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Profis 27.11.2023 - 14:20 Uhr

Emotionale Momente & viele positive Aspekte

Enttäuschung und Stolz nach dem 1:1 in Hoffenheim – Burkardt "einfach nur glücklich" über Comeback nach langer Leidenszeit

Dass sich ein Unentschieden beim Tabellensechsten in Sinsheim enttäuschend anfühlen könnte, hätte im Vorfeld dieses zwölften Bundesliga-Spieltages angesichts der schwierigen Personallage wohl niemand erwartet beim 1. FSV Mainz 05. Nach dem 1:1 am Sonntagabend bei der TSG Hoffenheim wussten die Gäste jedoch zunächst nicht so recht, ob sie sich über diesen Punktgewinn, den fünften Zähler seit dem Ausstieg von Bo Svensson und dem dritten ungeschlagenen Spiel unter Jan Siewert richtig freuen sollten aufgrund dieser fulminanten zweiten Halbzeit, in der die Mainzer enorm druckvoll aufspielten, den Gegner kaum noch hinten rauskommen ließen und eigentlich der klare Sieger hätten sein müssen. Weil der FSV aus seiner deutlichen Überlegenheit nach dem Hoffenheimer Ausgleichstreffer ein paar Möglichkeiten zu viel liegen ließ, Aymen Barkok zudem mit einem Strafstoß an TSG-Keeper Oliver Baumann scheiterte und der stark aufspielende Marco Richter mit zwei überragend geschossenen Freistößen  nur das Aluminium traf, blieb den Kraichgauern am Ende ein schmeichelhaftes, den 05ern ein unbefriedigendes Unentschieden. 

"Wir haben das Gefühl, dass wir mehr verdient hatten angesichts der Großchancen. Dennoch ist es ein Punkt, und wir haben zum vierten Mal in Folge nicht verloren. Das hört sich gut an, der Abstiegskampf geht aber auch nach einem guten Spiel weiter", erklärte Martin Schmidt nach dem Abpfiff. Die Leistung, die deutliche Formsteigerung etlicher 05-Profis, die Flexibilität und Konzentration, mit der das Team die taktischen Vorgaben ihres Trainers umsetzte und daraus einen Weg fand, richtig gut Fußball zu spielen, dürfte jedoch viel Unterstützung geben für die kommenden Aufgaben. Genauso wie natürlich die emotionalen Momente nach der Partie. Ausgelöst durch das Comeback von Jonathan Burkardt nach mehr als einjähriger Leidenszeit sowie von Silvan Widmer, der sein erstes Saisonspiel nach der siebenmonatigen Verletzung bestritt und 90 Minuten lang auf dem Rasen seinen Wert für die Mannschaft unterstrich.

05ER.TV 26.11.2023

Die PK nach #TSGM05

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Emotionaler Höhepunkt

Burkardts Einwechslung war der emotionale Höhepunkt der Bundesligapartie bei der TSG und wurde von den mehr als 2.500 mitgereisten Anhängern begeistert gefeiert. Nach dem Schlusspfiff kletterte der Stürmer auf die Tribüne, wo ihn seine Freundin sowie die Familie erwarteten und innigst umarmten. Der Gesichtsausdruck des Spielers zeigte, was ihm dieser erste Auftritt nach so langer Zeit bedeutete. Und auf dem Spielfeld bewies Burkardt mit seiner Ballsicherheit, seinem variablen Spiel auf der Zehnerposition sowie als zweiter Spitze, was der Mainzer Offensive an Qualität gefehlt hat seit einem Jahr. 

"Es war so ein langer Weg. Ich bin einfach nur glücklich“, sagte Burkardt später. "Während des Spiels und bei der Einwechslung war ich sehr fokussiert und habe versucht, alles um mich herum auszublenden. Nach dem Spiel ist mir erst richtig klar geworden, wie schön es ist, nach so langer Zeit wieder dabei zu sein. Ich konnte zuletzt alles voll mitmachen, habe während der Länderspielpause durchtrainiert und wusste, dass ich bereit bin“, sagte er. "Wir wollen jetzt anknüpfen an die Leistung von heute. Das sah super aus und gibt uns Zuversicht. Das war das, was wir sehen wollten, was wir auch von uns erwartet haben. Es ist wirklich schade, dass es nicht drei Punkte geworden sind“, sagte der 23-jährige Angreifer.

Ein unbeschreibliches Gefühl: Jonny Burkardt nach dem Abpfiff vor den Gäste-Fans.

