Profis 02.10.2019 — 11:20 Uhr

„Das ist für mich Wahnsinn“

In Paderborn gesperrter 05-Trainer kritisiert, dass er auch nach dem Abpfiff zunächst noch nicht zu seiner Mannschaft darf

Seit dieser Saison gibt es die Regel, dass auch Trainer nach einem Platzverweis gesperrt werden können. Ausgerechnet Sandro Schwarz ist derjenige, den es als ersten erwischt hat und der am Samstag in der Bundesliga die Premiere gibt: Der Trainer des 1. FSV Mainz 05 darf beim Auswärtsspiel in Paderborn keinen Kontakt zu seiner Mannschaft haben. Der 40-Jährige akzeptiert die Strafe, findet jedoch einen Teil des Procederes nicht in Ordnung, weil die Verhältnismäßigkeit nicht stimme.

Dass er beim 0:1 gegen den VfL Wolfsburg in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte von Schiedsrichter Dr. Felix Brych kassiert hat, kann Schwarz mit etwas Abstand nachvollziehen. „Meine Reaktion mit dem Klatschen war eins drüber“, sagt der 05-Coach, fügt jedoch hinzu: „Dennoch waren kuriose Entscheidungen dabei im Spiel, die zu dieser Emotionalität geführt haben.“ Die Folge: Schwarz ist in Paderborn gesperrt. Das bedeutet, dass er beim Auswärtsspiel 30 Minuten vor dem Anpfiff bis 30 Minuten nach dem Abpfiff keinerlei Kontakt mit seiner Mannschaft haben und auch nicht in den Innenraum des Stadions darf.

Jan-Moritz Lichte übernimmt

An den internen Abläufen ändert sich dadurch erst einmal nichts. Die 05er haben das besprochen. „Wir werden den gewohnten Ablauf haben. Es wird alles so sein wie immer bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir vom Hotel zum Stadion fahren.“ Der Cheftrainer macht vorher noch die Abschlussbesprechung im Hotel. Dann übernimmt Jan-Moritz Lichte den Laden. Der Co-Trainer ist an diesem Spieltag dann verantwortlich, gibt Interviews, spricht in der Pressekonferenz. Die kurze emotionale Einstimmung in der Kabine, bevor die Mannschaft auf den Platz geht, für die sonst Schwarz zuständig ist, muss diesmal jemand anderes übernehmen. 

Nach der Abschlussbesprechung im Hotel übernimmt Co-Trainer Jan-Moritz Lichte

„Wir haben ein sehr gutes Trainerteam, das ist komplett da, und ich kann mich zu 100 Prozent drauf verlassen. Außerdem ist vorher alles besprochen. Auch ob und wie wir Grundordnungen wechseln während des Spiels, eventuell auswechseln oder welche Strategiewechsel wir vornehmen“, erklärt Schwarz. Er werde das Spiel alleine in Ruhe verfolgen. „Wo, das müssen wir vor Ort noch rauskriegen. Zur Not auch vor dem Fernseher. Ich sitze jedoch nicht irgendwo auf den Rängen unter den Zuschauern“, sagt Schwarz, der mit der Strafe als solcher leben kann. „Damit müssen wir uns halt abfinden.“ Ein großes Problem hat der Coach dennoch mit der ganzen Geschichte: Dass er nach dem Schlusspfiff noch eine halbe Stunde warten muss, ehe er wieder Kontakt zu seinen Spielern aufnehmen darf.

30 Minuten Wartezeit

„Du hast deine Strafe abgesessen, indem du deinen Job nicht machen durftest. Dann pfeift der Schiri ab und du musst weitere 30 Minuten warten, bis du mit deinen Spielern sprechen darfst. Das ist einfach nicht korrekt. Das steht in keinem Verhältnis. Es fühlt sich ja schon fürchterlich an, nicht bei deinen Jungs zu sein. Je nach Spielverlauf oder Ergebnis musst du doch bei deinen Spielern sein, um sie entweder aufzurichten oder dich mit ihnen zu freuen. Das ist nicht okay“, kritisiert der 40-Jährige die Regel.

„Nehmen wir dagegen einen Spieler, der eine Rote Karte bekommen hat. Der kann acht Wochen gesperrt sein, der darf trotzdem bis fünf Minuten vor dem Anpfiff in der Kabine rumspringen, der darf nach dem Abpfiff auf den Platz, zu den Spielern, zu den Zuschauern. Der Trainer, der für das Ganze verantwortlich ist und ohnehin schon genug leidet, darf das nicht. Der muss auf die Uhr schauen und die Zeit runter zählen. Das ist nicht korrekt. Das ist für mich Wahnsinn“, sagte Schwarz. Das einzige, was die Qualen des Trainers mildern könnte, wäre ein Auswärtssieg seiner Mannschaft in dieser Partie.

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