Profis 05.01.2021 — 14:40 Uhr

Nie eine Ergebnis-, aber stets eine Leistungsgarantie

Bo Svensson erhält Vertrag bis 2024 & komplettiert das sportliche Führungstrio der 05ER - Heidel: "Wir wollen zusammen ein neues Projekt starten"

Fast genau eine Woche nach der offiziellen Vorstellung der beiden Rückkehrer Christian Heidel und Martin Schmidt kurz nach Weihnachten komplettiert der neue 05-Cheftrainer Bo Svensson die sportliche Führungsebene des FSV. Nach der neuen "wichtigsten Person im Klub", wie Heidel den Trainer nennt, habe man nicht lange fahnden müssen. "Hier oben (Anm. d. Red.: auf dem Podium im Pressekonferenzraum der OPEL ARENA) sitzen heute fast 50 Jahre 05-Erfahrung", betonte der neue Vorstand Strategie, Sport & Kommunikation. Aber "wir haben Bo nicht geholt, weil er schon mal hier war. Qualität steht über allem. Wir wollen zusammen ein neues Projekt starten." Untermauern solle dies auch die Vertragslaufzeit von 3,5 Jahren bis zum Sommer 2024.

Viele Fans dürften nostalgisch geworden sein am Dienstagmittag ob der personellen Besetzung dieser 05-Pressekonferenz. Heidel, Schmidt und Svensson sollen es fortan also richten, wollen die Mainzer kurzfristig zum Klassenerhalt, langfristig aber gleichzeitig auf ein noch solides Fundament stellen, wie auch der neue Cheftrainer betont. "Ich wäre nicht der richtige Mann, um mal kurz in der Liga zu bleiben, aber auch nicht hier, wenn ich nicht total davon überzeugt wäre, die Klasse halten zu können", so Svensson. Dennoch sei es in Mainz stets wichtig, über Perspektiven zu sprechen und die mittel- bis langfristige Strategie nicht aus den Augen zu verlieren. "Nur über die nächsten Monate zu sprechen, entspricht nicht meinen Vorstellungen. Wir haben eine gemeinsame Idee und eine Vision. Es geht darum, Mainz 05 auf Säulen zu stellen, mit denen die Fans und wir uns identifizieren können. Über die wir sagen können: 'Das ist zu 100 Prozent Mainz 05.'"

Familiär verwurzelt

Was den FSV stets ausgezeichnet hat, ist dem 41-jährigen Dänen schließlich bestens bekannt nach seiner Erfahrung in sieben Jahren als Profi und fünf erfolgreichen Jahren als Coach, zunächst als Co von Kasper Hjulmand und Martin Schmidt in der Bundesliga, sowie anschließend als Trainer der U16, U17 und U19 der 05ER. Hinzu kamen zuletzt nun anderthalb Jahre Erfahrung beim FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga, von wo er zudem seinen langjährigen Co-Trainer Babak Keyhanfar mit zurück an den Bruchweg bringt. Gemeinsam mit Patrick Kaniuth und Torwarttrainer Stephan Kuhnert bilden sie das Trainerteam, das künftig von den beiden Videoanalysten Daniel Fischer und Tijan Njie unterstützt wird. Michael Falkenmayer wird vorläufig freigestellt, mit ihm sollen, ebenso wie mit Jan-Moritz Lichte, in den kommenden Wochen Gespräche über eine mögliche weitere Zusammenarbeit stattfinden.

Dass Svensson glücklich ist über die sich ihm bietende Chance und sofort dafür brannte, die neue Aufgabe anzunehmen, ist ihm am Dienstag anzumerken. Eine Herzensangelegenheit eben, und insofern eine weitere Gemeinsamkeit mit Heidel und Schmidt. "Es ist eine besondere Entscheidung für mich. Die größten Teile meines Lebens war ich an zwei Orten - in Kopenhagen und mit meiner Familie jetzt 13 Jahre in Mainz. Nicht nur der Fußball, auch die Stadt hat eine besondere Bedeutung, mein jüngster Sohn ist hier geboren, meine Kinder gehen hier zur Schule. All das hat eine große Rolle gespielt, aber nicht nur das", betonte der ehemalige Innenverteidiger und zählte weitere Aspekte auf, die seine Überzeugung für dieses Projekt bekräftigt hatten: "Meine Meinung ist, dass man hier als Trainer die Freiheit hat, sich zu entwickeln. Es ist klar, was von dir gefordert wird, gleichzeitig hat man die Möglichkeit, seine eigene Philosophie zu kreieren. Jeder Trainer kann sich hier selbst treu bleiben und bekommt das Vertrauen des Vereins."

