Fußball Frauen 12.05.2026 - 17:00 Uhr
"Jetzt haben wir es in der eigenen Hand"
Nadine Kreß, Sportliche Leiterin Mädchen- und Frauenfußball und Chiara Bouziane, Offensivspielerin, äußern sich zu der besonderen Ausgangslage vor dem Saisonfinale der 05-Frauen beim VfR Warbeyen

Es ist eine ungewöhnliche, sehr besondere Woche für die Mainzer Frauen: Nachdem sich der FSV am vergangenen Sonntag auch gegen Ingolstadt durchsetzen und damit den achten Sieg in Folge einfahren konnte, sind die Rheinhessinnen punktgleich mit dem SC Sand, aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses auf den zweiten Rang geklettert und demnach nur noch einen Schritt vom Durchmarsch aus der Regionalliga Südwest in die Google Pixel Frauen-Bundesliga entfernt. Beim VfR Warbeyen können die Rheinhessinnen am Sonntag (14 Uhr, Bresserberg-Stadion, im kostenlosen Livestream bei LEAGUES) aus eigener Kraft den Aufstieg unter Dach und Fach bringen und eine herausragende Saison am letzten Spieltag krönen.
Spiel in Warbeyen "auch eine Aufgabe für den Kopf"
"Es ist auf jeden Fall ein ganz besonderer Moment und eine tolle Ausgangslage, die wir so kurz vor dem Saisonende geschaffen haben", so Nadine Kreß, Sportliche Leiterin Mädchen- und Frauenfußball, über die sehr erfolgreichen vergangenen Wochen, betont aber gleichzeitig: "Nichtsdestotrotz werden wir diese letzte Woche ganz normal angehen - das heißt, am Trainingsprozess verändert sich nichts. Natürlich kennt jeder die Situation und wir sind uns darüber im Klaren, was wir am Sonntag erreichen können. Ich glaube, es ist auch eine Aufgabe für den Kopf, der wir uns jetzt stellen müssen, deshalb versuchen wir, das Spiel so normal wie möglich anzugehen."
Chiara Bouziane, seit 2024 Spielerin des FSV und gebürtige Mainzerin, blickt dem letzten Spiel der Saison mit ähnlichen Gefühlen entgegen: "Wir werden uns genauso wie immer auf die Partie in Warbeyen vorbereiten. Klar, eine gewisse Vorfreude und Spannung sind natürlich vorhanden und wir wollen zu 100 Prozent gewinnen", so die Offensivakteurin, die sich außerdem über die neue Rolle als "gejagtes Team" freut: "Es ist umso schöner, weil wir es jetzt in der eigenen Hand haben und nicht auf andere Plätze gucken müssen." Von einer gewissen Nervosität oder Anspannung sei auf dem Trainingsplatz derweil noch nichts zu spüren: "Die Stimmung ist gerade richtig gut und locker. Wir haben natürlich alle den Sonntag im Hinterkopf, aber wir müssen dieses Spiel erstmal gewinnen - das hätten wir so oder so tun müssen, egal, ob wir Tabellenzweiter und -dritter gewesen wären. Ich hoffe, dass wir uns für diese Saison belohnen können."
"Hatten das Thema Aufstieg sehr lange nicht wirklich im Kopf"
Der mögliche Aufstieg der 05-Frauen hat sich nicht über den gesamten Saisonverlauf hinweg angedeutet. Nach leichten Schwierigkeiten zu Beginn der Hin- sowie Rückrunde haben sich die Rot-Weißen zuletzt jedoch in einen regelrechten Rausch gespielt und 24 von 24 möglichen Punkten aus den letzten acht Spielen geholt - noch im Februar hatte der Abstand auf einen Aufstiegsplatz sieben Punkte betragen. "Ich glaube, wir haben nicht damit gerechnet, dass es für uns wirklich nochmal so weit nach oben geht", so Bouziane über eine durchwachsene Phase zu Beginn der Rückrunde, in der die Mainzerinnen über vier Spiele hinweg kein Tor erzielen konnten. "Natürlich wussten wir, dass wir eine gute Mannschaft sind und sicherlich noch Spiele für uns entscheiden werden. Aber diese sieben Punkte waren dennoch ein großer Abstand. Außerdem haben Teams wie Sand und Stuttgart konstant abgeliefert und gewonnen, deshalb hatten wir das Thema Aufstieg sehr lange nicht wirklich im Kopf."
"Danach ist der Glaube da gewesen, dass wir es schaffen können"
Als Wendepunkt bezeichnet die 29-Jährige das Highlightspiel beim VfB Stuttgart im März, das der FSV vor einer Kulisse von über 31.000 Zuschauern mit 4:2 gegen den Tabellenführer gewann. "Ich glaube, dieser Sieg war ausschlaggebend dafür, dass wir nochmal an die Aufstiegsplätze herangekommen sind. Vor dieser Kulisse mit den vielen Fans, die gegen uns waren, so aufzutreten - das war in dieser Form nicht zu erwarten. Danach ist der Glaube da gewesen, dass wir es schaffen können." Ein wenig Schützenhilfe von anderen Teams hat den Rheinhessinnen zusätzlich in die Karten gespielt: "Der SC Sand hat zuletzt zweimal Punkte liegengelassen. Das hat bei uns zusätzlich den Ehrgeiz geweckt, in der Tabelle weiter nach oben zu klettern."
Für die Offensivakteurin wäre der Aufstieg in die Bundesliga als gebürtige Mainzerin etwas ganz Besonderes: "Wir haben Mädels in der Mannschaft, die vorher noch nie in der 2. Frauen-Bundesliga gespielt haben - und jetzt stehen wir plötzlich so weit oben. Wenn wir es schaffen würden, auf diese Weise Geschichte zu schreiben und ein Teil davon zu sein, würde mich das unglaublich stolz machen. Alle investieren so viel, teilweise sind Schülerinnen bei uns im Kader, die abends nach dem Training noch mit der Bahn nach Hause fahren. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen."


