Verein 26.10.2022 — 18:15 Uhr

Ergebnisse der Aufarbeitung der Vorfälle beim Spiel gegen Köln

Detaillierte Rekonstruktion und eine Einschätzung aus Sicht von Mainz 05

Mainz 05 hat in den vergangenen Tagen die Vorfälle beim Heimspiel am vergangenen Freitag gegen den 1. FC Köln aufgearbeitet. Nach Gesprächen mit dem Ordnungsdienst, Fanvertretern, Fanprojekt, der Polizei und unter Berücksichtigung von Zeugenaussagen lässt sich folgender Vorgang rekonstruieren, den wir im Sinne der bestmöglichen Aufklärung auch detailliert wiedergeben:

  • Kurz vor Ende der Partie kommt es zeitgleich zu mehreren Ereignissen im Bereich der Lotto-Rheinland-Pfalz-Tribüne, welche den Einsatz des Ordnungsdienstes erfordern.

22:11 Uhr: Im R-Block werden die Sanitäter in kurzer Folge vom Ordnungsdienst zu drei Einsätzen gerufen. Eine Frau muss nach einem Becherwurf aufgrund einer Platzwunde, zwei weitere Fans mit Kreislaufproblemen versorgt werden. Einer von ihnen wird mit einer Trage aus dem Block transportiert.

  • Aufgrund der Notfallversorgung der Fans entbrennt zwischen mehreren Fans im R-Block ein verbaler Streit darüber, ob der Support der aktiven Fanszene eingestellt werden solle oder nicht. Ordner und Fanbetreuung versuchen diesen Streit zu schlichten.

22:13 Uhr: Parallel zu den Geschehnissen im R-Block liefern sich zwei Fans im Zugangsbereich/Umlauf des Q-Blocks eine körperliche Auseinandersetzung, diese wird vom Ordnungsdienst unterbunden.

  • In der Einsatzzentrale des Ordnungsdienstes geht aufgrund dieser Auseinandersetzung der Notruf eines Ordners mit dem Verweis auf eine "Schlägerei mit Verletzten" im Bereich Block Q der Stehtribüne ein. Dieser Funk-Notruf und die damit verbundenen Informationen werden mit der Polizei in der Stadion-Einsatzzentrale ausgetauscht. Aufgrund der unklaren Tragweite der Auseinandersetzung entscheidet die Polizei eigenständig und ohne aktive Aufforderung durch den Ordnungsdienst, mit Einsatzkräften die Situation an der Lotto-Rheinland-Pfalz-Tribüne zu erkunden.

22:16 Uhr: Polizeikräfte begeben sich zum Bereich hinter der Lotto-Rheinland-Pfalz-Tribüne und betreten den Q-Block im Bereich des Mundloches. Ein Fanbeauftragter mit Unterstützung des Fanprojekts und des Ordnungsdienstes bewegen die Polizei nach kurzer Abstimmung zum Verlassen dieses Bereichs. Allerdings werden die Polizeikräfte bereits im Mundloch wahrgenommen und sehen sich beim Zurückweichen einer aggressiven Reaktion von Fans ausgesetzt.

22:18 Uhr: Auf der Tribüne (Block Q) kommt es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Fans im Bereich des Mundlochs, in die auch ein Ordner involviert wird. Der Konflikt wird von einem Fanbeauftragten beruhigt. Ursache war ein Fan, der Filmaufnahmen des Geschehens machte.

22:18 Uhr: Die Polizei registriert eine Schlägerei im Umlauf von Block R und greift ein.

22:19 Uhr: Etwa 25 – 30 Fans drängen aus dem Q-Block im Mundloch Richtung Polizei, die ihrerseits wieder den Bereich am Q-Block betritt. Eine Mülltonne, Absperrgitter und ein Pylon werden von Seiten der Fans Richtung Polizei geworfen. Diese setzt daraufhin Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

22:22 Uhr: Nach einer kurzen Auseinandersetzung wird die Situation durch eine Ordnerkette und den Rückzug der Polizei beruhigt.

  • In der Folge des Einsatzes von Pfefferspray werden etwa 15 Fans, überwiegend am Konflikt Unbeteiligte und auch einer der offiziellen Fanbeauftragten des Vereins, von Sanitätern medizinisch versorgt. Das Pfefferspray verteilt sich über die Luftbewegung über den Einsatzbereich hinaus und beeinträchtigt deutlich mehr Fans.

