Das Bruchweg­stadion

Hier schlägt das Herz des Fußballsportvereins!

3. Liga im Bruchwegstadion

Kapazität: 13.508 Plätze (exklusive Nordtribüne), vollständig überdacht.

Heimbereich:
 A – E – Block: 3.114 Sitzplätze,
 P – S – Block 6.000 Stehplätze
Gästebereich: K + L – Block: 1.580 Plätze
Gästebereich erweitert: K + L + M + N + O – Block: 4.394 Plätze

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Historie

Zeige mir dein Stadion und ich sage dir, wer du bist. Über Jahrzehnte ließ sich diese Lebensweisheit problemlos auf den 1. FSV Mainz 05 übertragen. Das Bruchwegstadion war immer das Gesicht seines hier beheimateten Fußballvereins: lange Zeit ein marodes Nachkriegsrelikt, dann ein Provisorium und im vergangenen Jahrzehnt eine stimmungsvolle Blechkiste. Eine Schönheit war dieses Stadion nie, auch nicht wirklich bedeutsam in der deutschen Fußballgeschichte. Die in den vergangenen Jahren immer enger gewachsene emotionale Bindung der Mainzer an ihr Stadion orientierte sich aber niemals an diesen Kriterien.

Die Beziehung des 1. FSV Mainz 05 zu seinem Bruchwegstadion ist eine wechselhafte, zunächst ungewollte, die sich erst im letzten Jahrzehnt ihrer 74-jährigen Ehe zu einer liebevollen Liaison entwickelte. 1937 wurden die Nullfünfer auf das heutige Areal zwangsumgesiedelt, weil ihre Heimat am Fort Bingen einer Flackkaserne weichen musste. Am Bruchweg, dem heutigen Dr.-Martin-Luther-King-Weg, existierte seit 1929 eine Sportanlage mit einer nicht überdachten Tribüne und einer Aschebahn. Das erste Spiel der Nullfünfer hier ist nicht überliefert, das letzte wäre beinahe auch schnell gekommen. Der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren, der Platz war nach Kriegsende von Bombentrichtern durchsetzt, immerhin blieb die Tribüne fast unversehrt.

Erst 1949 konnten die Nullfünfer wieder am Bruchweg spielen. 1951 erhielt der Ascheplatz ein Oval aus Steinstufen, aufgeschüttet aus Kriegstrümmern. 1953 entstand der Rasenplatz, die Haupttribüne erhielt ein paar Jahre später ein Dach. Das Areal taugte indes kaum höheren Ansprüchen. Jahrzehnte verharrte das Bruchwegstadion in dieser Form. 1981 erhielt auch die Gegengerade ein Dach. Ein durchaus erheblicher Zuwachs an Komfort, auch wenn es den traditionell dort stehenden Mainzer Fans nicht wirklich den Blick auf das gesamte Spielfeld öffnete und sie fortan auch bei nasser Witterung zwang, den sich hier wüstenähnlich ausbreitenden Staub ihrer Ahnen einzuatmen. Aber wer brauchte schon Mitleid? In den achtziger Jahren verloren sich dort im Winter manchmal kaum 500 Unerschütterliche, die sich alle beim Namen kannten und per Handschlag begrüßten.

Auch die weiteren Fortschritte des Stadionbaus klingen aus heutiger Sicht possierlich. Zu Top-Spielen installierte der Verein immer mal wieder eine Zusatztribüne in der Südkurve. Die Tribüne kam und ging, die Installation der Anzeigetafel Anfang der 90er Jahre war dauerhaft. Die Leuchtkraft ihrer Glühbirnen erhellte so manchen trüben Zweitligakick. 1995 strahlte dann die erste Flutlichtanlage am Bruchweg als Synonym für einen Mindeststandard im Profifußball.

Zeige mir dein Stadion und ich sage dir, wer du bist? Eine graue Maus. „Die graueste unter den grauen“, sagt Manager Christian Heidel rückblickend. Ein Zweitligist zwar, aber einer, dem der Rückhalt in der Stadt und nach dem freiwilligen Rückzug aus der Zweitklassigkeit 1976 auch eine ganze Fangeneration fehlte. Das Bruchwegstadion verkörperte immer noch einen allzu spröden Charme und lockte nur leidensfähige Profis nach Mainz. Schimmel in den Kabinen, kratzige Badewannen zur Wassermassage, in denen jeder Spieler bei der Anwendung üble Schürfwunden an Gesäß und Beinen davontrug. Und darüber hinaus gab eben keine Annehmlichkeiten, die das Profidasein hätten versüßen können, keinen VIP-Raum, keine Kneipe, eben – nichts.

