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Profis 08.04.2026 - 18:00 Uhr

Jugend forsch im Elsass

2011 stand Racing Straßburg am Abgrund, 2023 erfolgte nach dem Einstieg eines neuen Investors eine radikale Kursänderung hin zur Talentschmiede

Valentín Barco (Nummer 32) zieht bei Racing Straßburg die Fäden im zentralen Mittelfeld (Foto: IMAGO / PsnewZ)

Im August 2011 war der Racing Club de Strasbourg Alsace dem Abgrund nah. Etwa ein Jahr zuvor waren "Les Bleus" erstmals in ihrer langen Vereinsgeschichte in die Drittklassigkeit abgestiegen, die wirtschaftliche Situation war ebenso gravierend wie die sportliche. Der direkte Wiederaufstieg misslang. Mitte Juli 2011 wurde Racing aufgrund von Schulden in Höhe von rund vier Millionen Euro endgültig in die vierte Liga strafversetzt, der Klub verlor seinen Profistatus und die eigene Fußballschule. Es kam noch schlimmer: Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens wurde die Vereins-Kapitalgesellschaft aufgelöst, Racing musste schlussendlich als Neugründung in der fünften französischen Liga von vorne beginnen. Mittlerweile hat sich der Klub längst rehabilitiert und überzeugt seit etwa drei Jahren mit einem Konzept, das voll auf junge Spieler setzt.

Rückblende: 1906 als FC Neudorf im gleichnamigen Straßburger Stadtteil gegründet bekam der Klub 1921, nachdem Elsass-Lothringen wieder an Frankreich zurückgefallen war, seinen heutigen Namen in Anlehnung an den damals prestigeträchtigsten Fußballverein in Frankreich, den Pariser Racing Club de France. Meist bewegte sich der Racing Club zwischen erster und zweiter Liga mit kleinen Ausreißern nach oben. Beispielsweise 1979, als mit dem Gewinn der französischen Meisterschaft der bis heute größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelang. 1951, 1966 und 2001 gewann man den französischen Pokal.

Das Stade de la Mainau fasst 26.109 Zuschauer (Foto: IMAGO / PsnewZ).

Kursänderung nach Investoren-Einstieg

Zurück in das Jahr 2011, in dem der schnelle Durchmarsch zurück in den bezahlten Fußball begann. Die Fans blieben ihrem Verein auch im Amateurbereich treu und der sportliche Erfolg kehrte ebenfalls zurück. Bereits nach der Saison 2016/17 kehrten die Straßburger in die Ligue 1 zurück, in der sie sich seitdem wieder etablieren konnten und kontinuierlich gesteigert haben.

2023 erfolgte die Übernahme des Vereins durch eine Investorengruppe namens "BlueCo". Dahinter steht Todd Boehly, der auch Mehrheitsanteile beim FC Chelsea aus der Premier League besitzt und die Ausrichtung der Straßburger konsequent verändert hat. Die besten Talente Frankreichs sollten, verstärkt durch Top-Talente aus anderen Ländern, fortan im Elsass kicken und irgendwann interessant für den Londoner Klub in der Premier League werden. Im Gegenzug kamen immer wieder hoffnungsvolle Nachwuchsspieler per Leihe nach Frankreich, um Erfahrungen auf hohem Niveau zu sammeln. In der laufenden Saison stehen nur zwei Spieler im Kader, die über 24 Jahre alt sind. Alle anderen Akteure wurden in den 2000er Jahren geboren. Kritische Stimmen blieben nicht aus, doch der sportliche Erfolg gibt dem Konzept bislang recht. In der Conference League belegte Racing in der Ligaphase den ersten Platz, im Achtelfinale schaltete das Team von Trainer Gary O'Neil HNK Rijeka aus. In der Ligue 1 belegt der Klub nach Platz sieben in der vergangenen Saison aktuell den achten Rang.