Profis 14.08.2026 - 15:00 Uhr
Rose kommt mit Bournemouth: "Da ist schon viel Mainz 05 drin“
Am Samstag treffen die 05ER im Härtetest vor dem Pflichtspielstart auf den Europa-League-Teilnehmer AFC Bournemouth mit dem ehemaligen 05-Profi an der Seitenlinie

Marco Rose ist zurück in Mainz – diesmal allerdings als Trainer des AFC Bournemouth, Tabellensechster der letzten Premier League-Saison und Europa League-Teilnehmer. Vor dem Testspiel zwischen seinem neuen Klub und den 05-Profis am Samstag (15:30 Uhr, Tickets im Online-Shop) im Rahmen des 05ER Saisoneröffnungs-Wochenendes (Alle Infos) in der MEWA ARENA spricht der 49-Jährige über seine ersten Wochen in England, die Parallelen zwischen Bournemouth und Mainz 05 und die Herausforderungen des internationalen Fußballs. Vor allem aber wird deutlich, wie eng Rose, der von 2002 bis 2011 beim FSV spielte, noch immer mit der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt verbunden ist: Seine Tochter wurde in Mainz geboren, er hat immer noch viele Freunde in der Stadt und bezeichnet die Zeit, in der die Rheinhessen 2004 erstmals in die Bundesliga aufstiegen, als seine schönste als Spieler.
Hallo Marco, wie waren die ersten Wochen in Bournemouth?
Marco Rose: Intensiv, aber gut. Die Leute hier machen es uns allen sehr leicht. Der Verein ist gut strukturiert, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr freundlich und versuchen, uns zu unterstützen, wo sie nur können. Die Mannschaft macht Spaß, und wir haben gerade richtig Freude daran, mit den Jungs zu arbeiten und zu trainieren. Auch die Region ist wirklich schön. Insgesamt ist alles auf einem ordentlichen Weg.
Du bist jetzt das erste Mal Trainer im nicht deutschsprachigen Bereich. Wie läuft es sprachlich?
Rose: Alles top. Selbst wenn du in Deutschland arbeitest, ist es inzwischen so international geworden, dass du viel Englisch sprichst. Aber du kannst noch so viele Englischstunden nehmen – am Ende musst du in die Situation rein, anpacken, lernen und besser werden. Ich habe das selbst als Trainer und früher als Spieler immer sehr geschätzt, wenn Leute, die nach Deutschland kamen, versucht haben, jeden Tag besser zu werden und die Sprache zu sprechen. Es geht immer nur darum, sich zu trauen. Am Ende verstehen wir uns, alles ist gut und mein Englisch wird besser.
Bournemouth – ein bisschen wie Mainz 05
Du hast Bournemouth in einem Interview mit dem 'kicker' als eine Art "gallisches Dorf der Premier League“ bezeichnet: kleines Stadion, familiärer Verein, gute Entwicklung. Erinnert dich das ein bisschen an Mainz 05?
Rose: Ja, das habe ich schon oft gedacht und gesagt. Ähnliche Strukturen, ähnliche Probleme, ähnliche Wege. Es ist auch ein Verein, der in den Neunzigern wirklich gekämpft hat. Teilweise wusste man hier nicht so richtig, wo man trainieren sollen. Fans haben den Laden am Laufen gehalten, viele Leute haben sich engagiert. Dann hat man angefangen, sportlich gute Entscheidungen zu treffen. Es kam Eddie Howe, der Aufstieg in die League Two, League One, Championship und dann 2015 erstmals in die Premier League. Danach gab es nochmal einen Abstieg, so wie bei Mainz 05 auch. Trotzdem ist man wieder hochgekommen, hat sich kontinuierlich verbessert und spielt dieses Jahr Europa League. Da ist schon viel Mainz 05 drin – auch was das Drumherum betrifft. Ein sehr familiärer Klub, aber trotzdem ambitioniert.
"Intensiven, aktiven Fußball wollen wir beibehalten“
Was hat dich an der Aufgabe Bournemouth besonders gereizt?
Rose: Ich hatte von Beginn an ein gutes Gefühl mit den Leuten, mit denen ich gesprochen habe. Und dann natürlich auch mit der Mannschaft. Ich habe sie mir angeschaut, spielen sehen und gesehen, was sie auf den Platz bringt: Intensität, Wille, Mentalität, aber auch Qualität. Wir haben beispielsweise mit Junior Kroupi, der leider verletzt ist, ein Top-Talent. Mit Rayan haben wir einen Spieler, der bei der Weltmeisterschaft dabei war, und mit Alex Scott einen jungen Akteur, der jetzt leider wegen einer Sperre nicht mitkommen kann. Dazu kommen einige gute erfahrene Jungs. Diese Kombination aus Qualität und Intensität hat mich sehr schnell für den Verein begeistert.
Was soll Bournemouth unter Marco Rose in Zukunft auszeichnen?
Rose: Die Art und Weise, für die der Verein bis hierhin gestanden hat, wollen wir fortführen. Ich glaube, auch deswegen hat sich Bournemouth dafür entschieden, mich zu holen. Diesen intensiven, aktiven Fußball wollen wir beibehalten. Wir passen vielleicht ein paar strukturelle Dinge im Spiel an. Die große Herausforderung wird sein, dass wir jetzt international spielen und dadurch noch mehr Spiele haben. Das kennt man in Mainz und allen Vereinen, die zum ersten Mal international spielen. Es wird eine große Challenge, aber die nehmen wir gerne an. Am Ende geht es immer darum, Ambitionen und Erwartungshaltung so gut wie möglich zu moderieren.