Der Wandel kam für Mainz 05 und das Bruchwegstadion mit dem sportlichen Erfolg. Oder sagen wir: dem erhofften Erfolg. 1997 erhielt das Stadion als Folge des Aufstiegskampfes zur Bundesliga ein dauerhaftes Provisorium in Gestalt von zwei Kopftribünen, welche dem Besucher endlich nicht mehr Fantasie abnötigten, es handele sich hier tatsächlich um ein Fußballstadion. Die Verlagerung der Fanszene von der Gegengeraden auf die neuen, noch heute genutzten Stehränge brachte den Nullfünfern und ihrer Szene auch neuen Zulauf.

Der zweite Ausbau erfolgte erneut in der Hoffnung auf den Bundesliga-Aufstieg. Die Nullfünfer verpassten diesen 2002 dramatisch. Die Pläne wurden modifiziert, Haupt- und Gegentribüne schrumpften aus Gründen der Kostenersparnis um einige Meter. Den frei gewordenen Raum füllten die Nullfünfer nach dem Aufstieg 2004 mit zwei Kuriositäten: Neben der Gegengerade entstanden Lärmschutzwände, um, aus Sicht der Anwohner, die Emotionen drinnen draußen zu halten. Außerdem offerierte der Verein seinen in das längst viel zu kleine Stadion drängenden Fans nun Sitzplätze auf provisorischen Tribünen ohne schützendes Dach, welche die Flutlichtmasten neben der Haupttribüne zärtlich umschließen und bei Wind und Wetter, besonders bei Gewittern, einen in der Bundesliga einmaligen Zusatzgenuss versprachen. So präsentierte sich das Bruchwegstadion: ungeeignet für Schönheitspreise, aber als ein organisch gewachsenes Stadion mit Flair, ein Abbild der stufenweisen Entwicklung des 1. FSV Mainz 05.

Es sind die Geschichten, die dem Bruchwegstadion Charakter verleihen. Als Konzentrat dieser emotionalen Momente dient hier der sportlich vielleicht wichtigste Tag der Vereinsgeschichte: Wer die Ohnmacht am 23. Mai 2004 unmittelbar nach dem 3:0 gegen Eintracht Trier gespürt hat, dieses atemlose Bangen um die Aufstiegschance der Nullfünfer, die Angst vor dem erneuten Scheitern in letzter Sekunde, das Schicksal in gegnerischen Händen, diese bis ins tiefste Innere greifende, sich fast zum körperlichen Schmerz wandelnde seelische Qual; und dann die explosionsartige Befreiung, den kollektiven Jubel, die enthemmten Jubelschreie, wer diesen Moment gefühlt hat, der jede Rationalität sprengte und den Sport als Mittel zur Unterhaltung beinahe grotesk überhöhte, der wird diese Bilder und den Ort des Erlebten nie vergessen. Alleine dieser eine Moment stellt das Bruchwegstadion im Geiste für jeden Zeugen unter Denkmalschutz.

Doch weil es diese Emotionen sind, die ein Stadion leben lassen, war mit dem Auszug aus dem Bruchwegstadion kein Endpunkt erreicht. Der Umzug in die Coface Arena bildet eine wichtige Etappe in der Vereinsgeschichte. Es sind dieselben Fans, die ihren Fußball nun im neuen Mainzer Stadion leben. Am Bruchweg schlägt jedoch weiterhin das Herz des Vereins. Die Coface Arena rückt nur an den Heimspieltagen in den Mittelpunkt des Interesses. Ansonsten fühlen sich die Profis im Bruchwegstadion zu Hause. Die Infrastruktur im und um das Bruchwegstadion wird im täglichen Trainingsbetrieb genutzt. An den Wochenenden tragen die U23 ihre Regionalliga- und die U19 ihre Bundesliga-Spiele hier aus.

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