Profis 17.09.2018 — 13:26 Uhr

"Das Gefühl ist einfach überragend"

Jonathan Burkardt (18) und Ahmet Gürleyen (19) feierten beim 2:1 gegen den FC Augsburg ein gelungenes Bundesliga-Debüt - Vier Spieler aus dem NLZ im 05-Team

Im Verlauf der Vorbereitung hatte Sandro Schwarz immer wieder betont, er werde "nullkommanull Probleme" damit haben, die drei Nachwuchsspieler, die seit diesem Sommer mit dem Profikader des 1. FSV Mainz 05 trainieren, auch einzusetzen. Zwei dieser Youngster schickte der Trainer nun bereits am dritten Spieltag ins Rennen: Jonathan Burkardt und Ahmet Gürleyen gaben beim 2:1-Erfolg gegen den FC Augsburg in der OPEL ARENA ihr Debüt in der ohnehin jüngsten Bundesligamannschaft der 05er aller Zeiten. In einem Team, in dem mit Florian Müller und Ridle Baku damit insgesamt vier Spieler aus der eigenen Jugend standen. "Es geht nicht darum, unserem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) etwas Gutes zu tun und diese Spieler mal reinzuwerfen. Die Jungs haben sich das erarbeitet. Und sie zahlen es zurück. Da ist nichts geschenkt, sondern die Jungs sind einfach gut", sagte Schwarz. 

Dass bei den 05ern eine Profi-Karriere überraschend und ungewöhnlich starten kann, zeigt der Werdegang von Ridle Baku, der bekanntlich im Abstiegskampf der Vorsaison auf einer Autobahn-Raststätte aus dem Bus der zweiten Mannschaft geholt worden war, mit seinen Toren entscheidenden Anteil am vorzeitigen Klassenverbleib hatte und inzwischen mit seinen 20 Jahren zu einem Leistungsträger in dieser Mannschaft gereift ist.

Ansage in der Halbzeit 

Ahmet Gürleyen absolvierte am Freitagabend zunächst 45 Minuten beim 4:1-Sieg der U23 gegen den SSV Ulm. "Ich habe in der Halbzeit dann die Ansage bekommen, ich solle mich umziehen und sofort ins Hotel der Profis fahren", berichtete der Innenverteidiger nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Weil sich Stefan Bell im Abschlusstraining eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, rückte Gürleyen in den Kader. "Wir haben zusammen gesessen, alle möglichen Varianten durchgespielt und haben uns dann entschieden, Ahmet im U23-Spiel zur Halbzeit auswechseln zu lassen", erzählte Schwarz. Als Niko Bungert in der 78. Minute nach einem Zusammenprall mit Martin Hinteregger verletzt raus musste, schlug die Stunde des 19-Jährigen. Und der hätte fast mit einem Konter dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt. "Wenn er noch das 3:1 gemacht hätte, weiß ich nicht, was hier los gewesen wäre", sagte Schwarz.

"Es wäre das Größte überhaupt gewesen, aber es war auch so ein perfekter Tag", erklärte Gürleyen. "Es ist unbeschreiblich. Ich habe so viele Gedanken gerade im Kopf und kann's noch gar nicht fassen. Ich habe nur damit gerechnet, dass ich auf der Bank bin und war die ganze Zeit aufgeregt. Nach den ersten Kontakten im Spiel hat es sich dann aber schnell normal angefühlt."

"Da ist noch Luft nach oben"

Jonny Burkhardt erfuhr am Spieltag beim Spaziergang im Volkspark von seiner Startelf-Nominierung. "Das Gefühl Bundesliga zu spielen, ist einfach überragend. Das ist was ganz Anderes als in der A-Jugend. Es ist wie im Rausch momentan", sagte der 18-Jährige. "Die Intensität hat mir am Ende aber doch zu schaffen gemacht. Ich hatte mehrere Krämpfe." Burkardt gestand, dass er ein wenig nervös gewesen sei. Dennoch gab der Offensivspieler ein überzeugendes Debüt. "Ich denke, ich habe es defensiv ganz gut gemacht, offensiv aber teilweise noch etwas zu hektisch gespielt, ein bisschen zu früh abgespielt, bin teilweise ein bisschen zu lange am Ball geblieben. Da ist noch Luft nach oben." Seinem Trainer imponierte aber vor allem der extreme Fleiß des Jüngsten im Team in der Arbeit gegen den Ball. "90 Minuten mit dieser Intensität auf der Außenbahn zu spielen gegen einen solchen Gegner, das ist erstmal das größte Lob überhaupt."

Für Schwarz war die Vorstellung gegen die starken Augsburger der letzte Beleg dafür, dass in diesem jungen Kader das Alter kein Kriterium ist. Jeder, der in dieser Gruppe trainiere, könne auch Bundesliga spielen. "Ich habe Jonny gesagt, du trainierst mit Bundesligaspielern und hast gute Aktionen. Es spricht nichts dagegen, im Spiel gegen bundesligaerfahrene Profis genauso deine Leistung abzurufen", erzählte Schwarz. "Also raus, durchziehen und dabei einfach Spaß haben. Ich sage den jungen Spielern, die zum ersten Mal Bundesliga spielen, es ist eine andere Atmosphäre, es sind mehr Zuschauer da, aber am Ende spielst du elf gegen elf. Du hast so lange darauf hingearbeitet, dass es bescheuert wäre, sich darüber Gedanken zu machen, wie es sein könnte."

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