Die Einschätzung der Vorfälle aus Sicht des Vereins:

Auslöser für die Konflikte am Freitagabend war zunächst eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Fans. Im Zuge des Polizeieinsatzes kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Fans und von Fans gegenüber Polizei und Ordnungsdienst. Mainz 05 verurteilt jede Form von Gewalt aufs Schärfste. Dieses Verhalten ist nicht tolerabel und wird anhand des vorliegenden Videomaterials und von Zeugenaussagen verfolgt und ggf. mit Stadionverboten sanktioniert.

Am Freitagabend kam es in diesem Zusammenhang auch zu einer unglücklichen Verkettung mehrerer Ereignisse, welche die Situation für die beteiligten Sicherheitskräfte dramatischer wirken ließ, als sie sich tatsächlich darstellte. Die dynamische Einsatzlage und eine in den Nachgesprächen festgestellte mangelhafte Kommunikation im Rahmen der Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte untereinander verstärkten diesen Eindruck.

Der Einsatz der Polizei im Mundloch des Q-Blocks war aus Sicht des Vereins unnötig, weil es innerhalb des Blocks zu diesem Zeitpunkt keinen Anlass für einen Einsatz gab. Ordner, Fanbeauftragte sowie Fanprojekt vor Ort wurden aufgrund der fehlenden Kommunikation der Polizei über ihren Einsatz hiervon sogar überrascht. Der Einsatz der Polizei wirkte so nicht deeskalierend, sondern generierte einen eigenen, neuen Konflikt. Kritisch wird zudem der Einsatz von Pfefferspray in der Nähe des Zuschauerbereichs gesehen, dieser hatte Verletzungen von Unbeteiligten und eines Mitarbeiters zur Folge und das Potenzial, zu einer noch größeren Unruhe unter den unbeteiligten Zuschauern zu führen.

Bei den Heimspielen, insbesondere jenen mit höherem Zuschaueraufkommen, werden vom vereinseigenen Ordnungsdienst aus Gründen des Personalmangels auch zusätzlich Kräfte eines externen Dienstleisters eingesetzt. Dieser Umstand spielte bei den Geschehnissen am Freitagabend nach bisherigen Erkenntnissen keine Rolle. Grundsätzlich gilt hier: An den Ordnerpositionen werden sowohl eigene als auch externe Kräfte eingesetzt, um eine möglichst reibungslose Arbeit zu ermöglichen. Im Zuge des Qualitätsmanagements werden bei negativem Feedback auch Ordner ausgetauscht bzw. nicht mehr eingesetzt, diese Prüfung wird der Ordnungsdienst auf Basis der Ereignisse vom Freitag noch einmal intensivieren.

Verein, Polizei, Ordnungsdienst und Fanprojekt haben sich in gemeinsamen Sitzungen unmittelbar nach Spielende und zu Beginn der Woche kritisch mit den Geschehnissen auseinandergesetzt und werden die Erkenntnisse in die Sicherheitsplanungen für die künftigen Heimspiele einfließen lassen. Ausdrücklich wurde von der Polizeieinsatzleitung die Zusammenarbeit am Spieltag mit Fanbetreuung, Fanprojekt und Ordnungsdienst gelobt.

Fans können sich weiterhin an den Verein wenden

Wir bedauern, dass es zu diesen Vorfällen gekommen ist. Über die Fanbeauftragten, die Mailadresse [email protected] oder die Service-Hotline 06131/37550-0 können sich Fans diesbezüglich weiter an den Verein wenden.

Mainz 05 sieht die Vorfälle des vergangenen Spieltags vor dem Hintergrund des in den vergangenen Jahren konstruktiven Miteinanders als Einzelereignis und wendet sich gegen eine pauschale Verurteilung von Gruppen, die an diesem Konflikt beteiligt waren. Der Verein wird entsprechend positiv auf alle Gruppen einwirken, damit sich ein derartiges Ereignis nicht wiederholt und wir auch weiterhin gemeinsam positiv stimmungsvolle und sichere Heimspiele feiern können.

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