Profis 10.09.2026 - 14:40 Uhr
Gedämpfte Euphorie: Eintracht Frankfurt im Porträt
Die Hessen sind am Samstag zum Rhein-Main-Duell in der MEWA ARENA zu Gast

Es kann eigentlich nur besser werden nach der vergangenen Rückrunde unter Albert Rieira. Dachten sie bei Eintracht Frankfurt spätestens, als Adi Hütter als Cheftrainer vor der Saison an den Main zurückkehrte und Erinnerungen an stimmungsvolle Europapokalnächte und die "Büffelherde" um Sébastien Haller, Luka Jović und Ante Rebić weckte. Das Ziel: Die Rückkehr zum temporeichen, stets intensiven Fußball, für den die Eintracht viele Jahre, auch unter dem Österreicher, stand. Die ersten beiden Spieltage mit nur einem Punkt und sieben Gegentoren haben die Stimmung allerdings schon ein wenig getrübt. Neben guten Ansätzen in der Offensive bereitet vor allem die Defensive noch Sorgen.
Wir blicken auf den nächsten Gegner der 05ER vor dem Rhein-Main-Duell am Samstag (15:30 Uhr, live auf Sky, DAZN & 05ER.fm) in der MEWA ARENA.
Der Trainer:
Neuer Trainer, altes Gesicht: Nach fünf Jahren ist Adi Hütter zurück an der Seitenlinie der Frankfurter Eintracht und hat die Aufgabe, wieder für Aufbruchstimmung zu sorgen. Das gescheiterte Experiment mit dem exzentrisch anmutenden Spanier Rieira hat bei den Hessen zum Umdenken geführt. Ein erfahrener, ruhigerer Trainertyp, der die Eintracht und die Bundesliga bestens kennt, dem Team einen klaren Plan an die Hand gibt und damit den Klub wieder beleben und erfolgreich machen kann Der mittlerweile 56 Jahre alte Hütter war zwischenzeitlich mehr (bei der AS Monaco) oder weniger (bei Borussia Mönchengladbach) erfolgreich bei zwei anderen Klubs tätig.
"Eintracht Frankfurt soll unter Adi Hütter wieder Eintracht-Frankfurt-Fußball spielen, und genau das war tatsächlich ab der ersten Trainingseinheit erkennbar. Frühes Pressing, hohe Ballgewinne, kurze Wege zum Tor, gepaart mit Intensität, Intensität und Intensität", schrieb 'hessenschau.de' über die positiven Elemente, die in der Vorbereitung bereits sichtbar wurden.

Der Frankfurter Cheftrainer war bereits von 2018 bis 2021 für den Klub tätig.
Der Kader:
Das Prunktstück der Eintracht ist die Offensive, die immer noch namhaft und qualitativ stark besetzt ist. Jonathan Burkardt, der im Nachwuchs am Bruchweg ausgebildet wurde und sich als FSV-Profi zum Bundesliga-Rekordtorschützen und einer Identifikationsfigur der 05ER entwickelte, ist der Schlüsselspieler im Sturmzentrum. In der vergangenen Saison gelangen ihm 13 Treffer in 22 Bundesligaspielen. Gemeinsam mit Younes Ebnatoulib, der in der laufenden Spielzeit bereits dreifach traf, bildet Burkardt ein Sturmduo. Dahinter wirbeln mit Ritsu Doan und Can Uzun zwei überdurchschnittlich begabte Bundesligaspieler auf den Außenbahnen. Neuzugang Raphael Onyedika und Routinier Mario Götze bilden das zentrale Mittelfeld. Das 18-jährige Sturmtalent Malik Pimpong, gekommen vom FC Midtjylland, muss noch Erfahrungen sammeln, auch Noel Aséko, der vom FC Bayern kam, ist zunächst Herausforderer.
An Tiefe im Kader fehlt es in der Defensive. Dort hatten die Frankfurter mit den Abgängen von Führungsspielern wie Arthur Theate, Rasmus Kristensen und Nathaniel Brown sowie Aurèle Amenda den größten Aderlass zu verkraften. Der schnelle Linksaußen Jean-Mattéo Bahoya sucht sein Glück ab sofort in der Premier League. Lilian Brassier und Otávio wurden neben Nachwuchskraft Jeremiaha Maluze neu dazu geholt für die Defensive, sind aber noch unerfahren oder erst kurz da. Auf den Außenverteidigerpositionen ist der 36-jährige Timothy Chandler die einzige Alternative zu den beiden jungen Akteuren Elias Baum und Keita Kosugi. Auf der Torhüterposition ist die SGE nach dem Abgang von Michael Zetterer nach Leeds sehr gut aufgestellt: Noah Atubolu kam per Leihe aus Freiburg.
Der Auftakt:
Ein Punkt und sieben Gegentore: Nach dem 3:3 bei Union Berlin und der 1:4-Niederlage im ersten Heimspiel gegen Augsburg zeigt die Eintracht bislang noch nicht das erwünschte, neue Gesicht - zumindest noch nicht über die volle Spielzeit. In beiden Partien lagen die Hessen in Führung, konnten diese aber nicht halten. Vor allem mit der ersten Halbzeit gegen Augsburg, in der die SGE spielerisch überzeugte, war Hütter zufrieden: "So stelle ich mir Fußball vor und das musst du halt über einen längeren Zeitraum spielen können. Vor der Pause haben wir so ziemlich alles richtig gemacht", sagte er im Nachhinein.
Sowohl in der Hauptstadt, als auch im Deutsche Bank Park fehlte aber die Konstanz. Die Hessen ließen sich von Negativerlebnissen beeinflussen und verloren den Faden im zweiten Durchgang. "Das darf uns in dieser Form überhaupt nicht passieren - Prozess hin oder her", so Hütter. Die Anfangseuphorie um den alten neuen Cheftrainer ist schon wieder etwas gedämpfter vor dem Spiel am Samstag.

Beim 2:1-Sieg im März sorgte Paul Nebel kurz vor Schluss mit seinem Siegtreffer für Ekstase unter den 05-Fans in der Arena.
Das letzte Mal:
Die MEWA ARENA ist für die Eintracht schon lange ein schwieriges Pflaster. Von den 14 Partien seit der Saison 2012/13 konnten die Hessen nur ein einziges gewinnen. Beim letzten Aufeinandertreffen im März sorgte der Doppelpack von Eigengewächs Paul Nebel krönte dabei eine perfekte Englische Woche für den FSV mit Siegen in Bremen, gegen Olmütz und dem hart erkämpften Dreier gegen die Hessen. Die Mainzer Führung hatte Nathaniel Brown vor der Pause gekontert, bevor Nebel in Minute 89 für den nächsten Mainzer Feiertag sorgte. Nach einem Mainzer Chancenplus in Durchgang eins und nach der Pause etwas gefährlicheren Frankfurtern wäre wohl auch ein Remis nicht unverdient gewesen.



