Profis 21.08.2022 — 14:05 Uhr

Freude über den zweiten Auswärtssieg: "Also können wir es doch"

Der FSV verdient sich das lange ersehnte Erfolgserlebnis beim FC Augsburg

Dank für die Unterstützung der mitgereisten Fans und Freude über den ersten Auswärtssieg in Augsburg seit 2016.

Bo Svensson stieß seine rechte Faust in den regnerischen Himmel über Augsburg und vollführte ein Tänzchen. Seine Spieler stürmten in die Kurve der WWK Arena, in der die mitgereisten 05-Fans vor Freude tobten. Robin Zentner sprintete über den ganzen Platz, um teilzuhaben an dieser spontanen Jubelarie in der dritten Minute der Nachspielzeit, in der Jae-Sung Lee gerade mit einem unhaltbaren Kopfballtor den 2:1-Siegtreffer seiner Mannschaft erzielt hatte. Der jahrelang aufgestaute Mainzer Frust entlud sich in pure Freude.

Nach sechs Niederlagen hintereinander in Meisterschaft und Pokal gelang dem 1. FSV Mainz 05 erstmals nach sechs Jahren wieder ein Erfolgserlebnis beim FC Augsburg. Dieser 2:1-Sieg durch die Tore von Lee und Karim Onisiwo bescherte den Rheinhessen den besten Saisonstart seit vier Jahren. "Ein Riesenkompliment an die Mannschaft. Das war eine richtig gute Team-Leistung", lobte der Sportdirektor den Auftritt der 05-Profis. "Mit Dominanz im Ballbesitz, aber vor allen Dingen auch mit der Mentalität gewinnen zu wollen. Und das ist etwas sehr Wichtiges, was wir in der vergangenen Saison auswärts haben vermissen lassen. Saisonübergreifend haben wir nun drei Auswärtssiege am Stück geholt. Also können wir es doch", sagte Martin Schmidt.

Die PK mit Bo Svensson

Der Wille, dieses Spiel zu gewinnen, hat sich über die gesamte Woche aufgebaut

"Wir hatten sicher auch das Quäntchen Glück. Ich glaube aber, dass es übers ganze Spiel gesehen, gerechtfertigt war und dass die drei Punkte verdient sind, obwohl es ein sehr hart umkämpftes Spiel war. Wir haben gesagt, dieses Jahr wollen wir es drehen und endlich wieder einen Sieg holen. Das haben wir geschafft", so Schmidt. "Ich glaube, dass wir über 90 Minuten williger, aggressiver und gieriger waren. Das hat man vor allem in der letzten halben Stunde gesehen. Da hatten wir eine sehr dominante Spielanlage und kamen immer wieder gut in den Augsburger Strafraum. Die offensiven Wechsel von Bo haben dazu geführt, dass wir das Spiel gewonnen haben. Der Wille, dieses Spiel zu gewinnen, hat sich über die gesamte Woche aufgebaut und ist dann heute in der 93. Minute rausgekommen", erklärte der Schweizer.

"Es war eine sehr ausgeglichene erste Halbzeit mit insgesamt nur zwei Torchancen, die beide genutzt wurden“, sagte Svensson. "In der zweiten Halbzeit waren wir besser, haben uns mehr Chancen erspielt, das Spiel fand meistens in der Augsburger Hälfte statt. Dass wir am Ende noch so das Tor machen, ist ein bisschen glücklich, aber ich fand, dass wir es durch unsere Leistung in der zweiten Hälfte verdient hatten, heute hier zu gewinnen", so der Mainzer Cheftrainer.

Anfangs nicht in der Balleroberung

Die 24.000 Zuschauer sahen zunächst eine zähe Partie zweier Mannschaften, die sich mit ihrer taktischen Herangehensweise und mit ihrer Art zu spielen weitgehend neutralisierten. Ähnlich wie vor einer Woche beim 0:0 der Mainzer zu Hause gegen Union Berlin. Svenssons hielt die Gastgeber vom eigenen Tor fern, schaffte es aber selten, im Spiel nach vorne Akzente zu setzen. "Anfangs kamen wir nicht in die Balleroberung hinein und somit hatte das Spiel wenig Bewegung“, sagte Schmidt. So entwickelte sich ein gnadenloser Abnutzungskampf mit wenig Spielfluss, in dem keiner einen Ball verloren gab, beide Seiten um jeden Zentimeter Raum fighteten.

