Profis 26.11.2019 — 11:30 Uhr

Konsequenz über 90 Minuten

Jean-Paul Boëtius erfreut sich nach dem Sieg in Hoffenheim über die Rückkehr zu den 05-Tugenden - Schnelligkeitsvorteile bei Kontertoren

Die Handbewegung von Jean-Paul Boëtius nach seinem 4:1  untermauerte die Endgültigkeit der Geschichte: Am Auswärtssieg der 05ER an diesem zwölften Spieltag bei der TSG Hoffenheim war nicht mehr zu rütteln. Dass Kunde Malong kurz danach sogar noch das 5:1 zum Endstand draufsetzte, war quasi das Ausrufezeichen hinter diesem denkwürdigen und historischen Auftritt in der Sinsheimer Arena. "Wir haben Charakter gezeigt", fasste Boëtius die 95 spektakulären Minuten zusammen. "Das, was Mainz 05 eigentlich bedeutet."

Die Ungenauigkeiten in der Anfangsphase, die Chancen für die in sechs Pflichtspielen hintereinander siegreichen Hoffenheimer produzierten, waren sicherlich der Gesamtsituation geschuldet. Die Rote Karte für Ridle Baku für sein hartes Einsteigen gegen Sebastian Rudy entsprang dem Wunsch des 21-Jährigen, die geforderte Leidenschaft und notwendige Aggressivität auf den Platz zu bringen. Dabei geriet die Aktion etwas zu heftig und brachte dem Junioren-Nationalspieler nun eine Sperre von zwei Spielen ein.

Neue Grundordnung, neue Abläufe, neue Positionen

Doch weder die holprige Anfangsphase, noch die Unterzahl über mehr als 45 Minuten vermochten den 05-Profis in diesem ersten Spiel unter ihrem neuen Trainer etwas anzuhaben, sie wie so häufig in dieser Saison aus der Bahn zu werfen. In Hoffenheim war der Teamgeist gigantisch, die gegenseitige Hilfe, die Leidenschaft, mit der sich die gesamte Mannschaft gegen alle Widerstände stemmte. Mit einer Konsequenz über mehr als 90 Minuten - schon oft gefordert, doch selten erreicht. Natürlich rätselten nachher alle, warum das erst beim Debüt von Achim Beierlorzer gelang. Der Cheftrainer hatte in der Kürze der Zeit ein paar Änderungen eingebracht, gleichzeitig aber auch betont, dass die Basis vor Beginn seiner Amtszeit am Bruchweg gelegt worden sei und ihm den Einstieg erleichtert habe: "Neue Grundordnung, neue Abläufe, neue Positionen", sagte Robin Zentner, der mit seinen überragenden Aktionen in den richtigen Momenten verhinderte, dass der Gegner noch einmal hätte Morgenluft wittern können. "Ich wollte vorher auch jedes Spiel gewinnen. Vielleicht ist es dann am Ende einfach die Veränderung, die so etwas auslöst. Dass die Sinne neu geschärft sind, jeder nochmal alles zeigen will, was er hat. Auch, weil sich jeder neu beweisen muss", so der 05-Keeper.

Die #05ERNews zum Auswärtssieg

"Diesmal hatten wir die Köpfe oben", erklärte Boëtius. "Wir hatten viel Energie in den Zweikämpfen, mussten mit einem Mann weniger zwar sehr viel laufen, aber wir haben das heute auch gemacht." Nach dem Platzverwies habe man taktisch nicht viel ändern müssen. Boëtius und Quaison rückten etwas nach hinten, agierten tiefer, Karim Onisiwo blieb vorne. Die Rote Karte, so der Holländer, sei sicherlich nicht hilfreich gewesen, doch vielleicht habe das auch nochmal dazu beigetragen, dass die Mannschaft näher zusammengerückt sei.

Mit dem neuen Coach alles besser machen

Der 25-Jährige war der Ansicht, dass die Einstellung jedes einzelnen 05-Profis an diesem Tag das Entscheidende gewesen sei. Vielleicht habe die ganze Misere erst passieren müssen, damit das Team auf diesen Weg habe kommen können. "Wir haben auch für Sandro Schwarz sehr oft alles gegeben, leider aber nicht immer. Und wenn wir keine guten Leistungen bringen, läuft es im Profisport so. Schade, dass es Sandro passieren musste. Es tut mir immer noch weh. Nun müssen wir mit dem neuen Coach alles besser machen. So gesehen, war das schon mal ein guter Anfang."

Und in dieser Form waren die 05ER für die ganz auf Offensive getrimmten Hoffenheimer nicht gut: "Wir waren sehr effizient, jede Umschaltung war gefährlich. Das hat natürlich mit dem Gegner zu tun, der sehr viele Offensivspieler aufgestellt hatte. Dadurch gab's dann mehr Raum. Das haben wir gut genutzt", erklärte der Torschütze. Und die Mainzer hatten diesmal das Momentum auf ihrer Seite: Die Führung durch Levin Öztunali zum richtigen Zeitpunkt. Das Eigentor der TSG nach Jeremiah St. Justes beherztem Vorstoß, mitten hinein in die gegnerische Drang- und Druckphase. Dann der überragende Konter zum 3:0. Boëtius schickte Kunde steil, der überragende Sechser schloss diesen Konter genauso cool ab, wie der Holländer beim 4:1 und Kunde dann selbst wieder beim 5:1 ganz am Ende. "Wir hatten da so viel Raum und Schnelligkeitsvorteile, weil die Hoffenheimer nur noch mit zwei Innenverteidiger hinten waren", so die Erklärung des eines zufriedenen 05-Regisseur. 

Am heutigen Dienstag haben die 05ER nach der Regenerationseinheit zu Wochenbeginn trainingsfrei. Von Mittwoch bis Freitag wird vor dem Rhein-Main-Duell mit Eintracht Frankfurt am kommenden Montag dreimal öffentlich trainiert. Alle Trainingszeiten findet ihr wie gewohnt hier.

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