Profis 21.09.2018 — 16:00 Uhr

Maxim: "Mutig sein, in jedem Spiel"

Sein Siegtor machte gegen Augsburg den zweiten Heimsieg der Saison perfekt - Im Interview spricht Alexandru Maxim über "pure Emotionen" und seine Vorbildfunktion im Kader der 05er

Jean-Philippe Mateta nimmt den Matchwinner nach dem Sieg gegen Augsburg auf den Arm.

Die Schlussphase im letzten Heimspiel des FSV gegen den FC Augsburg war nichts für schwache Nerven: Alexandru Maxim erlebte sie zunächst als Randfigur neben dem Platz, bevor er quasi in letzter Sekunde als Joker noch zum Matchwinner einer schon verloren geglaubten Partie wurde. Im Interview mit www.mainz05.de spricht der rumänische Nationalspieler vor der Partie bei Bayer 04 Leverkusen am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr) über den zweiten Heimsieg der Saison, den Saisonstart der 05er und seine Rolle im Team, in dem er mit seinen 28 Jahren bereits zu einem der ältesten Profis gehört.

Wir müssen kurz noch einmal das vergangenen Wochenende sprechen. Wie hast du die Schlussphase gegen Augsburg erlebt?

Zunächst natürlich als Ersatzspieler beim Warmlaufen (lacht). Aber im Ernst: Erstmal war ich einfach wütend, dass wir im Prinzip aus dem Nichts in Rückstand geraten sind, weil es nicht zum Spielverlauf gepasst hat. Als Sandro mich dann gerufen hat, wollte ich einfach alles tun, damit wir mindestens noch ein Tor schießen, denn eine Niederlage wollten wir nicht akzeptieren. Das hat man jedem angesehen. Auch als das 1:1 dann gefallen ist, war jeder weiter fokussiert. Wir haben daran geglaubt, sogar noch drei Punkte mitnehmen zu können. Ich habe nach Tonys Tor sofort den Ball aus dem Netz geholt, weil wir weiterspielen wollten. Ich denke, als Mannschaft haben wir hier eine klasse Reaktion gezeigt, die nicht selbstverständlich ist, an der wir uns aber messen lassen wollen.

Pure Emotionen

Den Schlusspunkt durftest du ja dann setzen…

Ja, die letzte Situation war unglaublich. Der Ball wurde abgewehrt und flog in meine Richtung. Ich wollte zuerst einfach scharf draufhalten, habe dann aber all die Abwehrspieler gesehen und mich für die gefühlvolle Variante entschieden. Was dann kam, ist schwer zu beschreiben. Man blendet fast alles aus, die Lautstärke nimmt man kaum wahr. Ich habe nur die Kollegen von der Bank, die Trainer, Physiotherapeuten auf uns zulaufen sehen. Ich habe zur Tribüne geschaut und meine Freundin gesehen, der Rest waren pure Emotionen. Solche Momente wie gegen Augsburg oder im April gegen Leipzig zu erleben, ist einzigartig. Ein tolles Gefühl. Dieser Sieg war der Mentalität der gesamten Mannschaft geschuldet.

Wie bewertest du den Saisonstart?

Ich denke, im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein. Wir können uns noch in vielen Bereichen verbessern, haben aber eine gute Grundlage geschaffen mit dem Sieg im Pokal und sieben Punkten aus drei Liga-Spielen. Mit Erfolgen im Rücken, die am Anfang der vergangenen Saison leider gefehlt haben, ist es immer leichter, an den nächsten Entwicklungsschritten zu arbeiten. Bundesliga-Siege feiern zu dürfen, hilft auch den jungen Spielern enorm. Diese Erfahrung kannst du nicht trainieren. Es geht aber immer mehr, und wir wollen uns verbessern, sollten uns hohe Ziele setzen und müssen auch bei Rückschlägen positiv bleiben. Nach den ersten Wochen können wir selbstbewusst auftreten, dürfen aber kein Stück nachlassen. Wir wollen vor der nächsten Länderspielpause noch ein Maximum für uns rausholen, unabhängig von den Gegnern.

