Profis 26.09.2021 — 16:30 Uhr

Svensson: "...vielleicht 5, 6, 7 Minuten vor dem Tor wechseln"

Nach der Niederlage in Leverkusen kritisiert der 05-Cheftrainer die Passivität seiner Profis nach der Pause, hinterfragt aber gleichzeitig eigene Entscheidungen: "Ich habe natürlich auch Verantwortung"

Anton Stach und Marcus Ingvartsen kamen kurz nach dem Rückstand in die Partie und kurbelten das Offensivspiel des FSV merklich an.

In der Analyse waren sich alle 05ER im Anschluss an die knappe Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen am Samstagnachmittag schnell einig: Viel zu passiv waren die Mainzer nach einer starken Darbietung in den ersten 45 Minuten aus den Katakomben der BayArena aufs Spielfeld zurückgekehrt und hatten die Gastgebern so den Weg geebnet zum Tor des Tages durch Florian Wirtz. "Ich muss mich vielleicht selber hinterfragen. Ob ich es nicht deutlich genug gemacht habe, was hier gefordert war, um erfolgreich zu sein. Das war schläfrig und zu passiv", sagte Bo Svensson.

Eine Halbzeit lang war der Plan des 05-Cheftrainers zuvor voll aufgegangen. Nach einer halben Stunde wäre eine Gäste-Führung mehr als verdient gewesen, was nicht nur die Bilanz von acht zu eins Torabschlüssen zu diesem Zeitpunkt untermauerte. Die Leverkusener hatten zwar durchweg mehr Ballbesitz, fanden aber kaum Mittel und Wege, um hinter die Mainzer Abwehrkette zu kommen und das Tor von Robin Zentner ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die 05ER hingegen hatten ihre Chancen, doch weder Dominik Kohr in seinem 200. Bundesliga-Spiel noch Stefan Bell, Jonny Burkardt oder Leandro Barreiro konnten Lukas Hradecky überwinden.

Es gab in diesem Spiel drei Phasen

"Für uns ist es eine bittere Niederlage", ärgerte sich Svensson auf der Pressekonferenz. "Es gab in diesem Spiel drei Phasen: Die erste Halbzeit und 25 Minuten nach dem Gegentor haben wir umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. In den 20 Minuten nach der Pause waren wir zu passiv, da haben wir Leverkusen die Räume und die Zeit gegeben, die sie mit ihrer Klasse genutzt haben. Wir haben in unseren guten Phasen kein Tor gemacht und deswegen verloren. 70 gute und 20 sehr schlechte Minuten haben heute nicht gereicht", so der 05-Trainer.

Bello & Brosi bei 05ER.tv

Den Willen sieht man Tag für Tag im Training

Auch Daniel Brosinski, für den am Freitag positiv auf Corona getesteten Alexander Hack ins Team gerückt, gab sich am Sonntag morgen gegenüber 05ER.tv selbsktrkitisch mit Blick auf die Phase nach Wiederbeginn, gab sich aber gleichzeitig optimistisch: "Nach der Pause kamen wir kaum ins Pressing, waren erst nach dem Gegentor wieder gut drin. Wir müssen gucken, dass wir das Spiel 90 Minuten durchziehen, das ist schon gegen Freiburg nicht gelungen. Ich denke aber, die Mannschaft wird daraus lernen. Den Willen sieht man Tag für Tag im Training", so der Routinier nach seinem 212. Bundesliga-Spiel.

Den Willen, sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen hatte der FSV auch nach dem Rückstand in Leverkusen an den Tag gelegt und durchaus Chancen auf den Ausgleich zu verzeichnen gehabt in der Schlussphase, als das Mainzer Offensivspiel auch dank der frischen Kräfte noch einmal wiederbelebt wurde. Die größte Gelegenheit war zudem Folge einer Co-Produktion zweier Joker gewesen: Anton Stach hatte mustergültig auf Marcus Ingvartsen geflankt, der kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit am glänzend reagierenden Hradecky gescheitert war (Svensson: "Am Ende müssen wir das 1:1 machen"). Eine verpasste Gelegenheit, die auch den Trainer ärgerte, der nach der Partie aber auch nicht mit Selbstkritik sparte: "Ich habe natürlich auch Verantwortung. Ich hätte vielleicht fünf, sechs, sieben Minuten vor dem Tor wechseln müssen, weil die Tendenz war in der Phase eigentlich klar", so der Däne.

Mit Mut und Selbsvertrauen gegen Union

Trotz der vertanen Chance, erneut gegen ein Spitzenteam zu punkten, überwiegen auch nach diesem Wochenende positive Aspekte. Nach nur drei Gegentreffern in sechs Spielen stellt der FSV nach wie vor die beste defensive der Liga, rangiert nach wie vor oberen Tabellendrittel und zeigte im Anschluss an den Rückstand, dass die Mannschaft, ganz anders als häufig in den Vorjahren, sich nicht so schnell aus der Bahn werfen lässt oder gar komplett die Linie verliert. Zumal die Breite im Kader dem Trainer stets Optionen bietet, um entscheidend Einfluss auf den Spielverlauf nehmen zu können. "Wir waren über zwei Drittel des Spiels auf Augenhöhe. Das gibt uns Mut und Selbstvertrauen", hatte Sportdirektor Martin Schmidt in Leverkusen betont.

Ausgestattet mit diesen Attributen wollen die Mainzer am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) gegen Union Berlin anknüpfen an die 70 überzeugenden Minuten in der BayArena. Der freie Kartenvorverkauf läuft bereits.

 

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