Vorberichte 24.09.2020 — 16:10 Uhr

"Geschehnisse sind nicht von jetzt auf gleich behoben"

Situation nach Trainingsausstand beeinflusst Vorbereitung auf das erste Heimspiel - 3400 Zuschauer gegen den VfB

Sportvorstand Rouven Schröder räumte ein, den Kommunikationsweg im Fall Szalai falsch eingeschätzt zu haben.

Für den 1. FSV Mainz 05 steht das erste Heimspiel der neuen Saison an. Die Partie am Samstag (15.30 Uhr) in der OPEL ARENA gegen den VfB Stuttgart ist nicht nur deshalb eine besondere. Zum ersten Mal seit Anfang März 2020 sind wieder Zuschauer zugelassen. 3400 Fans dürfen dabei sein und hoffen nach der Auftaktniederlage in Leipzig auf den ersten Heimsieg. Allerdings ist die Vorbereitung durch den Eklat um die Freistellung von Adam Szalai und das Fernbleiben der Mannschaft im Mittwochtraining massiv beeinträchtigt.

Rouven Schröder stellte in der Presskonferenz zwei Tage vor dem Anpfiff eine Erklärung über die aktuellen Entwicklungen voran. "Dass die Mannschaft nicht zum Training angetreten ist, ist eine sehr unangenehme Situation. Es ist definitiv eine Eskalationsstufe. Da müssen wir nichts beschönigen. Es ist aber passiert und damit müssen jetzt umgehen", sagte der Sportvorstand am Donnerstagmittag.

Unpopuläre Entscheidung

"Die Thematik Adam Szalai ist ein Grund dafür, dass die Mannschaft nicht raus ist. Mir ist es wichtig, zu sagen, dass das Thema Gehalt davon weggekoppelt werden muss und dass alleine sportliche Gründe in der Gesamtbewertung des Spielers dazu geführt haben, dass wir diese Entscheidung getroffen haben." Trainer und Sportvorstand, erklärte Schröder, hätten dem Kapitän der ungarischen Nationalmannschaft schon im Sommer mitgeteilt, dass es für Szalai schwierig werde, Einsatzzeiten zu bekommen. Im Hinblick auf die die kommende Europameisterschaft sei die Empfehlung an den Spieler rausgegangen, sich einen Verein zu suchen, in dem er mehr Einsatzzeit sammeln könne.

"Im Rahmen unserer Kaderplanung möchten wir anderen Spielern, wie den jungen Nachrückern, mehr Spielzeit geben", sagte der Sportvorstand unter anderem. Nach dem Ligastart sei noch einmal eine sportliche Bewertung des Kaders erfolgt und am Montag, zwei Wochen vor dem Ende der Transferzeit, Szalai erneut so kommuniziert worden. "Wir wussten, dass diese klare und konsequente Entscheidung definitiv eine unpopuläre ist. Wir müssen sagen, dass wir vielleicht den Kommunikationsweg in dem Fall falsch eingeschätzt haben. Dass sich die Dinge in einer emotionalen Weise so entwickelt und in einer geschlossen Gruppe wie der Mannschaft aufgeladen haben. Wir haben als Verein aber auch gemerkt, dass Druck, Härte Abstrafung am Mittwochabend nichts geholfen hätten. Wir haben gemerkt, der Konflikt ist da. Wichtig ist, dass wir direkt am Donnerstagmorgen die Dinge im persönlichen Gespräch aufgearbeitet, die Position des Vereins dargelegt und auch die Konsequenzen der Mannschaft mitgeteilt haben." Das geschah in einer Runde mit Schröder, Teammanager Darius Salbert und dem Mannschaftsrat. "Die Geschehnisse sind nicht von jetzt auf gleich behoben. Wir müssen weiter daran arbeiten, aber es ist der Wunsch der Mannschaft und des Vereins, sämtliche Dinge intern zu halten."

Pressekonferenz in voller Länge auf 05ER.tv

Als Solidargruppe beweisen

Die Verantwortung dem Verein gegenüber stehe aber nun ganz oben, sagte der Vorstand. "Am Samstag können wir uns als Solidargruppe beweisen, zeigen, was wir draufhaben und für wen wir spielen. Das ist klar verstanden worden. Das Team wird alles dran setzen, das Spiel für Mainz 05 zu gewinnen. Wir müssen Dinge verbessern, auch in der internen Kommunikation. Aber wichtig ist, dass wir jetzt eine klare Zielrichtung haben. Das ist unser erstes Heimspiel vor Zuschauern, da müssen und werden wir geschlossen auftreten", sagte Schröder.

Achim Beierlorzer erklärte, wenn man etwas Positives aus dieser Geschichte ziehen wolle, dann sicherlich den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und den Einsatz für ein Teammitglied. "Ich habe Verständnis dafür, dass eine Mannschaft zusammenhält und ein Statement abgibt. Kein Verständnis habe ich dafür, dass es in den Trainingsbereich reingeht, weil Training bedeutet: Leistung und Vorbereitung", sagte der 05-Trainer, der darin jedoch kein Zerwürfnis zwischen Trainer und Mannschaft erkennen kann.

Die 05-Profis bereiten sich nun seit Donnerstagnachmittag intensiv auf den VfB vor. Szalai trainiert ab jetzt mit der U23. "Wir haben einen Tag weniger Training, aber die wichtigen zwei Tage vor dem Spiel werden wir nutzen", sagte der Coach. "Wir haben zum ersten Mal seit langem in Mainz wieder Zuschauer. Der Fußball muss jetzt in den Vordergrund rücken und es muss begeisternd Fußball gespielt werden. Das wollen wir mit unseren Fans im Stadion erleben. Die Mannschaft hat ein Statement gesetzt, geht jetzt volle Kanne Richtung VfB-Partie, möchte sich gegen einen spielstarken Gegner durchsetzen und dieses Spiel gewinnen."

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