Müssen uns vor niemandem verstecken

Und aus persönlicher Sicht?

Ich fühle mich gut, physisch und mental. Ich weiß, wie wichtig die Fitness für mich ist und habe deswegen schon vor Beginn der Vorbereitung hart gearbeitet. Neben der Gesundheit ist Fitness für Profisportler das höchste Gut. Mit meinen beiden Toren im Pokalspiel ging es gleich richtig gut los und ich war bereit für Stuttgart. Dann kam leider die kleine Verletzung, so dass ich es nicht in die Startelf geschafft habe. In Nürnberg habe ich wieder gespielt und jetzt gegen Augsburg das nächste Tor geschossen. Wichtig ist aber immer, dass wir als Mannschaft erfolgreich bleiben - je größer mein Anteil, desto schöner!

Schon in den ersten Wochen haben wir nicht nur zahlreiche Neuzugänge, sondern auch junge Spieler aus dem Nachwuchs erfolgreich integrieren können. Wie nimmst du die Entwicklung wahr?

Mainz 05 ist schon immer dafür bekannt, viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an den Profikader heranzuführen. Sie dann auch einzusetzen in wichtigen Spielen, zeugt zum einen von Mut, zum anderen aber auch von viel Vertrauen in diese Jungs. Der Trainer lässt sie einfach los, weil sie die Qualität dafür mitbringen. Wir haben auch durch die jungen Spieler unheimlich viel Konkurrenz im Kader, davon profitiert jeder Einzelne. Sie machen uns ein Stück weit schwerer ausrechenbar und helfen uns, den Konkurrenten auf Augenhöhe begegnen zu können. Wir müssen uns vor niemandem verstecken.

"Fühle ich mich aber definitiv manchmal sehr alt"

Mit 28 Jahren gehörst du zu den erfahrensten Spielern. Wie interpretierst du deine eigene Rolle?

Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen und meine Kollegen bei Bedarf zu unterstützen. Gleichzeitig kann aber auch ich viel lernen, gerade von den jungen Spielern, so dass es ein Geben und Nehmen ist. Kommunikation ist einfach unheimlich wichtig. Ich war auch mal jung und neu bei meinen Klubs, kann mich in die Spieler hineinversetzen. Für Einige sind wir erfahrenen Spieler auch sowas wie Vorbilder, Spieler, an denen sie sich orientieren. Das darf man nie vergessen und muss Professionalität auf und neben dem Platz vorleben. Wenn ich die vielen jungen Spieler sehe, dann fühle ich mich aber definitiv manchmal sehr alt (lacht).

Was hast du nach rund 15 Monaten in Mainz schätzen gelernt?

Die Leute im Verein bleiben stets positiv und optimistisch. Auch in der schweren Phase der letzten Saison wurde Ruhe bewahrt. Kontinuität in allen Bereichen kann nur hilfreich sein und wird am Ende belohnt. Wir bleiben unserer Linie treu und haben so in der letzten Saisonphase verdient unser Ziel erreicht. Mithilfe aller im Verein, dem Präsidenten, dem Sportvorstand und allen anderen Mitarbeitern. Das ist nicht selbstverständlich, den Glauben an uns in der Form von allen Seiten zu spüren.

Auf ein Remis aus zu sein, würde uns nicht guttun

Am Sonntag geht es in Leverkusen um die nächsten Punkte. Wie schätzt du den Gegner angesichts des missglückten Bundesliga-Starts ein?

Leverkusen wird zu 100 Prozent da sein. Sie hatten keinen guten Start, werden aber die drei Punkte umso mehr zuhause behalten wollen. Das muss angesichts der Qualität in ihrem Kader natürlich ihr Anspruch sein. Wir haben aber das gleiche Ziel und müssen mit der Einstellung auf den Platz gehen, ebenfalls gewinnen zu wollen. Auf ein Remis aus zu sein, würde uns nicht guttun. Wir wollen mutig sein, in jedem Spiel.

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