Nachwuchs 07.12.2021 — 12:30 Uhr

NLZ: Jede Menge Potenzial

Investitionen im medizinischen und athletischen Bereich: EMG und noch intensivere Betreuung

Mit Elektroden werden die Aktionspotenziale ausgewählter Muskeln objektiv gemessen.

Stillstand ist im Nachwuchsleistungszentrum von Mainz 05 in allen Bereichen ein Fremdwort. Jahr für Jahr geht es auch in der medizinischen, physiotherapeutischen und athletischen Betreuung der Spieler darum, innovativ zu sein und besser zu werden – immer im Sinne der nachhaltigen Weiterentwicklung der Ausbildung im NLZ.

An einem kalten Donnerstagmorgen steht U23-Spieler Alessio Curci in der angenehm temperierten Athletikhalle auf dem WOLFGANG FRANK CAMPUS am Bruchweg und hat mehrere Elektroden am Körper. Den Angreifer der höchsten Ausbildungsmannschaft plagen allerdings keine körperlichen Beschwerden. Tim Siekmann, Leiter Medizin & Physiotherapie im NLZ führt mit Curci ein sogenanntes Screening durch und nutzt dabei ein Tool an, das so erst in wenigen Nachwuchsleistungszentren der Republik angewendet wird.

'AM BRUCHWEG' 2021/22 

Dieser Text ist zuerst in der neuen Ausgabe von 'AM BRUCHWEG' erschienen. Das Saisonmagazin des Nachwuchsleistungszentrums informiert jedes Jahr über aktuelle Entwicklungen, alle Mannschaften der 05ER, aber auch über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter den Kulissen. Es gewährt Einblicke in das spannende und umfangreiche Tagesgeschehen in einem der besten Nachwuchsleistungszentren Deutschlands.

Erhältlich ist 'AM BRUCHWEG' natürlich auf dem WOLFGANG FRANK CAMPUS am Bruchweg - als Druckversion im Nachwuchsleistungszentrum, bei Heimspielen der Nachwuchsteams und kostenlos als digitale PDF-Version.

Tim Siekmann (hinten) beim Screening mit U23-Spieler Alessio Curci (vorne).

Objektive Daten

Seit dieser Saison nutzen Siekmann und sein Team im NLZ der 05ER das Tool, mit dem in der Wissenschaft bereits lange gearbeitet wird, welches nun auch in der praktischen Arbeit immer öfter Anwendung findet. Die Methode nennt sich EMG: das steht für Elektromyographie und beschreibt die objektive Messung der Aktionspotenziale ausgewählter Muskeln, also der neuronalen Ansteuerung, nicht zu verwechseln mit der Kraft. "Wir haben das vorher über klinische Testungen gemacht, die vor allem subjektive Eindrücke wiedergeben. Jetzt haben wir ein objektives Tool. Das ist kein Allheilmittel, aber man sieht, ob die Funktionalität gegeben ist oder nicht und kann gleichzeitig Potenziale und Defizite erkennen. Das ist der Vorteil", beschreibt Siekmann.

Wir haben das vorher über klinische Testungen gemacht, die vor allem subjektive Eindrücke wiedergeben. Jetzt haben wir ein objektives Tool

Curci liegt mittlerweile auf einer Gymnastikmatte und beginnt mit den ersten Übungen, angeleitet von Siekmann. Während die Elektroden über Sensoren die Daten direkt an eine Software übertragen, die auf einem Bildschirm Echtzeit-Daten anzeigt, fängt eine Kamera die Bewegungen des Spielers ein. Am Ende kommt ein Mittelwert für die Auswertung und Interpretation der Daten heraus. Warum sich der Aufwand für die optimale Betreuung der Nachwuchsspieler im medizinisch-physiotherapeutischen und athletischen Bereich lohnt: "Die Frage ist: Wie gut kann das Nervensystem einen Muskel ansteuern? Dann kann man am Ende sagen, wie der rechte oder linke Muskel, zum Beispiel beim Oberschenkel, im Seitenvergleich angesteuert werden. Auf dieser Ebene können wir dann arbeiten, einerseits auf einer präventiven Grundlage oder nach einer Verletzung, um zu schauen, ob der Muskel wieder normal funktioniert“ erklärt Siekmann. "Wenn Defizite da sind, haben wir einen Transfer vom medizinisch-therapeutischen in den athletischen Bereich. Das heißt, es können Übungen gemacht werden, speziell abgestimmt auf die muskulären Bereiche, in denen ein Spieler Defizite hat. Der Athletiktrainer sieht auch, mit welchen Übungen man bestimmte Muskeln gut angesteuert bekommt.“

Wofür steht EMG?

EMG steht für Elektromyographie und beschreibt die objektive Messung der Aktionspotenziale ausgewählter Muskeln, also der neuronalen Ansteuerung, nicht zu verwechseln mit der Kraft.

Verbesserung der personellen Infrastruktur

Neben dem neuen Tool wurde auch in die personelle Infrastruktur weiter investiert und die Betreuung der Nachwuchsspieler durch zwei weitere Physiotherapeuten weiter ausgebaut, die sowohl in der Spieltags- und Trainingsbetreuung unterstützen als auch inhaltlich zuarbeiten können. Zu guter Letzt hat die U17 in der B-Junioren-Bundesliga mit Aaron Glaesner einen eigenen Athletiktrainer, der den Staff ergänzt und die Betreuung der Spieler weiter verbessert.

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