Profis 10.09.2026 - 18:00 Uhr
Sano: "Zahlen für sich sprechen lassen"
Der 25-Jährige spricht vor dem brisanten Duell über seine Anfänge bei Mainz 05, seine Erfahrung bei der WM und den Saisonstart

Knapp zwei Stunden Fußweg durch Felder, Berge und Wälder – das war der Schulweg von Kaishu Sano von der ersten bis zur sechsten Klasse. Anfangs ging er diesen Weg noch allein. Erst als sein jüngerer Bruder Kodai Sano eingeschult wurde, bekam er auf der Strecke Gesellschaft - und vor allem mehr Tempo auf dem Rückweg: “Wir wollten so schnell wie möglich nach Hause, um Fußball zu spielen. Deswegen sind wir den Rückweg meistens gerannt.“ Mittlerweile hat der 25-Jährige die Berge Tsuyamas in seiner Heimatpräfektur Okayama gegen den Rasenplatz der MEWA ARENA eingetauscht und geht als absolute Stammkraft in seine dritte Spielzeit mit den Rheinhessen. Beim 5:0-Sieg in Hamburg leitete der Japaner mit seinem Ballgewinn das Führungstor von Sheraldo Becker ein und führte die 05ER somit auf die Siegerstraße.
Entwicklung im Fokus
“Die Stimmung nach dem Spiel war hervorragend. Wir konnten im ersten Heimspiel nicht richtig überzeugen. Deswegen war das Spiel in Hamburg umso wichtiger. Die komplette Mannschaft war maximal fokussiert und das haben wir auf den Platz gebracht“, blickt Sano auf das vergangene Auswärtsspiel zurück – richtet seinen Blick aber, wie es sich für einen Japaner gehört, mit Demut und Pflichtbewusstsein auf die kommenden Wochen: “Genau in diesen Situationen ist es wichtig, selbstkritisch zu bleiben und das Augenmerk auf unsere Schwächen zu lenken. Diese Mentalität hilft uns enorm weiter und treibt unsere Entwicklung voran.“
Weiterentwickelt hat sich der Mittelfeldspieler in seinen gut zwei Jahren auf jeden Fall. Als er im Sommer 2024 aus der J-League an den Rhein wechselte, musste sich der Japaner erstmal an die Geschwindigkeit in Deutschland gewöhnen: “Die Schnelligkeit der Aktionen und die Ballzirkulation waren auf einem anderen Level. Anfangs hatte ich auch vier, fünf Spiele, die nicht meinem Standard gerecht wurden. In dieser Phase haben mir meine Trainer und Teamkollegen sehr geholfen. Jeder hat mich einzeln gefordert und mir meine Schwächen vor Augen geführt.“ Inzwischen ist Sano zu "einem absoluter Weltklassespieler" (Sportdirektor Niko Bungert) gereift und ist aus der Elf von Cheftrainer Urs Fischer nicht mehr wegzudenken - und sieht sich nun in der Pflicht, seine Erfahrung weiterzugeben.
Neben dem Platz fühlt sich der 25-Jährige mittlerweile pudelwohl. Ein tägliches Highlight für ihn: der tägliche Spaziergang am Rheinufer mit seinem Hund. “Das ist sehr entspannend und gibt mir Energie für meine kommenden Aufgaben“, so der Japaner. Vermissen tut er seine Heimat dennoch: “Am meisten vermisse ich das japanische Essen, auch wenn ich jeden Tag zuhause japanisches Essen koche. In Japan schmeckt alles nochmal ein bisschen besser. In der Heimat angekommen, gehe ich meist Yakiniku und Soba-Nudeln essen, weil es die in Deutschland nicht so oft gibt.“
Apropos Japan: Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft spielte Sano eine entscheidende Rolle im Mittelfeld der japanischen Nationalmannschaft Samurai Blue. Im Achtelfinale gegen Brasilien erzielte er das zwischenzeitliche 1:0 und setzte seinen Namen endgültig auf die Weltkarte: “Bei einer WM auf dem Platz zu stehen, ist der Traum eines jeden Fußballers. Allein diese Erfahrung gemacht zu haben, hat mir sehr weitergeholfen. Gleichzeitig habe ich mich in meinen Leistungen bestätigt gefühlt und konnte meiner Mannschaft auch im Offensivbereich helfen.“ Diesen neugefundenen Offensivdrang will der 25-Jährige auch in die laufende Bundesliga-Saison mitnehmen. Da will der Japaner nun die “Zahlen für sich sprechen lassen“ – mit dem Assist am vergangenen Spieltag ist auf jeden Fall ein Anfang gemacht.
"Ich bin mir sicher, dass wir gewinnen"
Nun steht am Samstag das Rhein-Main-Duell gegen Eintracht Frankfurt (15:30 Uhr, live auf Sky & 05ER.fm) auf dem Programm. Für den 05-Mittelfeldmotor ein absolutes Highlight der Saison: “Die Atmosphäre wird die eines Derbys sein. Diese Stimmung schwappt nicht nur auf die Fans, sondern auch auf uns Spieler über. Für uns gilt es, unser Spiel auf den Platz zu bringen und immer die Taktik des Gegners im Hinterkopf zu haben. Da müssen wir als geschlossene Einheit auftreten, uns gegenseitig helfen, und dann bin ich mir sicher, dass wir gewinnen werden.“ Große Worte sind sonst nicht seine Art - vor diesem brisanzgefüllten Duell klingt Sanos Zuversicht trotzdem bemerkenswert klar. Da hat sich der 25-Jährige auch auf jeden Fall weiterentwickelt.


