Verein 27.10.2026 - 15:00 Uhr
Vorstandsdialog: Kleiner Kreis, klare Kommunikation
Offener, kritischer, aber immer herzlicher Austausch am Montagabend in der MEWA ARENA

Der Verein intensiviert seine Kommunikation mit den Mitgliedern. Zu diesem Anlass hatte dieser zum Vorstandsdialog geladen, der am Montagabend in der MEWA ARENA Premiere feierte. Auch wenn nur wenige Mitglieder dem Angebot folgten, auf Augenhöhe und in lockerer Atmosphäre mit den drei Vereinsvorständen in den Austausch zu gehen, so erlebten die Anwesenden mehr als zwei erkenntnisreiche Stunden offener und ehrlicher Gespräche in der MEWA Lounge.
Zu den im Vorfeld über eine Umfrage unter den Mitgliedern ermittelten Themen wechselten sich Lob und Kritik ab. Mancher Fan gab den Vorstandsmitgliedern sehr konkrete Denkanstöße mit auf den Weg, wie beispielsweise die Schaffung weiterer Fahrradstellplätze hinter der Stehplatztribüne für aus Bretzenheim anreisende 05-Fans.
Satzungskommission macht den Anfang
Zu Beginn der Veranstaltung nahm neben Stefan Hofmann, Christian Heidel, Jochen Röttgermann sowie dem als Moderator durch den Abend führenden Mediendirektor Tobias Sparwasser auch Aufsichtsrat Dirk Wünschig als Mitglied der Satzungskommission auf dem Podium Platz. Im Rahmen der Ende November stattfindenden Mitgliederversammlung werden Vorstand und Aufsichtsrat gemeinsam Satzungsanträge stellen, über die der Verein bereits umfangreich informiert hatte. Der Vorstandsdialog wurde nun genutzt, um auf offene Fragen einzugehen.
Wünschig und Hofmann konkretisierten beispielsweise noch einmal die Vorstellungen zur avisierten Trennung von Vereins- und Vorstandsvorsitz. Die derzeitige Konstellation werde aus verschiedenen Gründen als problematisch bewertet, da der Vereinsvorsitzende als "Chef“ der übrigen Vorstandsmitglieder fungiere und Zuständigkeiten im wirtschaftlichen, wie im ideellen Bereich innehabe. Ziel sei es, durch eine Satzungsänderung ein gleichberechtigtes Miteinander von Vereinsvorsitzendem (zuständig grundsätzlich für den ideellen Bereich) und anderen Vorstandsmitgliedern mit klar abgegrenzten Zuständigkeiten zu schaffen. Künftig, so erläuterte Hofmann, solle die klare Trennung der Aufgabengebiete es jenen Vorständen einfacher machen, die den Verein operativ führen. Im gleichen Maße würde der ideelle Bereich des Vereins durch eine klare Zuschreibung gestärkt. "Aktuell hat man das Gefühl, hier und da zerrieben zu werden. Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir klare Verantwortlichkeiten verteilen“, so der 63-Jährige.
"Wie nutzen wir die Flächen rund ums Stadion noch besser?“
Im weiteren Verlauf des Abends drehten sich zahlreiche Fragen um das Stadionerlebnis inklusive der Anreise. Trotz Einigkeit darüber, dass nach wie vor Potenzial für Verbesserungen rund um die MEWA ARENA bestehe, waren sich alle Anwesenden einig, dass man, gerade im Ligavergleich, auf hohem Niveau Kritik übe. Hofmann erinnerte zudem daran, dass der FSV 2034 Eigentümer der Arena werden könne und über ganz andere Optionen verfügen werde: "Spätestens dann stehen wir natürlich in der Pflicht, zu überlegen: Wie bauen wir das Areal aus? Wie nutzen wir die Flächen rund ums Stadion noch besser?“
Besonders stolz dürfen Verein und Mitglieder gleichermaßen über die jüngste Entwicklung des Vereins in Bereichen wie Ticketing oder Merchandising sein, wo regelmäßig Rekordzahlen vermeldet werden können. Hinzu kommt die in den letzten Jahren wieder deutlich gestiegene Reisefreudigkeit. Alles deutlich Hinweise darauf, dass die Mainz-05-Familie wieder enger zusammengerückt, und unter dem Strich auch gewachsen ist. Dafür sprechen nicht zuletzt die Mitgliederzahlen (mittlerweile über 32.000). Röttgermann, verantwortlich für Marketing & Vertrieb, wollte diese Erfolge nicht sich selbst zuschreiben, sondern lobte vielmehr alle Mitarbeitenden, die zuletzt dazu beigetragen haben, diesen Weg zu ermöglichen.
Heidel von Frauen-Auftritt "beeindruckt" & spricht über Zielstellungen im Profi-Bereich
Als letzter Protagonist äußerte sich im letzten Themenblock "Sport“ dann Christian Heidel sowohl zur Frauenmannschaft des FSV im ersten Bundesliga-Jahr sowie zur Situation bei den Profis. Zunächst ging er dabei auf den Auftritt der 05-Damen bei der TSG Hoffenheim am Sonntag ein, der ihn "beeindruckt“ habe, wie er betonte, gleichzeitig aber klarmachte, dass der Verein in diesem Bereich vor großen Herausforderungen stehe: "Die Mannschaft hat letztes Jahr eine unglaubliche Runde gespielt, der Aufstieg war eigentlich nicht zu erwarten und hat uns ein stückweit überrascht. Wir haben schon viel bewegt, aber natürlich Nachholbedarf und machen auch noch Fehler, das ist logisch; weil wir einen Verein, eine gesamte Mannschaft von heute auf morgen übernommen haben. Dafür bitte ich um Verständnis. Sportlich sind wir nicht so weit weg vom Rest der Liga, wie es in der Tabelle aktuell wirkt“, so Heidel.
Deutlich besser da steht indes das Team von Urs Fischer, wenngleich es seit Monaten unter einer auch für die Verantwortlichen unerklärlichen Heimschwäche leidet, während auswärts ein Dreier nach dem anderen gefeiert wird. Trotz der unvergesslichen Europa-Reise in der vergangenen Saison und dem ordentlichen Auftakt ins laufende Spieljahr warnte Heidel, in altbekannter Manier, davor, "sich zu hohe Ziele zu setzen“. Die Erklärung liefert er gleich mit, mit Ambitionslosigkeit habe seine Aussage keinesfalls zu tun: "Wir werden immer versuchen, das Maximale aus einer Saison herauszuholen. Aber die Liga ist aktuell eng beisammen, du kannst schnell weiter nach oben oder nach unten rücken. Wir werden dabei immer den Spagat schaffen müssen, die richtige Mitte zwischen wirtschaftlicher und sportlicher Komponente zu finden. Das Wichtigste ist: Wir müssen stabil bleiben. Unsere Entwicklung ist sehr außergewöhnlich, und genau diese Stabilität zu wahren, ist ein lohnendes Ziel. Gleichzeitig wollen auch wir uns Schritt für Schritt weiter entwickeln“, verdeutlichte Heidel die nach wie vor verfolgte Philosophie auf allen Ebenen. Widersprechen mochte ihm im Anschluss an seine Ausführungen niemand.
