• Home
  • News
  • Rio Takizawa: "Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen"

Fußball Frauen 14.08.2026 - 19:30 Uhr

Rio Takizawa: "Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen"

Die 29-Jährige stand vergangene Saison kurz vor der Rückkehr in die Heimat, entschied sich letztendlich doch für Mainz 05

Zwei Neuzugänge unter sich: Gentiana Fetaj (li.) und Rio Takizawa (re.).

Ein Tag ohne Essen, ein verkorkster Aufstieg und jede Menge Puzzlestücke: Rio Takizawa hat schon einiges in ihrem Fußballerleben erlebt und das alles fast 13.000 Kilometer entfernt von ihrer Heimat. Nun steht für sie ein neues Kapitel an. Die 29-Jährige Japanerin wechselte im Sommer vom SC Sand an den Rhein und geht gemeinsam mit den 05-Frauen in ihre erste Bundesligasaison.

Das Abenteuer Fußball begann bei Takizawa bereits mit sechs Jahren, durch den Einfluss ihres älteren Bruders. Sie spielte fortan sechs Jahre in der Grundschulmannschaft und schloss sich nach dieser Zeit keiner renommierten Schulmannschaft an, sondern wechselte zu Albirex Niigata, dem größten Verein in ihrer Heimatpräfektur: "Die Zeit in der Jugendmannschaft hat mich sehr geprägt. Ich glaube, das war die Zeit, in der ich am meisten Spaß an Fußball hatte. Im Vergleich zu den Schulmannschaften, wo viel mehr Hierarchie, Respekt und Disziplin herrschen, stand im Vereinsfußball sehr der Spaß im Vordergrund. Meiner Entwicklung hat das sehr geholfen." Diese Verbindung zwischen ihr und ihrem Heimatverein blieb bestehen. Denn nach ihrem Abschluss an der Kanagawa-Universität, schloss sich Takizawa wieder Albirex Niigata an - diesmal als Profi. Zwei Jahre spielte sie dort in Japans höchster Spielklasse, bevor sie zu AC Nagano Parceiro wechselte und weitere zwei Jahre dort verbrachte. Doch war das wirklich das, was sie als Fußballerin wollte?

Eine Zugfahrt aus der Hölle

"Während meines Studiums hatte ich zwei Wochen in Amerika verbracht und habe gemerkt, wie groß die Welt ist. Ab diesem Zeitpunkt war es mein Ziel, ins Ausland zu gehen und Fußball zu spielen" - die Erfüllung dieses Traumes zog sich etwas in die Länge, wurde letztendlich zur Saison 2023/24 Realität für Takizawa. "Ich kam über Umwege in Kontakt mit einer Deutsch-Japanerin, die mir bei der Vereinssuche geholfen hat. Ich habe viele Highlight-Videos von mir an Vereine geschickt, die auf der Suche nach Spielerinnen auf meiner Position waren. Im Endeffekt habe ich dann Einladungen vom SV Meppen und SC Sand bekommen. Also habe ich meine Koffer gepackt und bin nach Deutschland gereist", erklärte die 29-Jährige den Anfang ihrer Deutschlandreise - welche auch viele Komplikationen mit sich brachte: "Nach meinem Probetraining in Meppen musste ich ohne jegliche Sprachkenntnisse von Meppen nach Sand kommen. Ich wusste gar nicht, wie das Zugsystem hier funktioniert, und war sprachlich so eingeschränkt, dass ich mir nicht einmal was zu essen kaufen konnte. Ich bin dann sechs Stunden stehend und mit leerem Magen nach Sand gefahren", erinnert sich Takizawa. In Sand fühlte sich die Japanerin dann direkt wie zuhause und verbrachte drei erfolgreiche Jahre beim SC.

Eine zweite Chance

Des einen Freud ist des anderen Leid. Das musste Takizawa vergangene Saison am eigenen Leib erfahren. Während der FSV den Aufstieg in die Google Pixel Frauen-Bundesliga feierte, waren die Frauen vom SC Sand bitter enttäuscht: "Wir hatten eine super Mannschaft in der vergangenen Saison, leider ist uns am Ende die Puste etwas ausgegangen. Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, wieder nach Japan zurückzukehren, doch so ein bitteres Ende konnte ich nicht auf mir sitzen lassen." Genau da klopfte 05-Trainer Takashi Yamashita erneut an die Tür der 29-Jährigen: "Taka hatte mich schon mehrmals gefragt, ob ich nicht nach Mainz kommen will. Ich hatte damals immer abgelehnt, weil ich mein Deutsch verbessern wollte und ich eine Umgebung gesucht hatte, in der wenig Japaner sind. Diesmal musste ich jedoch an meinen Traum Bundesliga denken und habe das Angebot dankend angenommen", erklärte Takizawa die Gründe für ihren Wechsel. 

"Puzzlestücke auf dem Rasen"

In Mainz angekommen, spürte sie den Wechsel direkt: "Auf einmal war ich wieder umgeben von Japanern und generell auch von viel mehr Leuten. Beim SC waren stets nur zwei Trainer auf dem Trainingsplatz, hier bei Mainz 05 läuft alles viel professioneller ab. Ich war von der Vielzahl an Staffmitgliedern sehr überrascht. Gleichzeitig kann man sich in diesem Umfeld sehr schnell entfalten und leistungstechnisch an seine Grenzen gehen." Diese Grenzen gilt es in der kommenden Saison zu überschreiten - vor allem in der Defensive. Takizawa, selbst ist im zentralen Mittelfeld zuhause, möchte dabei so gut es geht helfen und stellt sich in den Dienst der Mannschaft: "Meine Aufgabe wird es sein, durch gute Positionierung und Antizipation die Abwehrreihe zu entlasten. Auch bei eigenem Ballbesitz versuche ich stets, Ballverluste vorherzusehen, damit ich den zweiten Ball erobern kann." Eine Einstellung, die viel Konzentration erfordert, welche die Japanerin auch mit dem Lösen von Puzzeln trainiert: "Wenn ich einmal anfange, kann ich meistens nicht mehr aufhören und sitze dann gut und gerne drei bis vier Stunden vor einem Puzzle."

Dass die anstehende Spielzeit im Oberhaus als Aufsteiger eine schwere Prüfung wird, ist dem Team und auch Takizawa bewusst - der direkte Klassenerhalt ist das Ziel, um sich in der Liga zu etablieren. Persönlich legt die Spielerin ihren Fokus dabei vor allem auf Vorlagen: "Ich konzentriere mich eher auf Assists als auf Tore, aber ein Bundesliga-Tor wäre schon die Krönung." Zwar verpasst sie durch den Vereinswechsel von Alexandra Popp (wechselte im Sommer von Wolfsburg zum BVB) das direkte Aufeinandertreffen mit ihrem Idol, doch die Vorfreude auf die physisch anspruchsvolle Liga ist riesig.

Ausblick auf den Saisonstart

Für die 05-Frauen steht am morgigen Samstag das letzte Spiel der Vorbereitung gegen Racing Straßburg an. In zehn Tagen empfangen die Mainzerinnen den SV Werder Bremen zum Ligaauftakt (24. August, 18 Uhr, Bruchwegstadion, live bei MagentaSport, DAZN und im Free-TV bei Sport1).