Profis 18.08.2019 — 15:30 Uhr

"So brutal kann Fußball sein"

05er haben 80 Minuten lang die besseren Chancen, verlieren aber 0:3 beim SC Freiburg und den verletzten Jeremiah St. Juste

Bis zur 80. Minute hatte nichts daraufhingedeutet, dass der 1. FSV Mainz 05 sein erstes Bundesliga-Auswärtsspiel der neuen Saison verlieren könnte. Dann  musste Jeremiah St. Juste verletzt vom Platz, und der SC Freiburg nutzte die entstandene Unruhe und Unordnung in der 05-Abwehr noch zu drei Treffern. "So brutal kann Fußball sein", sagte Rouven Schröder nach dem Abpfiff. "Wenn man das Ergebnis sieht und nicht dabei war, denkt man, es wäre eine klare Angelegenheit gewesen. Es war aber ein sehr gutes Auswärtsspiel. Und das noch 0:3 zu verlieren, ist schon hart."

Die Schlussphase im Schwarzwald-Stadion war gerade angebrochen, da stürzten sich drei Mainzer in Abwehraktionen gegen die Freiburger Offensive. Daniel Brosinski, Edimilson Fernandes und Jeremiah St. Juste bleiben am Boden liegen. Zwei der 05er konnten weitermachen, nur für den neu verpflichteten Innenverteidiger, der zuvor ein rundum überzeugendes Bundesligadebüt gegeben hatte, der mit Schnelligkeit, Kopfballstärke, Stellungsspiel und Zweikampfstärke imponierte, war's knüppeldick gekommen. "Die Schulter ist rausgeflogen", beschrieb der 05-Trainer nachher knapp die Verletzung. "Wir müssen abwarten. Wir hoffen, dass nun nicht auch noch der nächste Innenverteidiger ausfällt", fügte der Sportvorstand hinzu. Auch am Sonntag gab es zunächst noch keine spruchreifen Erkenntnisse hinsichtlich einer möglichen Ausfallzeit des Niederländers.

"Nicht mit dem Schicksal hadern"

Der Start in die Saison 2019/2020 läuft nicht rund bei den 05ern. Stefan Bell, der sich in Kaiserslautern so schwer verletzte, dass er monatelang ausfällt, genau wie Torjäger Jean-Philippe Mateta und Offensivverstärkung Dong-Won Ji, die schon in der Vorbereitung unters Messer mussten. Nun das Pech von St. Juste. Dazu die zwei Niederlagen. Zwei Spiele, in denen das Team von Sandro Schwarz fußballerisch besser war als der Gegner, sich jeweils eine ganze Reihe von Chancen herausarbeitete, aber nicht traf.

"Wir dürfen nun vor allen Dingen nicht in Selbstmitleid verfallen, nicht mit dem Schicksal hadern und uns auch nicht in ein Stimmungstief reinquatschen, das ist mal das Erste", forderte der 05-Trainer. "Wir müssen als Gruppe diese große Herausforderung angehen, den Widerstand gemeinsam meistern, den wir jetzt haben durch die Verletzungen und die Ergebnisse. Wir müssen die Spiele bewerten. Und wenn wir das Spiel heute nehmen, dann ist das definitiv kein Verlierspiel, sondern im Gegenteil, eins, das du ziehen kannst. Oder, wenn du bei so viel Aufwand kein Tor schießt, dass du zumindest kein Gegentor bekommst. Das ist uns nicht gelungen und das ist das Nervige", fasste Schwarz weiter zusammen.

Pressekonferenz nach dem Bundesliga-Auftakt

Es war eine gute, intensive, umkämpfte Partie, in der die Freiburger mehr laufen mussten, weil die 05er ihren Ballbesitz gut ausspielten und von Beginn an zielstrebig nach vorne agierten. "Wir hatten viele gute Elemente, viele fußballerisch gute Phasen, um in Führung zu gehen und haben viele Dinge im Griff gehabt. Was uns nicht gelungen ist, ist den Spieleverlauf mit einem Tor auf unsere Seite zu ziehen", betonte der 05-Trainer. Der Traumpass von Jean-Paul Boëtius (26.), der Ridle Baku im Strafraum frei vor Alexander Schwolow in Position brachte, war so eine Schlüsselszene. Baku spielte quer, statt selbst abzuschließen und die Chance war weg. Oder die Aktion von Danny Latza, der quer zur Torlinie passte, wo dann Robin Quaison und Karim Onisiwo verpassten. Christian Streich ließ sein Team über Konter kommen und der SCF hatte seine Möglichkeiten in erster Linie nach Standardsituationen und Distanzschüssen, die Florian Müller abwehren konnte. Nach der Pause erhöhten die 05er den Druck. Onisiwo scheiterte, dann Boëtius nach einem Konter über Aarón, auch Quaison hatte die Führung auf dem Fuß.

"3:0 entspricht nicht dem Spielverlauf"

"80 Minuten lang hatten wir viel Qualität auf dem Platz, Struktur, viele Balleroberungen, gute Momente im Ballbesitz und haben zielstrebig in die Box rein gespielt", sagte Schwarz. "Wir haben aber auch viele kleine Entscheidungen getroffen im Strafraum, die nicht ganz richtig waren." Insgesamt schossen die Mainzer 19 Mal aufs Tor, allein Quaison sechsmal. "Es war in dieser zweiten Halbzeit nicht abzusehen, dass wir ein Gegentor bekommen, geschweige denn drei. Wir waren am Drücker, haben das Tor nicht gemacht. Klar, dass eine Heimmannschaft dann in der Schlussphase nochmal Druck macht", so der 05-Coach.

Müller musste in dieser zwei Situationen entschärfen, ehe nach der Einwechslung von Alexander Hack für St. Juste die eingangs erwähnte Unordnung entstand, "die Freiburg gnadenlos ausgenutzt hat", so Schwarz. "Dass dann noch das zweite und dritte Gegentor fällt, ist natürlich sehr bitter." Jonathan Schmid erhöhte auf 2:0. Der eingewechselte Taiwo Awoniyi verursachte beim Versuch, in der eigenen Abwehr zu klären, noch einen Foulelfmeter, den Luca Waldschmidt vollstreckte. Christian Streich lobte sein Team für dessen Auftritt. "Das 3:0 entspricht aber nicht dem Spielverlauf, das ist ja keine Frage." Eine Erkenntnis, die den Frust auf Seiten des FSV zumindest an diesem Wochenende keinesfalls kleiner ausfallen lassen dürfte.

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