Profis 01.07.2020 — 10:00 Uhr

"Dann muss er alles in Grund und Boden spielen"

Die Stärkung von Teamgeist und Kollektiv ist eine der Aufgaben in der neuen Saison - Verweildauer im Kader aktuell im Schnitt bei 4,4 Jahren

Appell des Sportvorstands: Partien wie in dieser Saison zweimal gegen Leipzig sollen sich künftig nicht mehr wiederholen beim FSV.

Es hat Anstöße von außen sowie aus dem Team selbst heraus gebraucht, damit sich in den vergangenen Wochen ein Kollektiv bildete, das im harten Abstiegskampf bestehen konnte. Spiele, in denen der 1. FSV Mainz 05 den Eindruck "einer Nicht-Mannschaft, die hoch verliert und Dinge über sich ergehen lässt, nach außen trug", wie Rouven Schröder sagte, sollen der Vergangenheit angehören. "Das ist ein Gesamtauftrag. Wir müssen da definitiv den Hebel ansetzen, aber das Gute ist, das wir das in der Bundesliga tun können."

In der heißen Phase dieses Saisonfinales war es der Kapitän, der sich als Gesicht des 05-Teams präsentierte. Danny Latza übernahm die Führungsrolle, auch auf dem Platz, zeigte zudem nach außen hin, dass er Verantwortung übernommen und die gesamte Gruppe mobilisiert hatte, die schließlich das Ticket für eine weitere Saison in der Erstklassigkeit löste. Danach gestand der 30-Jährige ein, dass sein Team über weite Strecken der Saison wenig Konstanz gehabt und als Mannschaft nicht so richtig zusammengefunden habe. Erst als es wirklich eng geworden war, "da hat man in den Spielen in Frankfurt, in Dortmund oder gegen Bremen gesehen, welche Einheit wir sein können, wie leidenschaftlich jeder für den anderen kämpft", sagte Latza.

Sensibles Thema

Der Sportvorstand hat den 05-Kapitän dafür gelobt. "Wichtig ist immer machen und vorleben. Für einen Kapitän ist es vorbildlich, solche Dinge nach innen und außen anzusprechen", sagte Schröder in der Abschluss-Medienrunde. "Wenn Spieler sich in der Öffentlichkeit äußern, man sei teilweise keine Mannschaft gewesen, dann ist das jedoch das sensibelste Thema, das du haben kannst. Dann ist das ein Problem. Noch mehr fuchst es einen dann, wenn man gesehen hat, was diese Mannschaft umsetzen kann, wenn sie nah beieinander ist und sie ist in den letzten Wochen nah beieinander gewesen."

Genau das müsse der Anspruch für die neue Saison sein, die Aufgabe, die Spieler am Rockzipfel zu packen. "Doch auch die Mannschaft selber darf es nicht laufen lassen, wenn sie etwas erkennt, was nicht stimmt." Möglichen Fehlentwicklungen, Grüppchenbildungen und ähnlichem frühzeitig entgegenwirken. Der Sportvorstand glaubt nicht daran, dass seine Profis bisweilen halbherzig ihre Arbeit verrichten, weil sie sich gedanklich mit anderen, größeren Klubs beschäftigen. "Wir haben eine hohe Identifikation in der Mannschaft, was den Verein betrifft", sagte Schröder und nannte Zahlen. "Wir haben aktuell eine Verweildauer im Kader von durchschnittlich 4,4 Jahren. Das ist Platz drei in der Bundesliga. In den letzten zehn Jahren lag die Verweildauer bei Mainz 05 im Schnitt bei 3,59 Jahren. Das zeigt uns doch, dass wir genügend Spieler im Kader haben, die auch eine Rolle spielen und dass es keine hohe Fluktuation in diesem Verein gibt, was die Bundesliga betrifft."

Dass sich ein Spieler mit guten Leistungen auch Gedanken über den nächsten Schritt mache, findet Schröder legitim. "Aber in der Zeit, in der er hier ist, hat er alles dafür zu tun, diesen Verein mit voller Überzeugung zu repräsentieren." Auf die Frage, ob es möglich sei, dass es Spieler gebe, die Mainz 05 als Provinz betrachteten, als reine Durchgangsstation, reagierte der 44-Jährige emotional.

Klare Message an alle

"Das kann nicht sein. Wir sind alles andere als Fußballprovinz. Wir sind ein gewachsener Standort, seit zwölf Jahren in der Bundesliga und spielen auf einem gewissen Niveau. Es muss sich jeder bewusst sein, was es heißt, bei einem gestandenen Bundesligisten unter Vertrag zu stehen. Der Spieler kann sagen, er sei für etwas Höheres berufen, dann aber muss er mit Leistung vorangehen und alles in Grund und Boden spielen. Das ist die klare Message an jeden Einzelnen", erklärte Schröder.

Wir werden der Mannschaft noch mehr Unterstützung gewähren

Der Trainer betonte, dass jeder Profi die Verpflichtung habe, sich zu integrieren und Verantwortung für die Mannschaft zu übernehmen. "Wir werden der Mannschaft noch mehr Unterstützung gewähren, ein Team zu werden, indem wir noch mehr Mechanismen einbauen, noch mehr direkten Dialog suchen", sagte Achim Beierlorzer. Angedacht sei, den Mannschaftsrat zu erweitern, neben den gewählten Mitgliedern auch Spieler zu benennen, die der sportlichen Führung wichtig seien in diesem Gremium. Auch darüber, einen Mentalcoach oder Psychologen einzubinden, werde nachgedacht. "Jeder hat jedoch die Aufgabe durch Training dafür zu sorgen, dass er sein Potenzial auch erreicht und für Mainz 05 einbringt."

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