Verein 24.05.2019 — 10:30 Uhr

Den "Fürth-Fluch" bezwungen

Erfolg beim Angstgegner machte vor zehn Jahren den Weg zum souveränen Bundesliga-Aufstieg frei - Bo Svensson erinnert sich an Schlüssel-Highlight in Ingolstadt

Ein Meer in rot-weiß färbte die Mainzer Innenstadt nach dem zweiten Bundesliga-Aufstieg des FSV im Mai 2009.

Der 4:0-Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen an diesem 24. Mai 2009, also heute vor zehn Jahren, brachte den 1. FSV Mainz 05 dahin, wo der Klub noch immer und inzwischen längst zum festen Bestandteil geworden ist: in die Bundesliga. Nach zweijähriger Abstinenz und dem Ende der Ära Jürgen Klopp führte Jörn Andersen das Team als Tabellenzweiter zurück ans Ziel aller Träume. Dieser zweite Aufstieg war kein Nerven-Drama, wie die Geschichte fünf Jahre zuvor. Es fühlte sich einfach richtig an, spiegelte die Kräfteverhältnisse in der 2. Liga wider. Der unbändigen Freude über den Erfolg tat dies keinen Abbruch. Und gefeiert wurde natürlich auch nach allen Regeln der Mainzer Kunst.

"Die Mannschaft war schon sehr gut", erinnert sich Bo Svensson. Der damalige Innenverteidiger, heute erfolgreicher Trainer der U19 der 05er, fehlte wegen einer schweren Achillessehnenverletzung einen Großteil der Saison, griff erst in der Schlussphase ein.

Bo Svensson & Niko Bungert auf dem Theaterbalkon

"Es war eine überragende Saison von uns, das muss man so sagen. Wir waren ja auch im Halbfinale des DFB-Pokals und haben gegen Leverkusen erst in der Verlängerung verloren."

36 Punkte auswärts

Ein Team, das 63 Punkte holte, mit 62 Toren die meisten Treffer erzielte und mit 37 Gegentreffern an dritter Stelle der Liga in Sachen Defensive lag. Sagenhafte 36 Punkte holten die Mainzer auswärts. "Viele Spieler standen dann ja auch in der Bundeliga im Kader. Und wir haben sofort ziemlich souverän die Klasse gehalten", sagt Svensson heute rückblickend.

Showdown gegen Oberhausen

In der letzten Aufstiegssaison standen die 05er am vierten Spieltag das erste und letzte Mal nicht unter den ersten drei. Am 18. Spieltag holte sich der Sportclub Freiburg die Tabellenspitze und gab sie nicht mehr her. Die Mainzer stritten sich mit der der SpVgg Fürth und dem 1. FC Nürnberg um Platz zwei, den sie am 29. Spieltag endgültig übernahmen. Nach einem der denkwürdigsten und kuriosesten Auftritte überhaupt.

"…dass uns nichts mehr bremsen kann"

Der FC Ingolstadt ging nach 27 Minuten in Führung, die Nikolce Noveski nach Vorarbeit von Elkin Soto postwendend ausglich. Srdjan Baljak brachte die 05er nach der Pause in Führung, doch die die Bayern glichen aus und schossen sogar noch das 3:2. Wieder war es Baljak, der ausglich. Aristide Bancé machte mit dem 4:3 kurz vor dem Ende den Auswärtssieg klar. "Es gab aber noch das entscheidende und größte Highlight überhaupt", erzählt Svensson. "Beim Stand von 4:3 ist ein gegnerischer Stürmer durch, läuft alleine auf Dimo Wache zu, dribbelt vorbei und muss den Ball nur noch über die Linie bugsieren. Da kommt Zsolt Löw aus dem Nichts und grätscht das Ding weg. Eine unfassbare Rettungstat. Wir haben so gejubelt. Ich denke, das war schon ein Schlüssel. Diese Aktion war wie ein Symbol dafür, dass uns nichts mehr bremsen kann."

Fürth-Fluch bezwungen - 05er feiern am Ronhof

Auch nicht der Angstgegner. Am vorletzten Spieltag musste die Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Fürth. Dorthin, wo die 05er in zehn Zweitliga-Auftritten zuvor noch nie gewonnen, aber neunmal verloren hatten. Der Fürth-Fluch werde diesmal besiegt, versprach Andersen. Der norwegische Trainer sprach zwar sehr gut Deutsch, hatte aber mit den Umlauten und dem Wort Fluch seine Probleme. Bei ihm wurde aus dem Fürth-Fluch die oft zitierte "Furth-Flucht".

Torjäger auch im Finale treffsicher

Die Mainzer spielten stark auf. Markus Feulner und Soto sicherten den verdienten Erfolg. "Fürth war ein großer Sieg", erinnert sich Svensson. "Danach war die Euphorie riesig, weil es damit einigermaßen klar war, das wir aufsteigen würden. Im letzten Spiel gegen Oberhausen haben wir dann schon früh alles geregelt." Zweimal Baljak, zweimal Bancé. Die beiden Torjäger, die zusammen insgesamt 25 Treffer erzielten, waren auch im Finale zur Stelle. "Ich erinnere mich noch gut, wie es damals am Bruchweg war, welche Stimmung da war nach jedem geschossenen Tor. Das war ja hier immer so, aber an diesem Tag besonders", so der heutige U19-Trainer. Schon lange vor dem Abpfiff waren die begeisterten 05-Fans über die Zäune geklettert, fieberten dem Ende und dem Platzsturm entgegen. Schiri Manuel Gräfe hatte ein Einsehen, pfiff zeitig ab. Die Aufstiegsparty konnte beginnen.

Platzsturm & kein Halten mehr

"Ich hätte mir damals bei aller Freude und allen Erwartungen nie vorstellen können, dass wir jetzt 2019 hier sitzen und auf zehn Jahre Bundesliga zurückblicken", sagt Svensson. "Wir wurden doch immer nur als die kleinen Mainzer gesehen, die schön feiern, gute Stimmung und so ihre Besonderheiten haben, aber beim Kicken, da fehlte doch was im Vergleich zur Liga. Wenn du aber in diese zehn Jahre rein guckst, dann siehst du die Leistung, siehst wie wenig wir gegen den Abstieg gespielt haben. Das ist vielleicht eine noch größere Leistung. Heute sind wir soweit, dass wir stolz die Brust rausstrecken und sagen dürfen, wir sind ein gestandener Bundesligaverein. So sollten wir uns definieren..."

...und natürlich am heutigen Freitag ab 16.30 Uhr im Bruchwegstadion bei der großen Jubiläumsfeier dabei sein!

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