Profis 17.02.2020 — 13:00 Uhr

"Die Stimmung fand ich genial"

05ER akzeptieren torloses Unentschieden trotz Chancen-Übergewicht im Fastnachtsheimspiel gegen Schalke 04 - Beierlorzer: "Genauso wollen wir weiter arbeiten"

Den einen Zähler gegen Schalke verdienten sich die in den vierfarbbunten Fastnachtstrikots aufgelaufenen 05-Profis um Eigengewächs Ridle Baku redlich.

22 Spieltage hat der 1. FSV Mainz 05 gebraucht, um sein erstes Unentschieden dieser Saison zu erzielen. Gegen Schalke 04 wäre im Fastnachtsheimspiel in der OPEL ARENA ein Sieg möglich gewesen, aber in der Nachspielzeit brauchte das Team von Achim Beierlorzer auch etwas Glück, um das 0:0 nach Hause zu bringen. "Es ist ein wichtiger Punktgewinn und ein Lernprozess, auch mit diesem Ergebnis zufrieden zu sein", kommentierte Rouven Schröder das Resultat. "Wir haben einen Zähler dazu gewonnen und jetzt einen Punkt mehr als aus den ersten vier Spielen der Hinrunde."

In der legendären Zweitligasaison 1995/96 hat Wolfgang Frank einst nach einem auf den ersten Blick enttäuschenden Remis zu Hause gegen den VfL Wolfsburg den Satz geprägt: "Wer weiß, für was dieser Punkt noch gut sein wird." Da waren die Mainzer Tabellenletzter. Sieben Spiele später feierten sie eine einzigartige Nichtabstiegs-Geschichte.

Fünf Punkte Vorsprung

Aktuell hätten sich die 05ER nach den Niederlagen der Konkurrenz im hinteren Tabellenbereich natürlich auch einen eigenen Sieg gewünscht, um den Abstand auf den Relegationsplatz auszubauen. "Wir wollten deshalb unbedingt punkten, eine kleine Serie starten. Vier Punkte Vorsprung sind gut, fünf sind besser, sieben wären am besten gewesen", sagte der 05-Trainer. "Wir hatten auch ganz klar die größeren Chancen, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen. Doch wir müssen das Unentschieden akzeptieren", so Beierlorzer in bester Frank-Tradition. "Wenn vorne nichts geht, spielen wir halt zu null. Wir stehen nun fünf Punkte vor dem Relegationsplatz. Genauso wollen wir weiter arbeiten."

Gäste-Coach David Wagner, früherer 05-Stürmer, stufte das Geschehen als ein sehr intensives Fußballspiel zweier defensiv gut organisierter Mannschaften, die sich beide relativ schwer getan hatten, Großchancen zu kreieren, ein. Sein Team habe sich die Punkteteilung spätestens mit der Großchance in der 91. Minute verdient. Da hatte die ansonsten extrem stabile 05-Abwehr ein einziges Mal in dieser Partie nicht aufgepasst und Weston McKennie eingeladen, den Siegtreffer für den Tabellensechsten zu erzielen.

"Von der Bank sah es gruselig aus, wie blank der da zum Kopfball kam", sagte der Sportvorstand, der sich wie alle an die 0:1-Niederlage gegen Leverkusen in der Nachspielzeit erinnert fühlte. Ansonsten aber fand auch Schröder, dass das Defensivkonzept seines Trainers sehr kompakt gewirkt habe. Die Mannschaft habe in dieser Beziehung große Fortschritte gemacht. "Sie ist verlässlich geworden, lässt ganz wenige Torchancen zu. Das ist ganz wichtig für die kommenden Spiele", sagte Beierlorzer. "Das liegt daran, dass die Spieler füreinander arbeiten, Wege gehen, Räume schließen, es dem Gegner wirklich schwer machen zu kombinieren. Schalke hat schon vieles versucht, um uns aus dem Konzept zu bringen, aber das Defensivkonzept hat super geklappt."

Die Stimmung fand ich genial

Dafür opfert der 52-Jährige bewusst Offensivspieler, potenzielle Stammspieler wie Jean-Paul Boëtius oder Jean-Philippe Mateta, der erst in der Schlussphase ins Spiel kam. "Es geht nicht um den Einzelnen, es geht nur um Mainz 05. Es gibt keinen Spieler der größer ist als das Kollektiv", sagte Beierlorzer. "Wir haben einen Stürmer und zwei Halbstürmer vorne drin, unser Zehner fehlt uns da momentan, aber es ist in dieser Phase für uns unheimlich wichtig, dass wir defensiv verlässlich sind. Weil das der Schlüssel ist, erfolgreich zu sein. Und es war ja auch nicht so, dass man sagen könnte, wir hatten keine Torchancen. Da waren schon einige da, deshalb hat dieses Konzept gepasst."

Die fünfte Jahreszeit prägte das Bild auf und abseits des Rasens

Danny Latza hatte vor der Pause die größte Möglichkeit, später dann zweimal Robin Quaison, einmal davon mit einem Schuss an die Latte. "Wir hatten da richtig Power, es wäre die geniale Nummer gewesen, wenn wir da das Tor hätten machen können", sagte der 05-Trainer. Bei den Schalkern hatte noch Michael Gregoritsch Aussichten auf Erfolg, doch Robin Zentner ahnte die Situation und versperrte den Weg. "Gar keine Torchance zulassen, ist schwierig gegen einen solchen Gegner", so Beierlorzer, der sich am Ende nochmal extra bei den 05-Anhängern bedankte. "Die Stimmung fand ich genial", erklärte der 05-Coach. Er habe vorher mit den Spielern intensiv über dieses Spiel mit den Fastnachtstrikots und allem Drumherum gesprochen. "Für Vereine, die damit nix am Hut haben, ist es ja schon was Komisches, wenn man auf einmal Ringelstrümpfe anzieht und ein bisschen Fastnacht zelebriert, aber unsere Fans haben uns nach vorne getrieben, wir haben uns super unterstützt gefühlt."

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