Profis 05.11.2019 — 15:30 Uhr

Entschuldigung? Am Samstag auf dem Platz!

Schwarz fordert eine Reaktion seiner Mannschaft auf das historische 0:8-Debakel: "Das ist der einzige Maßstab, um wirklich alle zufriedenstellen zu können"

Das 0:8 von Leipzig, die "historische Niederlage", wie Sandro Schwarz die höchste Bundesligaschlappe der 05ER nach dem ersten Training dieser Woche bezeichnete, hängt noch über dem Bruchweg fest, wie das Tiefdruckgebiet, das derzeit unser Wetter bestimmt. "Es fühlt sich immer noch schlecht an, was am Samstag abgelaufen ist. Das ist nicht in zwei, drei Tagen aus den Kleidern raus, denn es geht ins Peinliche und Beschämende, wie wir uns dort gerade ab der 25. Minute präsentiert haben."

Es habe zwei Tage länger gebraucht, um diesen Samstag zu verkraften, sagte der 05-Trainer am Dienstag in der obligatorischen Medienrunde. "Weil es brutal weh tut, wenn du so etwas über dich ergehen lässt. Du fährst nach Hause und schämst dich. Das tut jetzt noch weh, wenn du zum Training kommst und siehst in die Gesichter, auch in die Gesichter der Fans, die da stehen. Ich habe selbst ein schlechtes Gefühl, weil es in meiner Vorstellung nicht denkbar war, dass wir so unter die Räder kommen könnten."

Bevor jedoch die Frage aufkomme, ob sich Trainer und Mannschaft bei den Anhängern dafür entschuldigen müssten, sagte der 41-Jährige: "Unsere Entschuldigung wird nicht in Worten erfolgen, sondern mit Leistung auf dem Platz. Das ist der einzige Maßstab, um wirklich alle zufriedenstellen zu können. Das ist unsere Aufgabe am Samstag gegen Union Berlin. Und natürlich, eine Reaktion auf das zu zeigen, was wir in Leipzig nach dem zweiten Gegentor abgeliefert haben." Die Überzeugung, mit der das Team in dieser Saison schon Spiele bestritten habe, wie zuletzt in der OPEL ARENA gegen Köln, Schritt für Schritt bis Samstag wieder hinzubekommen. Bereitschaft, die fußballerischen Inhalte über ein ganzes Spiel mit Leben zu füllen, "das ist der Gradmesser".

Falscher Ansatz

Wie bewertet man nun eine solche Situation? Eine Möglichkeit scheide jedenfalls aus, sagte Schwarz. "Dass wir komplett alles in Frage stellen, alles in Schutt und Asche legen, jeden von uns und auch die Spieler öffentlich an die Wand nageln. Das ist komplett der falsche Ansatz." Vielmehr bleibe nichts anderes übrig, als die Partie rein inhaltlich zu bewerten und aufzuarbeiten. "Dass wir inhaltlich das Spiel katastrophal dargestellt, die Dinge, die wir besprochen und trainiert haben, nicht gemacht haben. Dass wir eine völlig andere Konsequenz an den Tag legen müssen. Dass wir die Dinge, die wir können, nicht so über den Haufen werfen."

Dienstagmorgen am Bruchweg

In der Videoanalyse vom Spieltag zeigte der 05-Trainer seinen Profis nur ein paar Sequenzen aus Leipzig, in denen die große Diskrepanz besonders deutlich geworden sei, zwischen dem, was vorher besprochen, taktisch erarbeitet worden war und dem, was der FSV ab der 25. Minute auf dem Platz veranstaltet hatte. "So etwas ist uns jetzt zum zweiten Mal passiert nach dem Bayern-Spiel. Zweimal gegen Mannschaften mit sehr hoher Qualität. Dass wir dann, wenn wir die Ergebnischance nicht mehr haben, die Dinge, die wir vorher abgesprochen haben, einfach nicht mehr machen."

"Es geht immer um das Wie"

Das habe nichts damit zu tun, dass der Mannschaft die Qualität fehle oder die Lernfähigkeit. "Sie verliert den Kopf in bestimmten Situationen und du denkst: 'Was veranstalten sie da?' Du siehst es an den Bildern. Jeder einzelne ist dann so mit sich selbst beschäftigt, dass es keine fließenden Abläufe in der Gruppe mehr gibt", sagte Schwarz. "Es geht immer um das Wie, unabhängig vom Gegner. Wenn das Wie nicht stimmt, hat das wenig mit dem zu tun, was wir auf dem Platz sehen wollen. Es geht darum, Verlässlichkeit abzurufen. Was ich auf dem Platz mache, muss ich 95 Minuten lang stur mit aller Konsequenz machen, stets klarbleiben und das tun, was vorher erarbeitet wurde."

Ihm sei durchaus bewusst, dass er dies schon mehrfach thematisiert habe. "Es ist jedoch ein Prozess, in dem wir uns bewegen. Wir müssen dranbleiben und gestärkt aus der Situation rauskommen", erklärte der 05-Coach. "Wir müssen jetzt gegen Berlin den Beweis antreten, wie man mit einer solchen Niederlage umgehen kann und umgehen muss."

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