Vorberichte 05.11.2020 — 12:30 Uhr

Folgen "mehr Konflikten" die ersten Punkte?

Vor dem Duell mit Schalke 04 ist die Lage am Bruchweg nach wie vor prekär - Gegen den Vorletzten wollen die 05ER erstmals punkten, die Königsblauen hinter sich lassen und mit einem positiven Gefühl in die Länderspielpause gehen

Ständiger Austausch: Cheftrainer Jan-Moritz Lichte & Jeremiah St. Juste während der unglücklichen Niederlage gegen Mönchengladach.

Eigentlich sei es genug der vielen Worte, so der Eindruck von Rouven Schröder auf der Pressekonferenz vor der richtungsweisenden Partie gegen Schalke 04 am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) in der OPEL ARENA. "Wir wollen am Wochenende auf dem Platz Taten sprechen lassen. Am liebsten wäre mir, es wäre schon jetzt Samstag halb vier und wir könnten loslegen", so der Sportvorstand. Doch natürlich gab es Redebedarf von Seiten der Journalisten vor diesem Duell Letzter gegen Vorletzter. Der Cheftrainer berichtete zudem, dass die Brisanz angesichts dieser Ausgangslage auch in den bisherigen Trainingseinheiten der Woche spürbar gewesen sei.

"Mit Wut im Bauch wollen wir das Ruder rumreißen, alle sind angepiekst", sagte Jan-Moritz Lichte auch mit Blick auf die so enttäuschende sechste Niederlage im sechsten Saisonspiel beim FC Augsburg. Diese Wut gelte es gegen den ebenfalls auf alles andere als einen erfolgreichen Saisonstart zurückblickenden Gegner in Energie umzuwandeln, über positive Erlebnisse in die Partie hinein zu finden und endlich die ersten Zähler der Saison einzufahren. Dabei bereitet der Cheftrainer seine Profis auf eine hektische Begegnung vor, in der er zwei aggressive Teams erwartet, die versuchen werden, "das Heft des Handelns" in die jeweiligen Hände zu nehmen. Hektik jedoch, so Lichte, könne dem eigenen Spiel durchaus guttun, wenn es gelinge, sie in den richtigen Räumen zu erzeugen und dort die gleichfalls richtigen Entscheidungen zu treffen. Ebendiese "richtigen Räume" habe sein Team zuletzt beim FCA zu selten gefunden, wie der 40-Jährige mit seinem Trainerteam analysiert hat. Wie das aussehen könne, habe hingegen die Partie gegen Gladbach gezeigt: "Für uns ist es wichtig, auf dem großem Feld immer wieder kleinere enge Räume zu erzeugen, Fußball zu spielen, aus Gegenpressing-Aktionen Bälle zu gewinnen und schnell nach vorne zu spielen. In Augsburg ist uns das nicht gelungen, wir haben zulange gebraucht, um in die Zweikämpfe zu kommen, hatten nach Ballgewinn zu oft keine Anspielstationen. Über diese Dinge kann man aber reinfinden in ein Fußballspiel, Freude daran entwickeln, um am Ende hoffentlich die ganz große Freude empfinden zu können."

Gesteigerter Kommunikationsbedarf

Dass diese Freude am Ende nur drei Punkte entfachen können, daran dürfte keinerlei Zweifel bestehen. Die 05ER wollen vor der Länderspielpause ankommen in dieser Bundesliga-Saison, deren Start einer zum Vergessen gewesen ist. "Wir brauchen am Samstag Aktivität, harte Arbeit, Chancen, Torabschlüsse - der Trainer hat im Prinzip alles gesagt. Wir wollen mit einem guten Gefühl und Punkten in die Pause", ergänzte Schröder. Der erste Saisonsieg gegen ebenfalls noch sieglose Schalker würde zudem garantieren, dass der FSV die Rote Laterne an den Kontrahenten abgibt. "Wir wollen jetzt positive Schlagzeilen schreiben", sagt Schröder kämpferisch.

Gelingen soll dies mit der richtigen Balance aus Lockerheit und Anspannung. Vor allem Letztere, so berichtete der Trainer, sei in den vergangenen Tagen auf dem Trainingsplatz greifbar gewesen. "Es gab im Training mehr Konflikte als zuvor", erläuterte Lichte, der dies aber keinesfalls negativ verstanden wissen möchte: "Es waren keine körperlichen Auseinandersetzungen, es gab ganz einfach noch mehr Kommunikationsbedarf, der auch mal aggressiver zum Ausdruck gebracht wurde als üblich."

Jede Entscheidung, die du triffst, ist von Bedeutung, kann wertvoll für die Mannschaft sein

Den Frust abschütteln will St. Juste am Samstagnachmittag gemeinsam mit den Teamkollegen in der heimischen OPEL ARENA.

Es ist Leben in der Bude am Bruchweg, in einer Situation, die jeden Einzelnen nervt, stresst und keinesfalls unbeschwert durch die Woche gehen lässt, wie Jeremiah St. Juste am Mittwoch (exklusiv im 05-Newsletter) zu Protokoll gegeben hatte: Der Außenverteidiger sprach dabei von einem "Gefühl, das uns den Rest des Wochenendes begleitet, wenn wir nach Hause fahren. Fußball ist nicht nur ein Job, er ist unser Leben. Ich kann nicht zuhause sitzen nach Niederlagen und einen entspannten Abend haben, weil eine Niederlage immer in deinem Kopf ist. Man streift das nicht ab, wenn das Spiel vorbei ist. Wir sind letzter mit null Punkten, das ist immer das Thema in unserer Situation." Ein Thema, das für den Moment, und idealerweise auch darüber hinaus, ad acta gelegt werden soll: "Es ist so viel Luft nach oben. Wenn uns endlich gelingt, alles abzurufen, was der Trainer uns mit auf den Weg gibt, kommen die Punkte", bleibt St. Juste optimistisch.

Klar sei aber auch: "Es wird nicht von alleine gehen, wir dürfen nicht warten, dass uns etwas geschenkt wird. Das muss jeder verstehen, ein Ausweg aus unserer Lage kommt nicht von allein", gibt er sich keinen Illusionen hin. "In der jetzigen Situation zählt alles, jeder Sprint, jeder Block, jede einzelne Aktion, jeder Schuss. Jede Entscheidung, die du triffst, ist von Bedeutung, kann wertvoll für die Mannschaft sein." Klare Worte, denen, auch das ist den 05-Profis bewusst, Taten folgen sollten und müssen. Nach 90 Minuten gegen die Königsblauen soll die Summe richtiger Entscheidungen, verbunden mit einem leidenschaftlichen Auftritt, nun endlich den Ausschlag geben, erstmals in der laufenden Saison im rot-weißen Trikot als Sieger vom Platz zu gehen.

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