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Fußball Frauen 28.10.2026 - 12:30 Uhr

Kreß: "Der Klassenerhalt ist und bleibt das Ziel, an das wir glauben"

Die Sportliche Leiterin Mädchen- und Frauenfußball spricht über die aktuelle sportliche Situation der 05-Frauen und was sie trotz der bisherigen Ergebnisse zuversichtlich stimmt

Nadine Kreß im Gespräch mit Medienvertretern nach einem Heimspiel in der Frauen-Bundesliga.

Acht Spiele, null Punkte, aber dennoch ein ungebrochener Glaube an den Turnaround: Zwar liest sich die Bilanz der ersten Monate in der Frauen-Bundesliga für die Mainzer Frauen alles andere als gut. 

Doch nachdem der FSV zuletzt viel Lehrgeld zahlen musste, bieten sich in den kommenden Wochen gleich mehrere vielversprechende Gelegenheiten, um die ersten Erfolgserlebnisse zu feiern und im Kampf um den Klassenerhalt Tuchfühlung zur Konkurrenz herzustellen. Nadine Kreß, Sportliche Leiterin Mädchen- und Frauenfußball, ordnet die aktuelle sportliche Situation ein, spricht offen über den Frust der vergangenen Monate, gibt sich aber zuversichtlich mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft und die anstehenden Aufgaben.

Nadine, acht Spieltage sind absolviert, noch warten wir auf den ersten Punktgewinn. Wie frustrierend ist diese lange Durststrecke nach den Erfolgen der letzten Jahre?

"Natürlich haben wir uns mehr erhofft und auch erwartet. Der Blick auf die Tabelle schmerzt derzeit, dennoch glauben wir an unsere Chance und eine Aufholjagd. Dafür muss die Mannschaft das, was sie sich unter der Woche in den Trainingseinheiten erarbeitet und was sie auch im Stande ist, zu leisten, regelmäßig auch über 90 Minuten abrufen. Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen, ausschließlich schwarzzumalen, sondern müssen die bisherigen Spiele individuell betrachten und bewerten: Im Duell mit Köln und Wolfsburg konnten wir beispielsweise kaum etwas entgegensetzen, auch die klare Niederlage in Leipzig war eine Enttäuschung – so ehrlich müssen wir sein. Gegen Frankfurt und zuletzt in Hoffenheim haben wir hingegen gezeigt, was in uns steckt. Auch am ersten Spieltag gegen Bremen wäre mit etwas mehr Spielglück ein Punkt drin gewesen. Die Ergebnisse sagen unter dem Strich aus, dass es aktuell noch nicht reicht, dennoch sieht hier bei uns niemand einen Anlass, den Kopf in den Sand zu stecken. Der Klassenerhalt ist und bleibt das Ziel, an das wir glauben."

Wie geht ihr mit der aktuellen Situation um?

"Wir bleiben positiv, bei allem Frust, den man aus Niederlagen mit in die nächste Woche nimmt. Es war ein Stück weit erwartbar, dass wir uns gerade am Anfang der Saison schwertun könnten. Trotzdem haben wir uns natürlich erhofft, früher mit dem Punkten zu beginnen. Auch das zweifellos anspruchsvolle Programm zum Auftakt darf keine Ausrede sein. Wir wissen, dass wir uns weiterhin steigern müssen, um in dieser Liga zu punkten und werden nicht aufhören, daran zu arbeiten, dieses Ziel zu erreichen – das geht nur über eine positive Einstellung, die die Mannschaft auch unter der Woche im Training verkörpert."

Wir waren mehrfach nah dran, uns zu belohnen: Warum hat es bislang dennoch nicht für Zählbares gereicht?

"Aus meiner Sicht gab es dafür unterschiedliche Gründe. In den ersten zwei, drei Spielen hat vermutlich eine gewisse Nervosität eine Rolle gespielt, manchmal hat uns auch eine gewisse Körperlichkeit und Robustheit auf dem Platz gefehlt. Auswärts in Freiburg haben wir es zum ersten Mal geschafft, wirklich dagegenzuhalten und über weite Strecken die Spielkontrolle auf unsere Seite zu ziehen. Sobald wir uns in solchen Spielen gute Chancen erarbeitet haben, waren wir allerdings oft zu hektisch vor dem gegnerischen Tor und konnten unsere Möglichkeiten nicht in Tore ummünzen – ähnlich sah das auch am vergangenen Wochenende in Hoffenheim aus. Es sind also mehrere Faktoren, die zu der aktuellen Situation beigetragen haben und die wir nach und nach ausmerzen müssen, um zukünftig erfolgreich zu sein."