Erst mit Onisiwos Führungstreffer änderte sich die Partie. Robin Zentner schlug den Ball weit nach vorne, weil FCA-Innenverteidiger Gouweleeuw von hinten am 05-stürmer zog, sprang dem Österreicher der Ball an den angelegten rechten Arm und von dort zu Angelo Fulgini, der einen überragenden Pass durch die Schnittstelle spielte. Onisiwo ging konsequent hinterher und erzielte mit seinem dritten Saisontor die Führung. Schiedsrichter Sascha Stegemann überprüfte das Ganze am Monitor und gab den Treffer. "Das Tor haben wir genauso trainiert“, sagte der Torschütze. Lange freuen durften sich die 05er darüber jedoch nicht, denn fast im Gegenzug  verlagerte der FCA aus der Mitte heraus schnell über den linken Flügel, Demirovic verlängerte im Zentrum mit der Hacke ein Zuspiel von Iago zum 1:1. "Da waren wir nicht wachsam genug, das darf uns nicht passieren. Da müssen wir abgeklärter sein, wenn wir in Führung gehen", sagte Onisiwo.

Bo Svensson sah eine gute zweite Hälfte seines Teams, das sich den Sieg am Ende verdient hatte.

Rekord endet nach neun Jahren

Nach der Pause schienen die Augsburger zunächst stärker zu werden, doch die Gäste zeigten eine Haltung, die sie in der vergangenen Saison auswärts so nicht oft hatten. Sie  gingen in jeden einzelnen dieser knallharten Zweikämpfe, sie nahmen die "eklige Spielweise beider Mannschaften", wie Torschütze Demirovic die bissigen Aktionen bezeichnete, an und zeigten, dass sie diese Partie gewinnen wollten. "Wir haben das Spiel in die Hand genommen. Die letzte halbe Stunde waren wir dominant, haben gut gespielt“, betonte der Sportdirektor. Und im Gegensatz zu den Gastgebern erspielten sich die 05ER auch Torchancen.  Die größte davon war der Foulelfmeter den Jonathan Burkardt in der der 60. Minute herausholte. Der Stürmer drehte sich nach einem Konter im Strafraum um Carlos Gruezo, zog nach innen und ging am Fuß getroffen zu Boden. Der Videoassistent hatte keine Einwände gegen die Strafstoßentscheidung.

Es war dann Aarón, der eine weitere Serie beendete. FCA-Torwart Rafael Gikiewicz parierte den Schuss des Spaniers und sorgte dafür, dass der Mainzer Elfmeterrekord nach neun Jahren und 36 verwandelten Strafstößen keine Fortsetzung fand. Verkraftbar, angesichts von Lees Kopfballtor zum Auswärtssieg in der Nachspielzeit, der durch eine schnell und kurz ausgeführte Ecke von Delano Burgzorg und eine präzise Aarón-Flanke entstanden war. Lee nutzte die Überraschung in der unsortierten FCA-Abwehr mit seinem Kopfball-Aufsetzer ins lange Eck aus.

Familienspieltag gegen Leverkusen

"Dass wir das Spiel in letzter Sekunde entscheiden, ist natürlich super. Wir haben mit sieben Punkten einen guten Start hingelegt. Wir müssen auf dem Boden bleiben, aber können uns über das freuen, was wir erreicht haben“, betonte Onisiwo. Und Alexander Hack ergänzte: "Es tut gut, hier gewonnen zu haben. Die ersten drei Spiele waren intensiv, keine fußballerischen Leckerbissen. Jetzt heißt es für uns, gegen Leverkusen wieder mit voller Leidenschaft dagegenzuhalten, um zu Hause zu punkten.“

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Am Samstag (15.30 Uhr, live auf SKY und 05ER.fm) kommt der Champions-League-Teilnehmer, der einen klassischen Saison-Fehlstart hingelegt hat, zum Familienspieltag in die MEWA ARENA.

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