Vorberichte 02.05.2021 — 15:30 Uhr

Unter Hochspannung ins Duell mit vielen Unbekannten

Comeback nach zweiwöchiger Quarantäne: Hertha BSC gastiert am Montagabend in der OPEL ARENA - Svensson rechnet mit starken Berlinern, erlaubt keinerlei Spannungsabfall & sieht eigenen Leistunganspruch nach wie vor als Maß aller Dinge

Genießen erlaubt, Spannungsaufbau gefordert: Jeremiah St. Juste (hier nach dem Sieg über den FCB) gelang gegen die Hertha im September 2019 sein erstes Bundesliga-Tor.

Fast auf den Tag genau vier Monate wird der Amtsantritt des 05-Cheftrainers am Montagabend (18 Uhr) her sein, wenn das Duell mit Hertha BSC in der OPEL ARENA angepfiffen wird. Es waren vier hochintensive Monate, auf die Bo Svensson gemeinsam mit seinem Trainer- und Funktionsteam sowie den 05-Profis zurückblickt. Weil es unmöglich sei, die Spannung tagtäglich auf maximalem Level zu halten, genehmigte der Däne seinen Profis nach dem Erfolg über Bayern München zwei freie Tage und ließ sie auch am Freitag noch einmal "runterfahren", wie er auf der Pressekonferenz am Sonntagmittag erläuterte. Dies sei, das ist ihm bewusst, eine wichtige Voraussetzung für die Erfüllung seiner Ansprüche, in jedem Training, in jedem Spiel. "Wenn wir auf dem Platz sind, ist es intensiv, dann wird alles abverlangt", unterstrich der 41-Jährige gut 24 Stunden vor dem Aufeinandertreffen mit dem Klub aus der Hauptstadt, dessen Vorbereitung auf die Partie unter ungewöhnlichen Vorzeichen stand.

Ein Blick auf den Twitter-Kanal des Gegners am Freitag - der Wiederauftakt nach zweiwöchiger Team-Quarantäne stand an - genügte, um Svenssons Einschätzung hinsichtlich der Berliner Zwangspause zu teilen. "Man kann man sich aus menschlicher Perspektive ausmalen, wie es ist, zwei Wochen zuhause zu sitzen. Wir erwarten eine Mannschaft, die voller Tatendrang herkommt. Die Aufgabe wird dadurch nicht einfacher", ist der 05-Trainer, dem als Vorbereitungsgrundlage die Begegnungen der Gäste aus dem März sowie Anfang April (1:1 bei Union & 2:2 gegen Mönchengladbach) dienen, überzeugt. Tatendrang, Vorfreude und Zuversicht strahlen die Herthaner (26 Punkte), die gegenüber den Mainzern (34) noch zwei Partien mehr auszutragen haben und ihrerseits alles geben werden, um den Gang in Liga zwei in den verbleibenden Wochen zu verhindern, dieser Tage in der Tat aus. Wenngleich dies auch gleichzeitig die Beste weniger zur Verfügung stehender Optionen sein dürfte.

Dardais Plan & Ungewissheit

"Unser erstes Ziel ist es, ohne große Spielpraxis eine gute erste Halbzeit in Mainz zu spielen. Dann können wir in der Pause eine kurze Analyse machen und gegebenenfalls Änderungen für die zweite Hälfte vornehmen", erläuterte Berlins Cheftrainer Pal Dardai die Herangehensweise seines Teams, das zuletzt vor mehr als drei Wochen im Einsatz war. Gleichzeitig verwies der Ungar darauf, dass nach zweiwöchiger Spiel- und Trainingspause natürlich nicht absehbar sein könne, wie die Muskelpartien seiner Profis auf die Belastung durch Torabschlüsse oder etwa Sprints wie auch intensive Läufe reagieren würden.

Von Ketchup & Spaß am Spiel

Kein vorentscheidender Charakter

Mit unbekannten Variablen oder gar Konjunktiven möchte sich Svensson indes nicht beschäftigen und erinnerte erneut daran, dass sein Fokus in allererster Linie immer den eigenen Leistungen gelte. "Wir beschäftigen uns mit unserem Spiel, damit, was wir gut gemacht haben zuletzt und wiederholen müssen. Denn ich erwarte die stärkste Hertha-Mannschaft." Zwar gab der Ex-Profi zu, mit der "guten Ausgangslage" so früh im Mai zum Amtsantritt nicht gerechnet zu haben. "Mehr haben wir aber noch nicht erreicht. Wir brauchen weiter Leistung, in jedem Spiel." Das morgige wolle er keinesfalls als vorentscheidend bezeichnen, sondern fordere von seiner Elf, wie in jedem anderen Bundesliga-Spiel auch, an die Leistungsgrenze zu gehen.

...zum richtigen Zeitpunkt auch mal Privatleben

Ebendiese permanente, maximale Anspruchshaltung, die der Trainer seinen Profis zu Beginn der Zusammenarbeit ins Aufgabenheft geschrieben hatte, erfordere Zeitfenster zum Durchatmen, Luft holen und Kraft tanken. "Wenn man das als Trainer will, dann weiß man auch: Es braucht Erholung, mental und körperlich, und zum richtigen Zeitpunkt auch mal Privatleben. Dann sind die Spieler mit der nötigen Frische hier, um auf und neben dem Platz das zu zeigen, was uns wichtig ist", erläuterte Svensson. Es scheint eines der Stilmittel zu sein, dank dem die 05ER eine Rückrunde absolvieren, die aktuell Europapokal-Ansprüchen genügen würde. Sowohl in Sachen Punktausbeute als auch in puncto Verlässlichkeit hat der FSV zuletzt ein neues Niveau erreicht. Eines, auch darauf verwies der 05-Trainer, auf dem man sich nun keine Sekunde ausruhen dürfe. "Man darf das Genießen nicht vergessen, denn Siege sind für Mainz 05 in der Bundesliga kein Alltag." Aber eben auch nie selbstverständlich.

Mit einem torlosen Remis endete das umkämpfte Hinrunden-Dull kurz vor Weihnachten im Berliner Olympiastadion.

Es bleibt intensiv

Harte Arbeit, maximale Bereitschaft und höchste Konzentration werden insofern auch am Montagabend erneut gefordert sein, des Gegners, gegen den die Mainzer aus dem Vollen schöpfen können (nur Luca Kilian fällt weiter aus), wegen: "Es ist bekannt, dass Hertha individuell viel Qualität auf den Platz bringen kann." Und, natürlich, mit Blick auf das eigene Selbstverständnis. "Ich erwarte ein intensives Spiel mit viel Emotionalität und Leidenschaft. Ein enges Spiel, in dem wir defensiv eine sehr gute Leistung abrufen müssen."

Erst Mitte der Woche hatte Svensson nochmals unterstrichen, dass er die Aufgabe als Cheftrainer mit langfristiger Perspektive angegangen sei, etwas prägen und entwickeln wolle. Dass es dabei auch künftig nicht weniger intensiv zugehen dürfte, als in den Monaten eins bis vier, ist längst absehbar.

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