"Für mich war es die schönste Zeit als Spieler“
Am Samstag geht es für euch zum Testspiel nach Mainz. Was bedeutet es dir, wieder hierherzukommen?
Rose: Das ist immer schön. Ich freue mich drauf und komme immer wieder gerne nach Mainz zurück. Meine Tochter ist hier geboren. Ich hatte als Spieler meine schönste Zeit bei Mainz 05, habe nach wie vor Kontakt und Freunde dort. Deswegen freue ich mich immer, zurückzukommen.
Hast du auch noch Kontakt zu ehemaligen Weggefährten?
Rose: Unregelmäßig mit Kuhni (Stephan Kuhnert, Torwarttrainer der 05ER, Anm. d. Red.), Walter Notter, Darius Salbert, Christian Heidel und der Mannschaft von damals. Beispielsweise Niklas Weiland, Dimo Wache oder Fabian Gerber, der jetzt in Erfurt ist. Mit den Jungs habe ich schon immer mal wieder Austausch und Kontakt. Es war eine besondere Zeit.
Gänsehaut am Bruchweg
Du hast fast 200 Pflichtspiele für die erste und zweite Mannschaft von Mainz 05 gemacht. Was haben der Klub und die Stadt Mainz aus dem Menschen und Sportler Marco Rose gemacht?
Rose: Ich bin Vater geworden in dieser Stadt. Als Mannschaft haben wir gefeiert ohne Ende. Mainz war schon speziell – Fastnacht, Spiele verloren, scheißegal: wir sind rausgegangen und wollten das nächste Spiel wieder gewinnen. Wir wollten unbedingt, waren ambitioniert und hatten Bock auf den Verein, auf die Stadt und auf die Leute. Und die Leute hatten Bock auf uns. Das war die Zeit, in der alles ein bisschen explodiert und gewachsen ist. Bei meinem ersten Spiel stand noch die alte Gegengerade. Die Haupttribüne wurde gebaut, wir haben uns noch in einem kleinen Häuschen umgezogen. Dann kamen die Tribünen hinter den Toren, die Ecken wurden geschlossen. Der Bruchweg war für mich immer Gänsehaut. Die Beziehung mit den Leuten in der Stadt war immer besonders. Deswegen war es für mich die schönste Zeit als Spieler.
Was Rückschläge fürs Leben lehren
Du hast die Enttäuschung eines verpassten Aufstiegs 2003 miterlebt und dann den ersten Bundesliga-Aufstieg mit Mainz 05 ein Jahr später geschafft. Helfen dir diese Erfahrungen heute noch als Trainer?
Rose: Ja klar. Auch das gehört im Leben dazu. Und das waren Rückschläge, die man eigentlich gar nicht mehr erklären konnte. Im ersten Jahr ein Punkt, da war ich noch nicht dabei, im zweiten Jahr ein Tor. Und dann steigst du mit 53 Punkten auf. Natürlich nimmt man das fürs Leben mit und erinnert sich immer wieder daran. Man lernt, mit Rückschlägen umzugehen. Man lernt auch, gute Momente, Titel oder etwas Besonderes, das man erreicht hat, zu schätzen. Und trotzdem wissen wir natürlich alle, wie das Geschäft funktioniert. Das habe ich jetzt als Trainer auch schon ein-, zweimal erleben dürfen.
"Du musst dir selber treu bleiben“
Hast du schon früh gemerkt, dass der Trainerberuf dein Weg sein könnte? In Mainz hast du zunächst als spielender Assistent in der U23 angefangen, über RB Salzburg, Mönchengladbach, Dortmund und Leipzig ging es in die Premier League.
Rose: Ich wollte unbedingt im Fußball bleiben, aber nicht ins Büro. Ich wollte auf dem Platz sein und das hat mir Spaß gemacht. Ich habe damals schon die Baku-Brüder im Schultraining trainiert. Und dann bin ich Schritt für Schritt meinen Weg gegangen. Mainz 05 hat mir dabei natürlich geholfen.
Du hast viele Trainer erlebt. Was hast du von ihnen mitgenommen?
Rose: Ich hatte wirklich gute Trainer. Überall guckst du ein bisschen und nimmst dir etwas mit. Dann ist es aber wichtig, dass du den Job auch von der Pike auf lernst, deine Schritte gehst, Fehler machst und Dinge richtig machst. Am Ende ist das Entscheidende, glaube ich, immer, dass du dir selbst treu bleibst und authentisch bist.
Vorfreude auf Samstag
Wie blickst du auf Mainz 05 und das bevorstehende Testspiel am Samstag? Es ist für beide Teams der Härtetest vor dem Pflichtspielstart.
Rose: Urs Fischer trainiert immer Mannschaften, die wahrscheinlich mit am besten organisiert sind und am besten umschalten. Es war schon außergewöhnlich in der vergangenen Saison, ähnlich wie Bo Henriksen das vorher geleistet hat. Den Verein in einer schwierigen Situation zu übernehmen und dann so zu stabilisieren war stark. Ich freue mich, dass Mainz immer wieder schwierige Situationen gemeinsam meistert und mittlerweile ein etablierter Bundesligist ist. Ich freue mich auf das Spiel. Wir kommen mit ein paar kleineren Problemen, haben aber trotzdem noch eine gute Mannschaft zusammen. Das wird schon eine Aufgabe. Wir hatten bis hierhin Top-Spiele und gute Ergebnisse in der Vorbereitung. Ich glaube, es wird ein guter Test und ich hoffe, dass ein paar Zuschauer kommen.



