir waren heute im Spiel mit dem Ball nicht so präzise, nicht so sauber. Aber die Jungs haben schon auch geäußert, dass sie sich platt fühlen. Darauf nehmen wir aber keine Rücksicht, wir arbeiten weiter intensiv an den Basics. Die ersten beiden Tore sind gefallen, weil wir hoch gepresst haben, in dieser Beziehung war es ein gutes Auftreten. Insofern gab es gute Sachen, aber eben auch schlechte wie unseren Ballvortrag. Außerdem hatte Kiel nach der Pause ein bisschen zu viel den Ball, auch daran gilt es weiter zu arbeiten", so der Cheftrainer.
Tietz fackelt nicht lange
Bei hochsommerlichen Temperaturen sahen die gut 2.500 Fans einen für ein Testspiel äußerst unterhaltsamen Beginn mit ersten Torannäherungen auf beiden Seiten. Schnell erarbeiteten sich die Gastgeber dabei ein optisches Übergewicht und wirkten auch im Pressing und in den Zweikämpfen bissiger als der Gegner, auf den schon in zwei Wochen der Zweitliga-Auftakt wartet. Die am Montag ins Trainingslager aufbrechenden Mainzer schien die fünftägige Trainingspause zu Regenerationszwecken gut getan zu haben, die Kulisse tat ihr Übriges. Nach 14 Minuten durfte dann auch erstmals gejubelt werden: Der extrem lauffreudige Otto Ruoppi hatte die Kieler im Aufbau immer wieder genervt, bis Jonas Therkelsen im Zentrum ein Fehlpass unterlief und Tietz sich aus rund 40 Metern nicht zweimal bitten ließ - der weit aufgerückte Lio Rothenhagen war gegen die Direktabnahme des 05-Torjägers machtlos. Die Gäste taten sich nun schwer, in die Nähe des Strafraums zu kommen und gerieten immer wieder schon im Aufbau in der eigenen Hälfte in Bedrängnis. So auch nach einer halben Stunde, als Rael Nakuzola Treffer Nummer zwei den Weg ebnete: Der Schienenspieler spitzelte Faride Alidou das Leder vom Fuß, schickte Königsdörffer, der noch die eine oder andere Schleife drehte, bevor er aus zwölf Metern eiskalt vollendete (30.). Die Rheinhessen hatten schließlich auch bis zum Ende der ersten 50 Minuten alles im Griff und führten zur Pause hochverdient. Mit entsprechenden Applaus wurde die FSV-Elf zur Pause in die Katakomben verabschiedet.
Kiel aktiver, doch das Tor macht der FSV
Kurz nach Wiederbeginn durfte sich Zentner dann erstmals auszeichnen, als er einen Kopfball von Ivan Nekic reaktionsstark über den Querbalken lenkte (52.). Was sich in dieser Szene bereits andeutete, sollte sich in der Folge bestätigen: Völlig widerstands- bzw. chancenlos wollte man sich auf Kieler Seiten seinem Schicksal hier nicht ergeben. So gehörte die Anfangsviertelstunde den Gästen, die Mainzer jedoch überstanden auch diese kleine Druckphase unbeschadet. Nach einer guten Stunde profitierte der FSV dann beinahe wieder von einem haarsträubenden Fehlpass in der Defensive der Gäste, doch diesmal konnte Rothenbach gegen Böving aus kurzer Distanz noch entschärfen (62.). Die nun deutlich abwechslungsreichere Begegnung stand mittlerweile auch unter dem Einfluss zahlreicher Wechsel auf beiden Seiten, die Mainzer Kontersicherung wurde deutlich häufiger als in Durchgang eins auf die Probe gestellt. So auch in Minute 68, als Phil Harres es aus vollem Lauf von der Strafraumgrenze versuchte, aber an Zentner scheiterte. Viel effizienter präsentierten sich die 05ER, die nach drei Viertel der Spielzeit endgültig alles klar machten: Die Gastgeber kombinierten sich in dieser Szene vom eigenen Strafraum sauber durch bis in die gegnerische Hälfte, wo Andreas Hanche-Olsen Böving mit einem Sahnepass bediente, den der Däne per gefühlvollem Heber aus 20 Metern nur noch vollenden musste (75.). Eine weitere Chance auf Ergebniskosmetik bot sich wenig später erneut Harres, der seinen Kopfball aus acht Metern aber übers Gehäuse setzte (77.). Spätestens neun Minuten später glaubte dann wohl kein Kieler mehr ernsthaft an einen Torerfolg an diesem Nachmittag: Nach einem Ballverlust von Daniel Imafidon ging es blitzschnell nach vorne, Adrian Kapralik legte quer auf Harres, der völlig blank war, den Ball aber nicht am eingewechselten Maximilian Kinzig vorbeibrachte (86.). Im direkten Gegenzug schnupperte dafür der FSV an einem weiteren Tor: Sheraldo Becker packte von links eine gefühlvolle Flanke auf Alynho Haidara aus, der einen Tag vor seinem 18. Geburtstag sein Tor-Debüt nur deshalb verpasste, weil Rothenhagen den Kopfball des Talents glänzend entschärfte. Es war der letzte echte Hochkaräter einer Begegnung, die die 05ER zwar verdient für sich entschieden, in der die Kieler aber auch mindestens einen Treffer hätten beisteuern müssen.
Für die Rheinhessen steht am Montagvormittag die Reise ins zehntägige Trainingslager in Hopfgarten in der Region Hohe Salve an, wo neben zahlreichen Platzeinheiten auch zwei Testspiele (Freitag gegen Shabab Al Ahli, Samstag gegen Udinese) und Teambuilding auf dem Programm stehen. Abgesehen von Silvan Widmer, der erst am 06. August zurück am Bruchweg erwartet wird, stoßen im Verlauf des Trainingslagers auch die weiteren Nationalspieler Nadiem Amiri, Jae-sung Lee, Phillipp Mwene und Kaishu Sano zur Mannschaft.
FSV - KSV 3:0 (2:0)
FSV: Zentner (80. Kinzig) - Caci (66. Richter), Kohr (66. Bell), Gruber (66. Hanche-Olsen), da Costa (66. Imafidon), Nakuzola (51. Kawasaki) - Martel (51. Maloney), Ruoppi (51. Böving), Nebel (51. Yamasaki) - Tietz (51. Becker), Königsdörffer (66. Haidara)
Tore: 1:0 Tietz (14.), 2:0 Königsdörffer (30.), 3:0 Böving (75.)
Zuschauer: 2.600
Schiedsrichter: Sebastian Hilsberg (Lukas Jungfleisch, Jason Lieser)





























