Profis 07.10.2026 - 15:10 Uhr
Bayer Leverkusen im Porträt: Konstante Leistungsschwankungen
Der nächste 05-Gegner will zurück in die Champions-League

Eine etwas zu turbulente Saison liegt hinter der Werkself. Nach der unvergessenen Double-Saison vor drei Jahren folgte Platz zwei in der Spielzeit 2024/25. Vergangenes Jahr reichte es lediglich zu Platz sechs - inklusive Trainerentlassung nach zwei Spieltagen. Kasper Hjulmand beerbte Erik ten Hag vor dem dritten Spieltag und konnte das Ruder ebenfalls nicht in die gewünschte Richtung lenken. Folglich wechselte der SVB im Sommer erneut den Übungsleiter: Carles Martinez soll es nun richten. Unter seiner Leitung belegt Leverkusen aktuell den fünften Tabellenplatz – einen Platz vor den Rheinhessen. Wir blicken auf das Duell der Tabellennachbarn am Samstag in der MEWA ARENA (15:30 Uhr, live auf Sky, DAZN und 05ER.fm) – bei denen die Ambitionen unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der Trainer
Es scheint sich ein neuer Trend zu etablieren: In jüngerer Vergangenheit werden immer mehr Trainer verpflichtet, die nicht den klassischen Trainerweg hinter sich haben. Vielmehr wird auf den Fußball an sich und die Idee dahinter geschaut. Den Grundstein für diesen Trend legte 2022 Leverkusen, als sie dem unerfahrenen Xabi Alonso das Vertrauen gaben und dieser Bayer 04 in der folgenden Saison ungeschlagen zur Meisterschaft führte. Nach einem durchwachsenen Jahr unter der Leitung von zwei etwas größeren Namen geht die Werkself mit der Verpflichtung von Carles Martinez zu ihrem alten Erfolgsrezept zurück. Der 42-jährige Spanier wechselte im Sommer vom FC Toulouse an den Rhein - es war bis dato seine einzige Trainerstation als Cheftrainer. Zuvor war Martinez hauptsächlich im Jugendbereich tätig, unter anderem leitete er die Nationalmannschaft von Kuwait und war in der Akademie vom FC Barcelona und Espanyol Barcelona tätig.

Emotional am Seitenrand: Carles Martinez (Foto: IMAGO / Laci Perenyi).
Der Kader
Die Meistermannschaft von vor drei Jahren ist fast nicht wiederzuerkennen. Vor allem in der Defensivabteilung gab es einige Umstellungen: Mit Piero Hincapie und Alejandro Grimaldo verließen zwei essenzielle Stammspieler der vergangenen Jahre den Verein. Mit Miguel Gutierrez, Guela Doue und Facundo Medina hat sich die Bayer-Elf jedoch adäquat verstärkt. Die drei Neuzugänge reihen sich neben Neu-Kapitän Edmond Tapsoba, Loic Bade, Jarrel Quansah und Lucas Vazquez in der Abwehrreihe ein. Zudem konnte sich die Werkself die Dienste von Top-Talent Kenneth Eichhorn sichern. Der Gewinner der diesjährigen Fritz-Walter-Medaille wechselte von Hertha BSC an den Rhein. Er soll im defensiven Mittelfeld an der Seite von Robert Andrich, Aleix Garcia und Equi Fernandez zu einem gestandenen Bundesliga-Profi reifen.
Prunkstück des Kaders ist und bleibt jedoch ganz klar die Offensive: Im Sturmzentrum ist Patrick Schick gesetzt, der bisher in jedem Bundesligaspiel erfolgreich war. Ihm assistieren auf den Außen die pfeilschnellen Nathan Tella, Rückkehrer Moussa Diaby und Neuzugang Afonso Moreira, der vergangenes Jahr mit Olympique Lyon für Furore sorgte. Falls der Top-Stürmer mal einen gebrauchten Tag erwischen sollte, hat Martinez mit Christian Kofane und Victor Boniface zwei prominente Alternativen in der Hinterhand. Im offensiven Mittelfeld hat der Spanier ebenfalls die Qual der Wahl: Malik Tillmann oder Allzweckwaffe Ibrahim Maza. Der 20-jährige Deutsch-Algerier stand in der laufenden Saison jede Minute auf dem Platz und kam sowohl im Zentrum als auch auf dem Flügel zum Einsatz.

Umzingelt von Leverkusenern: Nadiem Amiri beim letzten Aufeinandertreffen in der MEWA ARENA.
Der Auftakt
Ein Wechselbad der Gefühle durchlebte die Bayer-Elf in den ersten vier Spieltagen: Nach der "frustrierenden" 2:3-Auftaktaktniederlage bei Liganeuling Elversberg schoss sich die Martinez-Elf im Heimspiel gegen Union Berlin den Frust von der Seele. Mit 4:0 wurden die Eisernen aus dem Stadion geschossen - um nur eine Woche später einen "unnötigen" Punktverlust zu verzeichnen. Innerhalb von zehn Minuten gab Leverkusen das Spiel aus der Hand und rettete in letzter Minute noch ein 2:2-Unentschieden gegen den FC Augsburg.
Am vergangenen Spieltag überzeugte die Werkself wieder und schlug RB Leipzig in der heimischen BayArena mit 2:0. Martinez zeigte sich nach der Partie sehr zufrieden: "Wir haben das Spiel kontrolliert und haben stets taktische Lösungen gegen ein sehr starkes Team gefunden. In der zweiten Halbzeit haben wir das zweite Tor nachgelegt, das eigene Tor gut verteidigt und souverän runtergespielt."

Die 05-Defensive angeführt von Kaishu Sano (li.) hielt bis zur 88.Minute stand.
Das letzte Mal
Beim letzten Aufeinandertreffen beider Mannschaften rettete Verteidiger Quansah Bayer 04 zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit einen Punkt. Zuvor hatte Sheraldo Becker die 05ER nach einem mustergültig vorgetragenen Konter in Führung gebracht. Die Mainzer Defensive stand gut und ließ wenig Chancen zu und sicherte sich mit dem 1:1-Unentschieden im Abstiegskampf einen wichtigen Punkt gegen den damaligen Champions-League-Anwärter.

