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Profis 19.08.2026 - 10:45 Uhr

Krieschower Vereinslegende Hebler: "Heimscheißer und Dorfjunge"

Mit 37 Jahren steht der Rekordspieler des Mainzer Gegners in der ersten DFB-Pokalrunde vor dem Spiel seines Lebens

Hebler im Trikot des VfB Krieschow (Foto: IMAGO/Steffen Beyer).

Fünf Minuten braucht Andy Hebler normalerweise von seinem Wohnhaus bis zur Sportanlage des VfB Krieschow. Zum Training am Mittwoch reist der 37-Jährige allerdings ausnahmsweise mit dem Flugzeug an. Hebler befindet sich noch im Urlaub in der Türkei. "Wir haben zwei schulpflichtige Kinder und gehen beide arbeiten, da geht das nicht anders“, erzählt die Krieschower Vereinslegende von seinem neuntägigen Ferientrip mit der Familie. Einen Trainingsplan hat er auch mit dabei, damit er am Sonntag um 15:30 Uhr bereit ist für die erste Runde im DFB-Pokal. Das Aufeinandertreffen mit den Profis von Mainz 05 im heimischen Sportpark wird auch für Hebler, Kapitän, Rekordspieler und Identifikationsfigur des VfB, das größte Spiel seiner langen Karriere.

"Dass ich mein erstes Spiel im DFB-Pokal in meinem Alter noch erleben darf, ist nicht selbstverständlich“, gibt Hebler zu. Mit Energie Cottbus spielte er einst in der dritten Liga vor 30.000 Zuschauern bei Dynamo Dresden: "Das war natürlich auch besonders. Aber das Spiel am Sonntag zählt zu den Highlights, das kann mir dann keiner mehr nehmen. Den Punkt kann ich von der Bucketlist streichen“, sagt der 37-Jährige, der optimistisch ist, dass er gegen die 05ER auf dem Platz stehen wird.

"Fitness? Da war ich noch nie der Fleißigste“

Zusammen mit Alexander Bittroff, der ebenfalls 37 Jahre alt ist, und dem 36-jährigen Martin Zurawski bildet Hebler das erfahrene Trio der Krieschower. "Wir sind die Opas in der Mannschaft“, sagt er lachend. Er kennt den Verein in- und auswendig. Seit über zehn Jahren läuft er für den VfB auf, hat Spieler kommen und gehen gesehen und die Weiterentwicklung des Klubs bis zur Oberliga und dem Sieg im Landespokal mitgeprägt. Als Spielführer und Vereinslegende geht er vorneweg, auf und abseits des Platzes. Deutlich jünger sind seine Mitspieler größtenteils und holen sich gerne mal den ein oder anderen Tipp ab. "Ich bin auch ein zugänglicher Typ. Nur was das Thema Fitness angeht, hat sich noch keiner bei mir etwas abgucken können. Da war ich noch nie der Fleißigste.“

Wo das Tor steht, weiß Hebler aber nur zu gut. Seit 2016 gelangen ihm 284 Pflichtspieltreffer für Krieschow. Damit ist er nicht nur Rekordhalter in seinem Verein, sondern auch in der NOFV-Oberliga Süd und im Landespokal. Da können sich die jüngeren Stürmer noch das ein oder andere abschauen. "Sie gucken manchmal, wie der Dicke das gemacht hat“, erzählt der 1,80 Meter große Hebler lachend. Aber den Torriecher kann man nicht erlernen. "Ein spezielles Rezept gibt es nicht.“

Ein besonderer Moment für Kapitän Hebler: Mit dem 2:1-Sieg gegen Energie Cottbus im Brandenburger Landespokalfinale qualifizierte sich der VfB Krieschow erstmals für den DFB-Pokal (Foto: IMAGO/Creativ Sportpicture).

