Profis 17.10.2018 — 09:01 Uhr

Vom 05-Fan zum 05-Bundesliga­trainer

Sandro Schwarz wird 40: Ein Karriere-Portrait zum runden Geburtstag

Wenn der Trainer des 1. FSV Mainz 05 seine Bundesligaprofis am Mittwochmorgen um 10 Uhr zur öffentlichen Trainingseinheit bittet, dürfte ihm ein Ständchen sicher sein. Denn Sandro Schwarz wird 40. Die 05er gratulieren ihm auf diesem Wege ganz herzlich, wünschen alles Gute zum runden Geburtstag, möglichst viele Erfolgserlebnisse mit seiner Mannschaft und portraitieren aus gegebenem Anlass noch einmal den Werdegang des Fußballlehrers aus dem eigenen Stall.

Das Testspiel beim FC Eddersheim am Wochenende war für Sandro Schwarz so etwas wie ein Treffen mit der eigenen Vergangenheit. Etliche Spieler im Team des hessischen Oberligisten machten ihre ersten fußballerischen Entwicklungsschritte unter dem 05-Cheftrainer. Damals beim FC Eschborn, wo Schwarz seine ersten Erfolge als Fußballlehrer feierte, die Mannschaft von der Oberliga in die Regionalliga führte. Zuvor hatte er zwar schon kurze Stippvisiten im Profifußball hinter sich, war 2009 beim Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden für drei Monate vom Spieler zum Teamchef befördert worden, konnte jedoch den Abstieg nicht mehr verhindern. Und auch im Folgejahr in der dritten Liga passte es nicht für ihn beim Nachbarklub. Nach 251 Tagen als Co-Trainer einigte man sich auf eine Trennung.

"Ein außergewöhnlicher Mensch"

Der FC Eschborn war das erste richtige Engagement des jungen Trainers. Und Rouven Leopold, der aktuelle Eddersheimer Coach, war der Kapitän jener Mannschaft. Außergewöhnlich sei diese Zeit mit Schwarz gewesen, sagte Leopold nach dem Testspiel. "Außergewöhnlich, wie er auch ist. Ein außergewöhnlicher Mensch. Ich habe unter ihm in einem Alter spielen dürfen, wo andere schon aufhören. Die Leute sagen, mit 35 wirst du dich nicht mehr groß verbessern. Das war bei mir anders. Sandro war der Trainer, der am meisten aus mir herausgeholt hat."

Leopold ist noch zwei Jahre älter als sein früherer Coach, den er als "tollen Menschen" bezeichnet, von dem er selbst viel gelernt habe. "Dass es im Fußball keine Grenzen gibt. Dass man alles erreichen kann mit Gemeinschaft, mit Willen, mit den Grundtugenden des Spiels. Sandro ist nie abgehoben, er ist authentisch, er ist immer der Gleiche geblieben. Das nehme ich mir als Trainer auch vor. Wenn du das vorlebst, werden die Spieler dir immer folgen. Das ist in der Mainzer Mannschaft nicht anders, da bin ich mir sicher. Ich traue Mainz 05 und ihm noch viel zu."

Zwei Kreuzbandrisse beim Profi-Start

Der 05-Trainer hat in seiner Fußballkarriere wenig geschenkt bekommen. Der defensive Mittelfeldspieler, der aus der A-Jugend den Sprung in den 05-Zweitligakader schaffte, hatte einen schwierigen Start. Der Spielstiel des Jung-Profis, der schon als jugendlicher Fan zum Bruchweg pilgerte, war derart intensiv, dass ihn schon vor seinem 21. Lebensjahr zwei Kreuzbandrisse zurückwarfen. Schwarz war ein Arbeiter, der grätschte, bedingungslos fightete, dabei aber auch über strategische Fähigkeiten verfügte. Mehrere Operation kosteten den jungen Fußballer jedoch seine Schnelligkeit, die ihn zuvor ausgezeichnet hatte.

Wohl auch deshalb erfüllte sich der Traum vom Bundesligaspieler für ihn nicht. Trotz enormer Disziplin und professionellen Lebenswandels. Schwarz erlebte die großen Nichtaufstiegsdramen unter Jürgen Klopp und gehörte zu den 05-Aufstieghelden 2004. Danach war jedoch kein Platz mehr im Team. Der Spieler ließ seine Karriere mit insgesamt 168 Zweitligaspielen bei Rot-Weiß Essen und in Wehen ausklingen.

Beobachtungen beim Tuchel-Training

Im Sommer 2010 nahmen die Trainer-Ambitionen konkrete Formen an. Schwarz stand eine Woche lang täglich am Trainingsplatz der 05er im österreichischen Flachau, beobachte die Einheiten von Thomas Tuchel und schrieb eifrig mit: Vorbereitung auf den Erwerb der Fußballlehrer-Lizenz. "Ich finde besonders das Coaching von Tuchel imponierend. Mit kurzen, prägnanten Sätzen erreicht er viel, um die Trainingsqualität zu steigern. Ich bin überzeugt davon, wenn ein Trainer nur Inhalte vorgibt, aber nicht so intensiv coacht, dass er dann eine solche Qualität, wie sie hier gezeigt wird, nicht erreicht. Ich persönlich kann da sehr viel für mich mitnehmen", sagte der damals 31-Jährige der Mainzer Rhein-Zeitung.

Von der Vertragsunterzeichnung bis zum Klassenerhalt - die erste Bundesliga-Saison als Cheftrainer

"Tuchel hat auf dem Platz sofort die Lösungsmöglichkeiten parat. Er spricht Fehler an, steuert direkt auf ein Ziel hin. Wie er trainiert, wie er das Ganze forciert und fordert. Die Spieler machen gefühlt jede Stunde Fortschritte." Alle Beobachtungen übertrug Schwarz in ein Computerprogramm der Trainingsformen. "Mir geht es nicht darum, etwas zu kopieren. Ich will Erfahrungen sammeln und versuche, für mich selbst einen Weg zu finden, der zu mir als Typ passt."

Heimkehr 2013

Schwarz baute anschließend erfolgreich die Lizenz und kehrte nach den Lehrjahren in Eschborn 2013 heim an den Bruchweg. Zunächst als Trainer der U19, dann als Coach der U23. Inzwischen bestreitet der 40-Jährige seine zweite Saison in der Bundesliga. Schwarz genießt in der Branche den Ruf als glänzender Taktiker, der seine Mannschaft bestens auf die jeweiligen Aufgaben einstellen, sein Team in den verschiedensten Grundaufstellungen ausrichten kann. Weggefährten bezeichnen seine Ruhe bei aller Emotionalität sowie seine Authentizität als große Stärken, die nicht zuletzt dafür verantwortlich waren, dass die 05er den Abstiegskampf der vergangenen Saison im Endspurt erfolgreich bewältigten.

Alles Gute zum 40., Coach!

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