Übertrag gefunden vom Training  aufs Feld 

"Ich bin sehr stolz auf die Leistung der Mannschaft“, erklärte der 05-Trainer. "Wir haben Dinge umgesetzt, die wir trainiert haben. Wir haben den Übertrag gefunden vom Training aufs Feld, sehr mutig gespielt, sowohl gegen als auch mit dem Ball. Klar, hat uns das Spielglück einige Male gefehlt in der zweiten Halbzeit. Die Jungs hatten es mehr als verdient, das Spiel zu gewinnen.“ Siewert war wie alle in der Sinsheimer Arena beeindruckt von der Reaktion seiner Mannschaft auf den Ausgleichstreffer der TSG kurz nach dem Seitenwechsel. "Eine Akzeptanz zu haben für die Dinge, die passieren, das ist das eine“, betonte der Coach, „wir wollen aber auch einfach die Dinge beeinflussen, die wir beeinflussen können: Im Spiel zu bleiben nach dem Tor, in unseren Prinzipien zu bleiben. Die Art und Weise, wie wir auch verteidigt haben, fand ich bemerkenswert. In der Situation den Ball zu gewinnen, und die Tiefe zu bespielen, das sind die Muster, die wir brauchen, um den Gegner immer wieder vor Probleme zu stellen. Es reicht nicht, nach der Balleroberung im Ballbesitz zu bleiben, sondern wir müssen dann schnell die Tiefe bedrohen. Da waren heute einige Möglichkeiten dabei“, sagte Siewert.

Taktische Flexibilität

Der Trainer überraschte in Sinsheim mit einer neuen Grundformation. Wegen der Ausfall-Liste schickte der 41-Jährige seine Abwehrkette im 4-2-3-1 auf den Rasen, die sich aus Silvan Widmer, Edimilson Fernandes, Anthony Caci und Phillipp Mwene zusammensetzte. Das Besondere daran war, dass sich daraus intuitiv immer wieder eine Fünferkette entwickelte. Siewert hatte angekündigt, aus der Not eine Tugend machen zu wollen. Im Spiel sah das dann so aus, dass sich bei Hoffenheimer Ballbesitz Tom Krauß als Sechser ins Zentrum der letzten Reihe zurückfallen ließ. Bei eigenem Ballbesitz stieß zudem Edi Fernandes häufig mit schnellem Antritt  mit nach vorne. Der Schweizer Nationalspieler schuf dabei einige überragende Momente, wie die Vorbereitung des Führungstreffers durch Marco Richter mit einem öffnenden Diagonalpass, der dem Neuzugang die Möglichkeit gab, unbedrängt Richtung Hoffenheimer Strafraum zu sprinten und seinen ersten Treffer im 05-Trikot zu erzielen. Barkok hätte das noch toppen und auf 2:0 erhöhen können, vergab aber nach Vorarbeit des gegenüber den bisherigen Saisoneinsätzen deutlich verbesserten Ludovic Ajorque eine Großchance und später den möglichen Sieg mit dem verschossenen Elfer. 

"Prinzipiell finde ich es wichtig, dass Spieler eine Eigenverantwortung haben. Aymen nimmt sich den Ball in dem Moment, und alle haben ihm den Elfer gegönnt, weil er vorher seine Chancen nicht nutzen konnte. Entscheidend ist, was nachher in der Kabine passiert ist. Dass ihn die Jungs aufgebaut haben, positiv damit umgegangen sind. Das ist  die Haltung, die man zeigen muss nach einer solch intensiven Phase, wie wir sie in den vergangenen Wochen hatten“, erklärte Siewert. Ihre schwierigste Phase mussten die Mainzer in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs überstehen, als die Gastgeber  mit vier Chancen binnen sieben Sekunden  gescheitert waren. Szenen, die es allerdings nicht gegeben hätte, wenn Deniz Aytekin  zuvor das Foulspiel  von Anton Stach an Ajorque geahndet hätte. Der Schiedsrichter   entschied aber fälschlicherweise auf Freistoß für die Hoffenheimer, die dadurch noch einmal  in Ballbesitz kamen.

Ein einziges Mal nicht auf der Höhe

Beim 1:1 kurz nach der Pause war dann die umformierte  Mainzer Hintermannschaft ein einziges Mal nicht auf der Höhe. Vom Ausgleich ließ sich der Tabellensechzehnte jedoch genauso wenig beeindrucken, wie von Barkoks verschossenem  Strafstoß. Im Gegenteil: Die 05er spielten guten Fußball, waren die bessere Mannschaft, setzten die TSG unter Druck, verpassten jedoch einige Male den richtigen Moment für den Abschluss und hatten Pech mit den zwei Richter-Freistößen an die Latte. 

Haltung bewiesen nach dem Ausgleich

"Es war ein intensives Spiel“, erklärte der 05-Trainer später. "Ich verspüre zeitgleich eine Enttäuschung, aber auch Stolz, weil wir deutlich näher am Sieg waren. Nach dem Ausgleich haben wir Haltung bewiesen, sind dran geblieben, haben immer  wieder versucht nach vorne zu spielen, Räume zu ziehen, die bespielbar werden können, wenn man in der Art und Weise Fußball spielt, wie wir es getan haben.“

Die Mainzer haben keine drei Punkte mitgenommen; Jedoch viele positive Aspekte und Erkenntnisse, die Mut und Selbstvertrauen für die bevorstehenden Herausforderungen im Abstiegskampf geben sollten.