Völlig losgelöst vor dem Highlight-Spiel

Rund 500 Einwohner hat Krieschow, das 14 Kilometer von Cottbus entfernt im Landkreis Spree-Neiße liegt. Gegen einen Bundesligisten im DFB-Pokal anzutreten, ist für den ganzen Verein eine aufregende Erfahrung. "Das ist nicht greifbar“, beschreibt Hebler. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen dafür, dass organisatorisch alles läuft. "Gerade die alteingesessenen Vereinsmitglieder, die schon seit 50, 60 Jahren dabei sind, können gefühlt seit drei Wochen nicht mehr schlafen. Die sind völlig losgelöst, das ist gar nicht hoch genug zu bewerten.“ Auch bei den Spielern schwirrt das Spiel seit der Vorbereitung im Hinterkopf herum. Die Oberliga-Saison ist mit zwei Niederlagen nicht gut gestartet. Hebler ist froh, wenn die Wartezeit am Sonntag vorbei ist. "Und danach kehrt wieder ein bisschen der Alltag ein.“

Der "Alltag“ ist für ihn seine Heimat. Der "Spreewälder Junge“ schwärmt vom familiären Umfeld in Krieschow, das man so selten vorfinde. "Eine große Familie“, sagt Hebler, der stolz ist auf den Weg, den man beim VfB aus dem kleinen Dorf gegangen ist. Seit zehn Jahren ist Krieschow Oberligist, ein paar Mal war sogar die Regionalliga in Sichtweite. "Ich glaube, in den nächsten Jahren ist noch eine Menge möglich“, blickt der 37-Jährige optimistisch in die Zukunft. "Wenn die Knochen halten, ich noch helfen kann und meine Leistung bringe, kann das noch zwei, drei Jahre bei mir weitergehen.“

Zufrieden auf dem Dorf

Am Profifußball hat Hebler vor seinem Engagement in Krieschow mal zwei Saisons bei Energie Cottbus geschnuppert. Mit Holstein Kiel stieg er in die dritthöchste Spielklasse auf. Auch aufgrund von Verletzungen wurden es nicht mehr als fünf Einsätze in Liga drei. "Da wäre bestimmt mehr möglich gewesen. Aber ich bin kein Mensch, der Dingen nachtrauert. Ich weiß zu schätzen, was ich hatte und habe. Außerdem bin ich ein Heimscheißer und Dorfjunge. Ich habe eine gesunde Familie mit zwei glücklichen Kindern, kann mit meinen Kumpels zusammen sein und in meiner Heimat Fußball spielen. Ich bin sehr zufrieden, dass es so ist, wie es ist.“

Rekordtorschütze: Seit Januar 2016 hat Hebler (2. v. re.) 284 Pflichtspieltreffer für Krieschow erzielt (Foto: IMAGO/Creativ Sportpicture

Vorfreude auf die Duelle mit Bundesligaprofis

Und die Vorfreude auf das Highlight am Sonntag ist immens. Fünfte Liga gegen erste Liga, es ist klar, dass die 05ER der klare Favorit sind. "Wir stellen ihre Kabine auf 40 Grad und legen ein paar gammelige Bananen rein“, hatte Hebler kürzlich scherzhaft in einem Interview mit der 'Lausitzer Rundschau' gesagt. "Im Ernst, wir gehen es sportlich an. Mehr als eine ein- oder zweiprozentige Chance zu gewinnen, haben wir nicht, denke ich. Aber am Ende ist es Fußball, jeder kennt die Geschichten aus dem Pokal“, betont er. "Vielleicht sind wir mal mit dem Wunder dran. Aber grundsätzlich sind wir realistisch. Wir werden versuchen, mit unseren geringen Mitteln das Maximum herauszuholen. Ich freue mich vor allem auf die Duelle auf dem Platz“, sagt Hebler, der die Mainzer von außen als unaufgeregten Verein wahrnimmt. "Sie machen seriöse und gute Arbeit, haben eine Top-Mannschaft und kriegen jedes Jahr etwas auf die Platte.“

Mit 37 biegt Hebler langsam auf die Zielgerade seiner Karriere ein. Ob er sich ein Leben ohne Fußball vorstellen kann? "Ich persönlich nicht, aber meine Frau würde es begrüßen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. "Ich gehe ganz normal 40 Stunden in der Woche arbeiten, an drei Abenden zum Training und bin am Wochenende bei den Spielen. Haus, Familie und Kinder, das ist alles cool, aber wenn man das ein ganzes Leben lang macht, würde schon ein großer Teil fehlen. Deswegen wird der Weg auch nach der aktiven Karriere nicht zu Ende sein, denke ich. In welcher Form auch immer das dann sein wird, aber ich möchte dem Fußball erhalten bleiben.“ Eventuell bieten ihm die 'Alten Herren' des VfB Unterschlupf. Bei diesen hat er schon in der Sommerpause mitgespielt. "Das ist besser, als laufen zu gehen.“