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Profis 29.10.2026 - 10:40 Uhr

Mit Power-Fußball zum Klassenerhalt? die SV Elversberg im Porträt

Nach zwei Duellen im DFB-Pokal steht nun das erste Aufeinandertreffen in der Liga an

Es ist der vierte März 2022 – die SV Elversberg gewinnt im Bruchwegstadion mit 2:0 gegen die höchste Ausbildungsmannschaft des FSV und steigt am Ende der Saison in die dritte Liga auf. Vier Jahre später hat sich die SVE das Recht erkämpft, gegen die Profis in der Bundesliga zu spielen. Hinter dieser Erfolgsgeschichte stecken unter anderem kluge Transfer- und Personalentscheidungen sowie der stetige Glaube an die eigene Spielphilosophie. Wir blicken auf den Aufsteiger aus dem Saarland, ehe die 05ER zum ersten Freitagabendspiel der Saison (20:30 Uhr, live auf Sky & 05ER.fm) an die Kaiserlinde reisen.

Der Trainer

Vincent Wagner hat, ähnlich wie sein jetziger Arbeitgeber, einen steilen Aufstieg hinter sich: Zur Saison 2022/23 übernahm der gebürtige Nordhäuser die Reservemannschaft der TSG 1899 Hoffenheim und führte sie innerhalb von drei Jahren in die dritthöchste Spielklasse. Zur ungefähr gleichen Zeit marschierte die SV Elversberg unter der Leitung von Horst Steffen von der vierten in die zweite Liga durch und scheiterte im zweiten Jahr denkbar knapp in der Bundesliga-Relegation am 1. FC Heidenheim. 

Steffen zog es zu Beginn der Spielzeit 2025/26 weiter nach Bremen – Wagner trat das schwere Erbe an und führte die SVE in seiner Debüt-Saison in die Bundesliga. Im Fußball-Oberhaus angekommen, hält der 40-Jährige weiter an seiner Spielidee fest: Hohes, aggressives Pressing gepaart mit schnellem Umschaltspiel und einer Abwehrreihe, die stets nach vorne verteidigt – "Power-Fußball" nennt Wagner seine taktische Ausrichtung: "Unser Ziel ist es, mit aktivem Fußball die Klasse zu halten. Da werden wir höchstwahrscheinlich an der ein oder anderen Stelle an unsere Grenzen stoßen – dennoch sehe ich diesen Weg als alternativlos. Das war stets meine Philosophie und das werde ich auch nicht ändern“, so der Cheftrainer vor der Saison über sein Vorhaben.

Der Förstersohn mit Fußballexpertise: Vincent Wagner (Foto: IMAGO/ Picture Point LE).

Der Kader

Einen Umbruch, so wie es bei den meisten Aufsteigern der Fall ist, gab es im Saarland nicht. Der Kern der Mannschaft blieb Wagner erhalten, vor allem in der Defensivabteilung. Im Tor ist Nicolas Kristof gesetzt. Der 26-Jährige erlebte den rasanten Aufstieg von Liga vier bis in die Bundesliga mit – genauso wie Stürmer Luca Schnellbacher. Auch Kapitän und Abwehrchef Lukas Pinckert ist ein alt eingesessener Hase, der in der Spielzeit 2022/23 zu den Saarländern kam. Im Zentrum steht ihm Maximilian Rohr zur Seite, sowie Lasse Günther, Jan Gyamerah und Neuzugang Luca Sirch auf den Außenpositionen. Im defensiven Mittelfeld tummelt sich ein weiteres neues Gesicht: Lukasz Poreba, gekommen vom HSV, soll an der Seite von Felix Keidel die letzte Linie vor der Verteidigung bilden.

Aufgerüstet hat die SVE vor allem in der Offensive: Die neue "junge Garde" beginnt vor allem bei Königstransfer Cole Campbell. Das 20-jährige Talent wurde vor der Saison für eine Ablöse von sechs Millionen fest verpflichtet – ebenso wie das ehemalige Bayern-Talent Maurice Krattenmacher für rund zwei Millionen. Zudem wurden Francis Onyeka, Noah Darvich und Noel Futkeu ausgeliehen. David Mokwa, Lukas Petkov und Tom Zimmerschied ziehen da den Altersschnitt schon ein wenig in die Höhe, genießen jedoch weiterhin vollstes Vertrauen vom Cheftrainer. Vor allem Mokwa hat ein langjähriges Verhältnis zu Wagner: Er spielte bereits in Hoffenheim unter dem 40-Jährigen und hat sich nun zu einer absoluten Stammkraft entwickelt. 

Traf direkt beim Bundesligadebüt für die Elv: Königstransfer Cole Campbell (Foto: IMAGO/ Fussball-News Saarland).

Der Saisonstart

Spektakulär startete die SVE in ihre Debüt-Saison: Am ersten Spieltag besiegte die Wagner-Elf Bayer 04 Leverkusen vor heimischem Publikum mit 3:2. Eine Woche später drehten sie binnen 30 Minuten einen 1:3-Rückstand im Borussia-Park und besiegten Borussia Mönchengladbach letztendlich mit 4:3. Auch gegen die Bayern ließ sich die Elf von der Kaiserlinde nicht den Schneid abkaufen und unterlag nur knapp mit 1:2 gegen den Rekordmeister. Nach der Länderspielpause verflachte das Momentum des "Power-Fußballs" ein wenig – es folgte ein torloses Remis auf Schalke und einer knappe 0:1-Niederlage an der alten Försterei.

Gegen den FC Augsburg berauschte sich der Aufsteiger dann aber wieder am Wagner-Fußball. Nach einem wilden Hin und Her konnte die SVE ihren dritten Saisonsieg einfahren und sprang durch den 4:3-Erfolg gegen den FCA zwischenzeitlich auf Tabellenplatz sechs. Vergangenes Wochenende setzte es eine 0:4-Auswärtsniederlage bei den heimstarken Leipzigern, sodass die SVE vor diesem Spieltag Rang acht in der Tabelle belegt.

Im Pokal musste die Wagner-Elf in der zweiten Runde die Segel streichen - und teilte dabei das Schicksal der 05ER: Sie mussten sich ebenfalls einem Zweitligisten geschlagen geben. Gegen den SV Darmstadt 98 setzte es vor heimischen Publikum eine 0:2-Niederlage.

Ließ beim letzten Gastspiel an der Kaiserlinde hinten nichts anbrennen: Danny Da Costa (li.).

Das letzte Mal

Neben Oberliga-Duellen in den 80er-Jahren trafen die beiden Mannschaften zweimal im DFB-Pokal aufeinander – beide Male gingen die 05ER siegreich vom Platz. Das jüngste Duell fand vor drei Jahren statt: In der ersten Runde des Pokalwettbewerbs erzielte Ludovic Ajorque den goldenen Treffer zum 1:0-Auswärtssieg. 

Gegen die U23 des FSV gab es deutlich mehr Partien. In insgesamt 23 Begegnungen, verteilt auf verschiedene Regionalliga-Staffeln, spricht die Bilanz für die Elf von der Kaiserlinde: Zehn Siege, sieben Unentschieden und sechs Niederlagen stehen dabei aus Sicht der Saarländer zu Buche – diese Statistik wird sich höchstwahrscheinlich in naher Zukunft nicht verändern.