Die grenzenlose Unterstützung für unseren Trainer ist wichtig

Eine Einschätzung, die Heidel auch mit Blick in die Vergangenheit teilte, als er an Jürgen Klopp oder auch Thomas Tuchel erinnerte, die ihrerseits ohne Bundesliga-Erfahrung, dafür aber umso mehr aus hundertprozentiger Überzeugung installiert worden waren. Jürgen Klopp, betonte Heidel, habe kürzlich in einem Interview betont, dass Mainz 05 ihm die Chance gegeben habe, als Trainer Jürgen Klopp zu werden. Will heißen: Seinen eigenen Stil zu entwickeln, mit der Mannschaft auf dem Rasen und auch abseits des Platzes. "Niemand hat ihm reingeredet und auch Bo hat wesentlich mehr Ahnung von Fußball als ich. Die grenzenlose Unterstützung für unseren Trainer ist wichtig, und wir werden ihn unterstützen. Irgendwann wird auch Bo hoffentlich sagen können: 'Ich konnte hier Bo Svensson werden. Und auch bleiben.'"

Wer der langjährige Führungsspieler und Sympathieträger im 05-Trikot ist, dürfte weiten Teilen der Anhänger bekannt sein. Wofür er als Trainer steht und stehen möchte, umschrieb er am Dienstag wie folgt: "Ich stehe für die Mainzer Tugenden: Das fängt an mit dem Spiel gegen Ball, es geht darum, als Mannschaft aufzutreten, enge Abstände zu haben, den Gegner aus der Kompaktheit unter Druck zu setzen und nach vorne zu verteidigen. Ich möchte, dass wir nach Ballgewinnen schnell umschalten. Und vollkommen klar ist auch, dass wir intensiv und dynamisch spielen wollen." Nicht zuletzt die erste Halbzeit in München habe ihm dahingehend gefallen und viele Elemente umfasst. Auch hier funkt der neue starke Mann an der Seitenlinie mit dem Vorstand auf einer Wellenlänge: "Wir bevorzugen eine bestimmte Art von Fußball, mit Leidenschaft, Mut und mit Power. Das, was uns zu Beginn unserer Bundesliga-Zeit ausgezeichnet hat." Zwar habe sich der Fußball natürlich verändert. "Aber wir möchten Mainzer Fußball spielen mit dem klarem Ziel, auch 2021/22 in der Bundesliga zu sein." Heidel unterstrich damit nochmals, dass der Klassenerhalt längst nicht abgeschrieben sei rund um den Bruchweg, der Kampf jetzt vielmehr so richtige beginnen solle.

It's a match

Über den kurzen Umweg Liefering ist Svensson nun zurück, bei Mainz 05 und auch bei seiner Familie, mit der er zum Ende der aktiven Karriere die Entscheidung getroffen hatte, den Lebensmittelpunkt am Rhein beizubehalten. "Aber ich hatte in meinem Leben, weder als Spieler noch als Trainer einen Plan, wo ich in diesem oder jenem Jahr sein will. Ich folge meinem Instinkt, so habe ich es schon immer gehandhabt bei wichtigen Entscheidungen in meinem Leben. Es musste für mich immer das Gefühl sein, dass es ein "Match" ist", formulierte Svensson. Ein "Match", eine perfekte Kombination also, die dazu beitragen soll, in der OPEL ARENA auch über die laufende Saison hinaus erstklassigen, 05-typischen Fußball bieten zu können. Das Fundament ist gelegt, am Dienstagnachmittag leitet Svensson nun die erste Trainingseinheit. Anschließend bleiben ihm vier weitere im Rahmen der Vorbereitung auf das Duell mit Eintracht Frankfurt am Samstagnachmittag. Seine Erwartungshaltung ist klar: "In Mainz gab es nie eine Ergebnisgarantie. Aber es muss eine Leistungsgarantie geben. Und das wird knallhart und konsequent durchgezogen!"

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