Profis 04.05.2021 — 15:30 Uhr

Ein untypischer Auftritt

"Es hat was gefehlt", kritisierte der 05-Cheftrainer die Leistung seines Teams gegen Hertha BSC nach dem Seitenwechsel - Im Saisonendspurt erwartet Svensson ein anderes Gesicht seiner Profis

Ganz und gar nicht einverstanden zeigte sich Cheftrainer Svensson mit der Darbietung seiner Elf nach dem Seitenwechsel.

Am Ende konnte man auf Seiten der 05ER - gleiches galt im Übrigen für die Gäste nach ihrem Restart - mit der Punkteteilung leben. Den Abstand auf die Hertha gewahrt, einen weiteren Punkt auf dem Weg zum Klassenerhalt eingefahren, aber eben auch zwei Zähler liegen gelassen.

Zufriedenheit mit Zähler Nummer 35 wollte sich im Anschluss an das Remis gegen den Konkurrenten aus der Hauptstadt weder bei Bo Svensson noch bei seinen Schützlingen einstellen. "Gemischte Gefühle", so der Cheftrainer auf der Pressekonferenz nach der Partie, empfinde er mit Blick auf die beiden unterschiedlichen Halbzeiten des Kräftemessens, in dem sein Team zunächst eine klare Führung verpasst, später aber zu undiszipliniert aufgetreten sei. Untypisch für seine Mannschaft, fand der Däne.

Führung verpasst & nach dem Seitenwechsel nachgelassen

Es war gar nicht so sehr das Ergebnis, an dem sich der 41-Jährige im Anschluss an das Nachholspiel des 29. Spieltags störte, sondern vielmehr die Chancenverwertung ("In der Situation, in der Hertha ist, wäre eine Führung sehr wichtig gewesen.") in einer mutigen, dominant gestalteten Anfangsphase -  allen voran Jean-Paul Boëtius und Ádám Szalai hatten hier beste Gelegenheiten ausgelassen - sowie der Auftritt in weiten Teilen von Durchgang zwei.

"Wir haben gut angefangen, wollten viel Tempo reinbringen, waren sehr präsent, haben das Spiel in die Berliner Hälfte verlagert und uns Chancen erarbeitet. Wir waren 30 Minuten klar überlegen, da mussten wir in Führung gehen", analysierte Svensson. "Insgesamt haben wir aber Standards diesmal nicht so gut verteidigt", fügte er mit Blick auf das 0:1 durch Lucas Tousart hinzu.  "Dann haben wir ein schönes Tor zum 1:1 gemacht, es war wichtig, so zurück zu kommen. Aber nach der Halbzeit war Hertha besser. Wir können nicht zufrieden sein, mit dem, was wir da gezeigt haben. Es war keine disziplinierte Leistung. Das kenne ich von meiner Mannschaft normalerweise nicht." Die Folge: Ein mit Blick auf den Spielfilm letztlich leistungsgerechtes Remis.

Bundesliga-Tor-Premiere

Verdienter Lohn harter Arbeit: Mwenes montäglicher Sonntagsschuss sicherte seinem Team einen Punkt.

Die 05ER hatten es dem Gegner zu Beginn in der Tat schwer gemacht. Das druckvolle, dynamische Mainzer Spiel erleichterte es den Berlinern nach mehr als drei Wochen Spielpause nicht gerade, sich zu sortieren. Nach einer halben Stunde hätte es gut und gerne 2:0 oder gar 3:0 heißen können aus Sicht der Gastgeber. Ein Freistoß aus dem Halbfeld hatte dann in Minute 36 zur Hertha-Führung aus dem Nichts geführt. Das Traumtor von Phillipp Mwene, der seine Bundesliga-Tor-Premiere feiern durfte, nur vier Minuten später brachte den FSV zwar noch vor der Pause zurück ins Spiel, zur Leichtigkeit der Anfangsphase sollten die Rheinhessen aber nicht mehr zurückfinden nach dem Seitenwechsel.

Selbstkritischer Torschütze

Während der Trainer kritisierte, dass seine Mannschaft hier "zu viel quer gespielt und zu verhalten" agiert - so richtig schwungvoll wurde es selten - und gleichzeitig zu große Abstände gehabt habe, zeigte sich der Torschütze vor allem angesichts der ausgebliebenen Druckphase zum Ende der Partie enttäuscht: "In den letzten zehn, 15 Minuten hätten wir mehr Gas geben müssen, um Kapital daraus schlagen zu können, dass sie nicht auf demselben Fitnesslevel sein können wie wir. Das haben wir verpasst", sagte der Österreicher gegenüber 05ER.tv. mit Blick auf Schlussminuten, in denen Joker Krzysztof Piatek eine 2:1-Führung für die Berliner nur äußerst knapp verpasst hatte. Der früh für den Gelb-Rot-gefährdeten Stefan Bell eingewechselte Alexander Hack ergänzte, das man auf der ersten Hälfte aufbauen könne, bestätigte aber den Gesamteindruck, dass das Remis aufgrund der zweiten 45 Minuten "verdient" sei. "Die erste Halbzeit können wir mit in den Endspurt nehmen", so der Innenverteidiger, der Bell (5. Gelbe) im Rhein-Main-Derby bei Eintracht Frankfurt am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr) im Abwehrzentrum vertreten dürfte.

Glückwunsch Capitano!

Danny Latza kam gegen die Hertha zu seinem 150. Bundesliga-Einsatz für den FSV. (Quelle: https://twitter.com/1FSVMainz05/)

Dardai: Anfangsphase "überlebt"

Wir haben die Anfangsphase überlebt und uns danach stabilisiert", gab sich Gäste-Trainer Pal Dardai nach dem Punktgewinn zufrieden. "Wir haben uns reingebissen und uns das Unentschieden erarbeitet. Das ist ein guter Anfang", so der Ungar, der mit seinem Team bereits am Donnerstag wieder gegen den SC Freiburg ran muss und ebenfalls am Sonntag Arminia Bielefeld empfängt. Acht Zähler und zwei offene Partien trennen den Hauptstadt-Klub derzeit von den Mainzern, schon am Sonntagabend wird der Blick aufs Klassement damit an Aussagekraft im Tabellenkeller gewonnen haben.

Spiele gegen Top-Gegner, in denen wir uns besser präsentieren müssen

Die 05ER ihrerseits bleiben ihrer Philosophie treu, den Fokus komplett auf die eigenen Auftritte zu richten und aus den verbleibenden drei Begegnungen ein Maximum an Ertrag einzufahren. "Wir haben noch drei Spiele gegen Top-Gegner, in denen wir uns besser präsentieren müssen als in der zweiten Halbzeit", blickte Svensson schon am Montagabend voraus. Im Duell mit der Eintracht, dem BVB und zum Abschluss beim Gastspiel in Wolfsburg warten auf die 05ER ohne Zweifel andere Aufgaben, gleichfalls jedoch ganz sicher auch wieder andere Möglichkeiten. Die Rückrunden-Bilanz gegen die Top-Teams der Liga kann sich bekanntlich mehr als sehen lassen.

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