Profis 28.11.2019 — 18:00 Uhr

Versetzt, gezweifelt & voll überzeugt

Edimilson Fernandes agierte gegen Hoffenheim in ungewohnter Rolle und überraschte sich dabei selbst - Im Rhen-Main-Duell gegen seinen Cousin Gelson will er den Auftritt mit dem gesamten Team bestätigen

Viel geredet habe der Trainer mit ihm, sagt Edimilson. Auch unmittelbar nach dem Abpfiff in Hoffenheim.

Besonders wird das Duell mit Eintracht Frankfurt am Montagabend in der OPEL ARENA für Edimilson Fernandes nicht nur wegen des Derby-Charakters der Partie. Der Sommerneuzugang der 05ER trifft unter den Augen der Familie schließlich auch erstmals in seiner Karriere in einem Pflichtspiel auf seinen Cousin Gelson. Die Position, auf der er dabei auflaufen könnte, dürfte dem 23-Jährigen indes bereits weniger ungewohnt vorkommen.

Über die Grundordnung des FSV im Auswärtsspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim am vergangenen Sonntag lieferte selbst der Blick auf den Aufstellungsbogen vor dem Anpfiff keinen finalen Aufschluss. Lange wurde gerätselt, wie der neue Cheftrainer Achim Beierlorzer sein Team bei seinem Debüt an der Seitenlinie ins Rennen schicken würde. An Edimilson als zentrales Mitglied der defensiven Dreierkette, flankiert von Jeremiah St. Juste und Kapitän Moussa Niakhaté, hatten letztlich die wenigsten geglaubt. 90 Minuten später aber hatte sich der Schachzug als goldrichtig erwiesen, als eines der entscheidenden Puzzleteile auf dem Weg zum furiosen 5:1-Erfolg der 05ER in Unterzahl im Kraichgau.

Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen

Beim zweiten Auswärtssieg der Saison brachte es der Schweizer Nationalspieler in ungewohnte Rolle auf eine für einen Defensivmann beeindruckende Zweikampfquote von 71 Prozent und wartete zudem mit einer Passquote von 95 Prozent auf. Eine Entwicklung, auf die Edimilson selbst wohl allenfalls gehofft hatte wenige Tage zuvor, denn völlig überraschend hatte der Trainer ihn mit seinen Gedankenspielen konfrontiert: "Ein paar Tage vor dem Spiel hat er mit mir gesprochen. Als er mir von seiner Idee erzählt hat, mich hinten aufzustellen, war meine erste Reaktion: 'Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, aber du bist der Trainer.' Wir haben uns dann intensiv vorbereitet und es hat tatsächlich funktioniert", sagt der Allrounder, der in seiner bisherigen Karriere im Mittelfeld fast jede Position besetzt hat, für den die Abwehr allerdings Neuland war. Nun also die nächste Versetzung. Und der Lerneffekt sollte schnell einsetzen: "Ich bin letztlich mit einem guten Gefühl auf den Rasen gegangen, war bestens vorbereitet und hatte neben Jeremiah und Moussa ein gutes Gefühl", so sagt er über diesen ersten Dienst an ungewohnter Front.

Starker Auftritt -  Lob vom Trainer & den Kollegen

Zweifel beseitigt

Vier Tage nach seinem unverhofften Positionsdebüt sprach Edimilson darüber hinaus über die unterschiedlichen Anforderungen, die die Position in der Abwehr gegenüber der im Mittelfeld mit sich bringe. Das Spiel vor sich zu haben und initial verantwortlich zu sein für den Spielaufbau bedeute natürlich ein hohes Maß an Verantwortung. "Da hat der Trainer wohl meine Stärken gesehen und mir zudem genau erklärt, wie ich zu verschieben habe. Als Innenverteidiger wirst du letztlich seltener unter Druck gesetzt, musst das Spiel einfach mehr und genauer lesen", sagte er nach seiner Premiere auf einer Position, auf der er sich vorstellen kann, sich auch in Zukunft wohl zu fühlen. Entscheiden jedoch müsse das natürlich, wie auch sonst, Trainer Beierlorzer, der ihm bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff bei der TSG positives Feedback gegeben hatte. "Er hat gesagt, dass er zufrieden war und, dass das Spiel allen gezeigt hat, dass ich diese Position spielen kann." Letzte Zweifel an seiner Befähigung wichen in diesem Moment wohl auch bei dem Spieler selbst.

Qualität, um Frankfurt weh zu tun

Nun aber, so Edimilson, dürfe der Erfolg von Hoffenheim mit all seinen Begleiterscheinungen ohnehin keine Rolle mehr spielen. Es gelte, sich intensiv mit der am kommenden Montag wartenden Herausforderung auseinanderzusetzen, wenn die Eintracht zum Rhein-Main-Duell in der OPEL ARENA gastiert. "Das wird ein großes Spiel für uns in toller Atmosphäre. Frankfurt ist meiner Meinung nach qualitativ noch höher anzusiedeln als Hoffenheim. Es ist dennoch einiges möglich für uns am Montag, wenn wir unsere Leistung bestätigen. Im Derby wird es wichtig sein, die Ruhe im Kopf zu bewahren. Wir haben die nötige fußballerische Qualität, um Frankfurt weh zu tun und sie unter Druck zu setzen", ist der Schweizer EM-Teilnehmer optimistisch, beim ersten direkten Aufeinandertreffen mit seinem Cousin als Sieger vom Platz gehen zu können. Vor Ort werden dann im Übrigen auch zwölf Familienmitglieder der Beiden sein, mitfiebern und sich selbst ein Bild davonmachen, welcher der Beiden den besseren Tag erwischt hat.

...der Spieler, der ich sein möchte

Wenn es nach Edimilson geht, kann es darauf nur eine Antwort geben. Man habe als Mannschaft ohne Zweifel Selbstvertrauen tanken können durch den Sieg in Hoffenheim. Vertrauen, das der 05-Profi immer mehr auch in sich selbst verspürt, nachdem er, wie er offen sagt, zunächst Schwierigkeiten hatte, sich an die neue Liga und andere Prinzipien zu gewöhnen. "Jetzt bin ich der Spieler, der ich sein möchte", so Edimilson. Mit der Kombination aus diesem Selbstbewusstsein und einem ebenso stabilen Auftritt im Derby möchte der Schweizer auch gegen die Eintracht seinen Beitrag leisten für einen erfolgreichen Auftritt des FSV. Das nächste Lob des Trainers dürfte in diesem Fall nicht lange auf sich warten lassen.

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