Wie geht das Trainerteam um Takashi Yamashita mit der ungewohnten Rolle um?

"Wir haben in den letzten Jahren großartige Erfolge gefeiert, die uns erst ermöglicht haben, in dieser Saison auf nationalem Top-Level mitspielen zu dürfen. Das ist für uns alle Neuland und ein Anpassungsprozess. Taka und das gesamte Team ums Team arbeiten unheimlich hart und akribisch. Jeder möchte seinen Teil dazu beitragen, das Ruder herumzureißen. Eine solche Phase des Misserfolgs ist für uns alle neu, wir kommen da nur gemeinsam raus. Taka setzt dafür im Training immer wieder neue Akzente und entwickelt passende Matchpläne. Gerade in Hoffenheim hat jeder gesehen, welche Probleme wir Gegnerinnen bereiten, wenn sich alle daran halten und der Übertrag auf den Spielbetrieb gelingt."

Allerdings scheint uns auch das Verletzungspech treu zu bleiben…

"Leider ja. Brechen uns Leistungsträgerinnen wie Mamiko Matsumoto, Saskia Matheis oder Sabina Jackson über Wochen und Monate weg, tut uns das richtig weh. Jetzt hat es in Hoffenheim Marina Georgieva erwischt, Chiara Bouziane kämpft immer wieder mit Blessuren. Das sind Faktoren, auf die wir wenig Einfluss haben, aber auch Umstände, die wir annehmen müssen."

Siehst du ungeachtet der Ausbeute Fortschritte in der Entwicklung der Mannschaft?

"Definitiv. Zwar spiegelt sich das nicht in der Tabelle wider, aber ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass die Mannschaft mittlerweile ein anderes Gesicht zeigt als in den ersten Wochen und Spielen zumindest in Phasen ihren Stempel aufdrückt. Wir haben jetzt ein Gefühl für diese Liga bekommen und wissen, wie schwierig es ist, in ihr zu bestehen. Diese Herausforderung hat die Mannschaft angenommen und wird immer mutiger auf dem Platz. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung und ich bin mir sicher, dass wir uns zeitnah für unseren Aufwand belohnen werden."

Nach dem DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen erwarten euch Partien gegen Stuttgart, den HSV und Nürnberg, die aktuell auch allesamt in der unteren Tabellenhälfte zu finden sind. Wie wichtig wird der November?

"Extrem wichtig. Für uns ist das die bisher entscheidendste Phase der Saison, in der wir eindeutig unter Zugzwang stehen. Bisher haben wir uns größtenteils mit Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gemessen. Davon müssen wir uns ab jetzt frei machen, denn diese drei Spiele werden uns zeigen, wo wir stehen und was in dieser Saison für uns möglich ist. In dieser Liga kann es im Abstiegskampf sehr schnell gehen, wenn man ein paar Punkte sammelt. Daher ist es umso wichtiger, dass wir diese Chancen ergreifen."

Folgt also auf das gezahlte Lehrgeld der verdiente Lohn?

"Das hoffe ich. Wir haben bislang in der Tat viel Lehrgeld gezahlt und teilweise verdient, teilweise aber auch sehr bitter verloren. Ich denke, all diese Erfahrungen haben uns ein Stück weit stärker gemacht und uns gezeigt, was wir in Zukunft besser machen müssen. Wir sind alle zuversichtlich, dass unsere Arbeit nun endlich Früchte tragen wird."

Was können positive Erlebnisse in Form von Punkten auslösen?

"Wenn wir es schaffen, im November erste Erfolgserlebnisse zu feiern, bin ich überzeugt davon, dass uns das langfristig tragen, Selbstvertrauen und Rückenwind verleihen kann. Wir wollen den Anschluss nicht verpassen und uns auch zum Jahreswechsel berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen können. Im Heimspiel gegen Stuttgart können wir dafür den Grundstein legen, aber auch gegen Bremen haben wir eine kleine Rechnung offen. Das ist zwar ein anderer Wettbewerb, ein Erfolg dort kann aber genau die gleichen Kräfte freisetzen."

Was stimmt dich trotz der komplizierten Ausgangslage insgesamt zuversichtlich?

"Dass wir nach wie vor geschlossen zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Die Mannschaft arbeitet unermüdlich daran, in der Liga zu punkten und war am vergangenen Wochenende in Hoffenheim wahrscheinlich so nah dran, wie noch nie. Dass wir einem gestandenen Bundesligisten das Leben bis in die Schlussphase sehr schwer machen und ein nicht einfach zu bespielender Gegner sein können, muss uns Mut für die kommenden Aufgaben machen."