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Profis 05.11.2026 - 19:30 Uhr

"Totale Überzeugung, mit breiter Brust auf den Platz zu gehen"

05-Kapitän Silvan Widmer spricht vor dem Duell mit dem Rekordmeister über die Negativentwicklung der vergangenen Woche & wie der Umschwung eingeleitet werden soll: "Ich will, dass man sich abklatscht nach einer gelungenen Aktion"

Die anstehende Länderspielpause wird anders: Im Anschluss an die Weltmeisterschaft im Sommer hat Silvan Widmer seine Karriere in der Schweizer Nationalmannschaft für beendet erklärt. Der Schlusspunkt nach 65 Spielen für sein Heimatland fiel nicht leicht, aber mit Rücksicht auf seinen Körper. Kleinere Reisetrapazen nimmt er in der kommenden Woche dennoch auf sich, schließlich steht seine offizielle Verabschiedung bevor. Nur allzu gern würde er dafür frischen Rückenwind aus der Bundesliga mitnehmen und ein Erfolgserlebnis nach der jüngsten Englischen Woche zum Vergessen. Vor dem Duell mit Rekordmeister Bayern München gab es reichlich Redebedarf rund um den Bruchweg, schließlich braucht es gegen den Tabellenführer eine absolute Top-Leistung über 90 Minuten, und mehr, wie Widmer im Interview erläutert. 

Drei Niederlagen gegen Bremen, Bochum und Elversberg, neun Gegentore und Auftritte der 05ER, die Fragen aufwarfen - bei Fans, Spielern wie Verantwortlichen. Als "schwer erklärbar" bezeichnet auch 05-Kapitän Widmer das Erlebte, liefert aber durchaus Ansätze: "Man geht in so einer Woche dann von Spiel zu Spiel - ich kenne das auch aus der Vergangenheit –, kann kaum trainieren, und hat ein immer schlechteres Gefühl, verliert an Selbstvertrauen und den Glauben in die eigene Stärke", so der Außenverteidiger. Die Konsequenz: Analysen, interne Kommunikation, klare Ansagen. Und die Rückbesinnung darauf, auf welche Tugenden es ankomme. "Zu viele Gegentore sind ein Hauptaspekt, den wir uns ankreiden müssen. Da geschehen zu viele Fehler im Kollektivverhalten auf dem Rasen, oftmals sind es auch mehrere Fehler in einer Aktion, in einer Sequenz - und das wird in der Bundesliga einfach eiskalt bestraft. Insofern wird es jetzt ganz, ganz wichtig, dass wir wieder zurückgreifen können auf das, was uns immer stark gemacht macht und gemacht hat: auf dieses Zusammenarbeiten, das gegenseitige Unterstützen und die totale Überzeugung, mit breiter Brust auf den Platz zu gehen."

Silvan im Sommer 2021 am Bruchweg: Gegen Bayern München könnte er am Wochenende sein 138. Bundesliga-Spiel bestreiten.

Verantwortungsvolle Kapitänsrolle 

Das zuletzt (vorübergehend) abhanden gekommene Selbstvertrauen hole man sich zwar in erster Linie an Spieltagen zurück, gleichzeitig habe es die Mannschaft in den letzten Jahren immer wieder ausgezeichnet durch hohe Intensität in den Trainingseinheiten die Voraussetzungen für erfolgreiche Auftritte am Wochenende zu schaffen. "Wir haben hier eine Kultur, dass im Training Gas gegeben wird. Setzen wir das mal nicht um, gibt es ein klares Feedback. Aber da sind wir als Mannschaft schon sehr zuverlässig und ziehen durch. So bin ich überzeugt davon, dass wir aus dieser Negativspirale rauskommen", erklärt Widmer. Klar sei aber auch, dass der Turnaround kurzfristig angestrebt werden müsse. Die kleine Krise der Gegenwart soll sich schließlich nicht ausweiten, die Erinnerungen an die furiosen, aber auch kraftraubenden Aufholjagden der vergangenen Jahre sind frisch. 

In seiner sechsten Saison als 05ER hat auch Widmer fast alles mitgemacht beim FSV und möchte seiner Verantwortung im dritten Jahr als Kapitän auf wie neben dem Platz gerecht werden: "Ich beobachte, versuche Einfluss zu nehmen. Ich versuche Mut zuzusprechen, aber auch Klartext zu reden, wenn es nötig ist. Es ist einfach wichtig, dass allen klar vor Augen geführt wird, was Sache ist, dass jeder den Ist-Zustand versteht und wir in die gleiche Richtung rudern. Das ist natürlich nicht allein meine Aufgabe, sondern vor allem die des Mannschaftsrats und des Trainerteams. Dafür stehen wir in der Verantwortung.“ Kommen die Bayern nun am Wochenende gerade recht als Gegner in der MEWA ARENA, um in die Rolle des Underdogs schlüpfen zu können? "Es ist eigentlich egal, gegen wen wir jetzt spielen. Wir können vielleicht ein wenig befreiter aufspielen. Aber wir wissen auch, dass wir eine 10/10-Leistung brauchen, um die Bayern zu schlagen. Das steckt in uns drin, das wissen wir und haben es auch schon gezeigt. Also werden wir bereit sein und alles geben", so der 33-jährige Routinier. Sein Wunsch für den Auftritt am Samstag, bei dem er die Rolle des Gelb-gesperrten Phillipp Mwene übernehmen könnte: "Ich will Zusammenhalt sehen, ich will entschlossene Grätschen und die passende Körpersprache sehen. Ich will, dass man sich abklatscht nach einer gelungenen Aktion. Ich will, dass die Fans spüren, die Mannschaft hat was vor heute.“

"Es ist eigentlich egal, gegen wen wir jetzt spielen"

Gelingt dem FSV gegen den Rekordmeister der angestrebte Leistungsaufschwung, dürfte die letzte Länderspielpause des Jahres nach den intensiven letzten Wochen nicht ganz unrecht kommen. Mit einem umso besseren Gefühl würde Widmer dann auch die Reise in die Heimat antreten, um seiner Ehrung beizuwohnen. Hinter dem Entschluss, die internationale Karriere zu beenden, steht er aber nach wie vor. Zwar fühle es sich noch sehr ungewohnt an, "weil ich in den letzten Jahren oft direkt nach dem letzten Spiel weitergereist bin. Jetzt habe ich während dieser Wochen etwas Luft und Raum, meinem Körper eine Pause zu gönnen. Auf ein paar freie Tage mit der Familie freue ich mich umso mehr."