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Profis 02.10.2026 - 16:30 Uhr

Kaishu Sano: Vom "Hügelberg" in die Bundesliga

Wie der Japaner vom Aussortierten zum Profi reifte

Mittelfeldmotor und Abräumer: Kaishu Sano beim 4:3-Erfolg in Mönchengladbach.

Von seinem fast schon legendären Schulweg über unzählige Probetrainings bis hin zum potenziellen Baseballstar: Kaishu Sano blickt in seiner noch jungen Karriere auf einen recht unorthodoxen Weg zurück. Im Interview vor Länderspielpause sprach der 25-jährige Mittelfeldspieler der Rheinhessen über seine Kindheit in Japan, die Beziehung zu seinem Bruder und die kommenden Länderspiele im Trikot der japanischen Nationalmannschaft.

Brüderliche Sportlichkeit

Sano wuchs in der Präfektur Okayama auf, deren Name sich aus den Wörtern "Oka" und "Yama" zusammensetzt, übersetzt "Hügelberg". Dementsprechend trägt auch seine Heimatstadt Tsuyama das Wort "Yama", also Berg, im Namen. Wie der Name vermuten lässt, ist seine Heimat von Gebirgen und Hochebenen umringt - und genau in dieser naturbelassenen Umgebung verbrachte der 25-Jährige seine Kindheit: "Wir haben sehr ländlich gelebt, und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Nachteile habe ich nie gespürt, und ein Stück weit vermisse ich es auch. Deshalb war dieser Schulweg über Bergwege und Felder für mich nichts Besonderes, sondern eine Selbstverständlichkeit." Eine Frage wirft diese ungewöhnliche Route dennoch auf: Warum nahm er keine öffentlichen Verkehrsmittel? Schließlich besitzt Japan eines der besten und verlässlichsten Verkehrsnetze der Welt. "Irgendwo habe ich mal eine Bushaltestelle gesehen, aber einen Bus habe ich dort fast nie halten sehen. Ich habe nie darüber nachgedacht, zur Schule zu fahren. Und ehrlich gesagt hat das Laufen mit meinem Bruder viel mehr Spaß gemacht", gibt Sano schmunzelnd zu. 

Neben dem gemeinsamen Schulweg verband die Brüder Kaishu und Kodai vor allem der Drang nach Bewegung. Nach der Schule ließen sie ihrer täglich aufgebauten Energie in der Natur freien Lauf. "Nachdem wir von der Schule teils heimgesprintet sind, waren wir jeden Tag draußen und haben neben Fußball auch viele andere Sportarten betrieben. Dabei haben wir auf unsere Art gelernt, unseren Körper zu beherrschen und einzusetzen." Und das mit reichlich Erfolg: Bruder Kodai steht mittlerweile beim niederländischen Klub PSV Eindhoven unter Vertrag und ist ähnlich begehrt wie der 05-Mittelfeldspieler. Zu seinem jüngeren Bruder pflegt Sano weiterhin eine enge Beziehung: "Wir pushen uns gegenseitig, vor allem fußballerisch, und tauschen uns dahingehend regelmäßig aus. Natürlich freue ich mich umso mehr, wenn ich ihn persönlich wiedersehe."

05ER.TV 02.10.2026

Vom Dorf in die Bundesliga: Kaishu Sano 🇯🇵⚽️

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"Dafür bin ich der Schule heute noch dankbar"

Von der Grundschule bis zur Mittelstufe spielte Sano in seinem Heimatverein. Zur High School wollte er einen Schritt weiter gehen und bewarb sich bei zahlreichen renommierten Schulen. Doch sein Traum von der großen Fußballkarriere schien bereits beendet, bevor er überhaupt richtig hatte anfangen können. Keine Schule in seiner Präfektur wollte den jungen Mittelfeldspieler aufnehmen. Als allerletzte Option versuchte er sein Glück in der Nachbarpräfektur Tottori und ging zum Probetraining an die Yonago Kita High School. Diese nahm ihn schließlich auf, inklusive Stipendium: "Dafür bin ich der Schule heute noch dankbar", sagt der 25-Jährige. Denn dort lernte er zahlreiche Spieler und Trainer kennen, die seine Einstellung für immer veränderten: "In jeder Trainingseinheit wurden mir meine Stärken, aber auch meine Schwächen vor Augen geführt. Ich wurde angetrieben, immer die Herausforderung zu suchen und keine Angst vor Fehlern zu haben. Das hat mich in meiner Entwicklung sehr weitergebracht, diese Denkweise habe ich bis heute beibehalten."

Mit jenem Mindset im Gepäck ging es über Machida Zelvia und Kashima Antlers 2024 in die Bundesliga zum FSV. Dort hatte der Japaner anfangs noch Schwierigkeiten mit dem Tempo der Ballaktionen, doch die Kultur des Vereins adaptierte er ab Tag eins: "Ich habe direkt gespürt, dass die Mannschaft stets im Vordergrund steht. Jeder spielt für das Team und alles wird sehr ernst genommen. Das war in Japan nicht anders und ich konnte deshalb diesen Spirit relativ schnell aufnehmen und mich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren.“ Den fußballerischen Aspekten widmet sich Sano nicht nur im Training – denn er ist Vollblutfußballer, wie er im Buche steht. Falls er nicht mit seinem Hund am Rheinufer unterwegs ist, ruht er sich zuhause aus, lässt seinen Körper behandeln oder guckt Fußball. Dabei sucht er immer wieder Inspiration bei seinen Kindheitsidolen: "Meine Vorbilder sind fußballerisch das komplette Gegenteil von mir. Meistens laufen Highlights von Ronaldinho oder Messi. Ich glaube, weil sie so unterschiedlich von mir sind, gucke ich ihnen so gerne zu.“

Ein geheimes Baseball-Talent?

Ganz unterschiedlich würde seine Welt auch aussehen, hätte er sich in seiner Kindheit anders entschieden. Sano setzte für den Fußball alles auf eine Karte - mit Erfolg wohlgemerkt. Doch gab es auch einen Plan B? "Natürlich Baseball", antwortete er ganz trocken. Wie fast jedes Kind in Japan spielte er in jungen Jahren auch den Nationalsport seines Landes, stellte diese Leidenschaft aber für den Fußball zurück. Heute verfolgt er neben Weltstar Shohei Ohtani auch Pitcher Yoshinobu Yamamoto, der ebenfalls aus der Präfektur Okayama stammt. Beide spielen für die Los Angeles Dodgers in der amerikanischen Major League Baseball. 

Ein Glück für die 05ER, aber auch für die japanische Nationalmannschaft, dass sich der Mittelfeldspieler damals für den Fußball entschied. Mit dem FSV ist Sano erfolgreich in die laufende Saison gestartet und glänzte mit zwei Torvorlagen in vier Spielen. In der aktuellen Länderspielpause steht der 25-Jährige, wie schon im Sommer bei der Weltmeisterschaft, im Aufgebot der Samurai Blue. Sein Ziel - eine solide Basis für die kommenden Jahre legen: "Die Lehren aus der Weltmeisterschaft gilt es jetzt Schritt für Schritt aufzuarbeiten. In den kommenden Testspielen wollen wir diesen Fortschritt als Mannschaft zeigen und bestätigen. Unser Ziel ist es, nachhaltig wieder eine starke Mannschaft aufzubauen, um im kommenden Jahr bei der Asienmeisterschaft und in vier Jahren bei der Weltmeisterschaft zu überzeugen."