Profis 18.03.2026 - 18:00 Uhr
Nebel: "Möglichkeit, Geschichte zu schreiben"
Sein Flugkopfball am Sonntag in Bremen war nicht nur sehenswert, sondern der Startpunkt für den wichtigen Sieg im Abstiegskampf. Paul Nebel ist in dieser Phase der Saison wieder ein wichtiger Faktor im Spiel der 05ER

Mit seinen 169 Zentimetern Körpergröße ist Paul Nebel keineswegs als Kopfballungeheuer bekannt. In Bremen zeigte das Mainzer Eigengewächs am vergangenen Sonntag, dass man auch knapp über der Grasnarbe den Ball mit dem Kopf im gegnerischen Tor unterbringen kann. Der sehenswerte Treffer per Flugkopfball zur frühen Führung ebnete dem FSV den Weg zum wichtigen Auswärtssieg bei einem Konkurrenten im Abstiegskampf. Er war aber auch der Beweis dafür, dass Nebel in dieser Phase der Saison rechtzeitig zu seiner Topform zurückgefunden hat.
"Da ich auch nicht der Größte bin, ist es schon etwas Besonderes", spielte Nebel mit einem Augenzwinkern auf seine Körpergröße an. "Ich habe mich einfach über das Tor gefreut, dass ich mal wieder getroffen habe und der Mannschaft damit helfen konnte", so das Mainzer Eigengewächs weiter. Der Treffer in der 6. Minute spielte dem FSV verständlicherweise in die Karten und schwächte die erste Bremer Angriffswelle entsprechend ab. "Aber eine 1:0-Führung ist auch immer gefährlich, umso länger das Spiel geht, weil der Gegner mit einer Aktion den Ausgleich machen kann. Deswegen war es sehr wichtig, dass wir in der zweiten Halbzeit früh das 2:0 gemacht haben, um die Bremer gar nicht mehr rankommen zu lassen." Mit einem guten Gefühl und dem gleichzeitigen Bewusstsein, dass die Mannschaften in der unteren Tabellenregion der Bundesliga eng beisammen sind, ging es zurück nach Mainz. "Wir sind noch weit weg davon, sicher zu sein oder ein bisschen weniger machen zu können. Ein guter Schritt, aber es sind noch einige zu gehen", so Nebel.

Nebel beim Hinspiel im Conference League-Achtelfinale in Olmütz.
Schritte zurück zur Topform
Einen guten Schritt hat der 23-Jährige in den letzten Wochen zurück zu seiner Topform gemacht. Unter Urs Fischer hatte Nebel seinen Stammplatz verloren, nach der Verletzung von Nadiem Amiri kehrte er in Leverkusen in der Startelf zurück und bereitete direkt einen Treffer vor. Nach einer starken Vorsaison mit dem FSV und tollen Leistungen bei der deutschen U21-Nationalmannschaft im Sommer 2025, lief es bei dem offensiven Mittelfeldspieler vor allem im ersten Halbjahr der laufenden Spielzeit nicht wie gewünscht. "In dieser Saison sind viele Dinge zusammengekommen: bei der Mannschaft, bei mir persönlich, beispielsweise mit den Platzverweisen. Manchmal haben einfache Dinge nicht funktioniert, weil das Selbstvertrauen oder Selbstverständnis nicht mehr da war wie zuvor. Es lief nicht rund, dann kam der Trainerwechsel dazu", erzählt er.
Unter Urs Fischer spielen die 05ER im 5-3-2-System mit einem Mittelfeldspieler weniger. "Für mich war es das im ersten Augenblick vielleicht kein Vorteil, weil eine Position im Mittelfeld weggefallen ist", gibt Nebel zu. "Aber ich habe ich mich in den letzten Spielen sehr gut gefühlt auf dem Platz. Ich kann mich in den Halbräumen einbringen, aber auch immer wieder von außen kommen, Flanken schlagen, in eins-gegen-eins-Duelle gehen." Insgesamt habe sich unter Fischer viel positives entwickelt.
"Das hilft mir, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen"
Nebel haderte nicht mit sich selbst, sondern ging lieber in den Gegenangriff, um wieder zu alter Form zurückzufinden. "Mir ist klar gewesen, dass ich nicht alles verlernt haben kann, sondern dass es eine schwierige Phase war. Das muss man auch mal akzeptieren, es als Prozess sehen und sich rauskämpfen." Dabei hilft ihm auch seine Arbeit mit einem Mentalcoach, mit dem er jede Woche spricht und Themen reflektieren kann. "Das hilft mir, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, sie aufzuarbeiten, nicht so sehr an mich ranzulassen und gestärkt herauszugehen aus solchen Situationen."

Gute Laune beim Mainzer Eigengewächs.
"Das Ziel ist klar"
Im Achtelfinal-Rückspiel der Conference League am Donnerstagabend (18:45 Uhr, MEWA ARENA, live auf RTL+) gegen Sigma Olmütz will der wieder erstarkte Nebel mit seinen Teamkollegen einen weiteren magischen Abend erleben. "Uns ist allen bewusst, dass die Bundesliga an erster Stelle steht. Die Conference League ist für uns ein Bonus. Dafür haben wir letztes Jahr hart gearbeitet und uns in dieser Saison gut durchgebissen. Es ist schön, wenn man da die Möglichkeit hat, ein Stück weit Geschichte zu schreiben, mit dem Verein, in dem man schon in der Jugend gespielt hat."
Das Ziel ist klar: Gewinnen und ins Viertelfinale einziehen. "In unserem Stadion mit den Fans im Rücken haben wir nochmal eine andere Power. Ich freue mich auf das Spiel und die Stimmung und hoffe, dass wir danach alle gemeinsam feiern können, so Nebel, der eine "enorme Motivation" spürt, das Spiel mit den Fans der 05ER "zu rocken".
Große Chance in zwei Wettbewerben
Erst am Freitag wird sich der Fokus auf das nächste Spiel in der Bundesliga richten. Am Sonntag (15:30 Uhr, MEWA ARENA, live auf DAZN) reist die Frankfurter Eintracht zum Rhein-Main-Duell an. "Diese Woche ist eine große Chance, weil wir große Schritte in beiden Wettbewerben machen können. Darauf haben wir große Lust", so Nebel.

