Profis 18.03.2021 — 13:00 Uhr

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die Chemie stimmt: Babak Keyhanfar und Patrick Kaniuth sind als Co-Trainer die engsten Mitarbeiter von Bo Svensson

Auf der Bank gehen beide voll mit: Babak Keyhanfar (mi.) und Patrick Kaniuth (re.) beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach

Eine Sache schätzen Babak Keyhanfar und Patrick Kaniuth im täglichen Umgang mit ihrem Chef besonders: die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Im Trainerteam des 1. FSV Mainz 05 bilden beide ein Co-Trainer-Duo und unterstützen Bo Svensson am Spieltag und unter der Woche in allen Prozessen. Zwischen den Coaches, die sich bereits aus Zeiten im Nachwuchsleistungszentrum der 05ER kennen, stimmt die Chemie: "Es macht viel Spaß, unter ihm zu arbeiten", sagt Keyhanfar und Kaniuth ergänzt: "Bo ist ein sehr nahbarer Mensch, das zeichnet ihn aus. Es ist eine offene Zusammenarbeit, sehr transparent, auch mal kritisch, aber immer konstruktiv."

Keyhanfar, der gebürtiger Mainzer ist und seine ersten Erfahrungen auf der Trainerbank beim Mainzer Vorortverein SV Gonsenheim sammelte, bildete zuvor schon in der Mainzer U19 und beim FC Liefering ein Team mit dem Dänen. In Salzburg bildeten die beiden Trainer, deren Familien weiter in Mainz wohnen blieben eine Fahrgemeinschaft und pendelten regelmäßig zusammen zwischen Österreich und Mainz. „Deshalb sind wir sehr gut eingespielt, es hat sich auch privat eine Freundschaft entwickelt.“ Im NLZ am Bruchweg traf auch Kaniuth erstmals auf seinen heutigen Chef. Der gebürtige Bielefelder fing während seines Studiums in Frankfurt beim dortigen FSV als Nachwuchs-Trainer an und betreute ab 2016 in Mainz die Teams von U14 bis U16, bevor er im November 2020 zu den Profis kam. "Dadurch schätzt man sich."

Bo ist jemand, der die Stärken jedes einzelnen Mitarbeiters herausholt und auch zulässt

Die Zusammenarbeit gestaltet sich aber nicht nur auf menschlicher, sondern auch auf fachlicher Ebene vertrauensvoll. "Bo ist jemand, der die Stärken jedes einzelnen Mitarbeiters herausholt und auch zulässt“, erklärt Keyhanfar die Herangehensweise des Mainzer Cheftrainers. Jeder soll sich in der täglichen Arbeit einbringen, sei es bei der Organisation und Durchführung der Trainingseinheiten unter der Woche, oder bei den Spielen, bei denen beide auf der Bank sitzen und im ständigen Austausch mit Svensson sind. Kaniuth kommuniziert über ein Headset mit den Videoanalysten, Keyhanfar befindet sich überwiegend im Austausch mit Svensson – auf und vor der Bank - während der 90 Minuten. "Wir versuchen Bo mit unseren Infos inhaltlich zu unterstütze", sagt der 35-Jährige.

Während der 90 Minuten im ständigen Austausch: Bo Svensson und Babak Keyhanfar.

Spezialgebiete und der direkte Draht

Gleichzeitig bearbeitet jeder auch unter der Woche sein inhaltliches Spezialgebiet. Bei Kaniuth sind es beispielsweise die Standardsituationen in Offensive und Defensive, denen er sich widmet und bei denen sich die 05ER vor allem defensiv stabilisiert haben. "In der Zuteilung fühlen sich die Jungs sicher", sagt der 36-Jährige. In der Offensive fehle aber noch manchmal "die letzte Wucht". "Das dreht sich bei Standards aber nicht von heute auf morgen." Im Training laufe das vor allem über Wiederholungen. Keyhanfar schaut unter anderem danach, wie sich das Team im letzten Drittel mit Ball verbessern kann, "ohne, dass sich dabei die Arbeit gegen den Ball verschlechtert."

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist für die beiden Co-Trainer der direkte Draht und Umgang mit den Spielern der 05ER. In Einzelanalysen kommen sie mit diesen regelmäßig in den Austausch. "Es geht einerseits um technisch-taktische Dinge, aber vor allem darum, nah dran zu sein am Menschen und Spieler", betont Kaniuth. Auch Keyhanfar sieht das als eine der Hauptaufgaben an. "Gerade als Co-Trainer sollte man den Jungs auf Augenhöhe begegnen. In einem funktionierenden Team sollte es auch immer unsere Aufgabe sein, viele Einzelgespräche zu führen, auch auf Befindlichkeiten ein Stück weit einzugehen. Ich sehe das auch als eine meiner Stärken an."

Bei Spielen sitzen beide auf der Bank. Patrick Kaniuth (mi.) hält per Headset mit den Kontakt mit den Videoanalysten auf der Tribüne.

"Wir wollen Leben in der Mannschaft und im Team um das Team haben"

Bekannt ist Keyhanfar auch dafür, an der Seitenlinie emotional mitzugehen. Der Chef lasse das zu, sagt der gebürtige Mainzer. "Wir ergänzen uns da auch in unserer Art und Weise. Bo kann auch laut und emotional sein. Ich lebe das vielleicht noch ein bisschen deutlicher aus." Auch für die Spieler sei das immer ein Zeichen, wenn die komplette Bank mitgehe. "Alle sind voll dabei und geben Vollgas", sagt Kaniuth. "Wir wollen Leben in der Mannschaft und im Team um das Team haben."

Nur eine wichtige Voraussetzung für die letzten Partien dieser Saison, in denen möglichst der Abstieg abgewendet werden soll. Der eingeschlagene Weg gebe natürlich ein gutes Gefühl. "Aber es sind noch neun Spiele zu absolvieren und die heiße Phase beginnt erst noch. Wir tun alles dafür und arbeiten darauf hin", sagt Keyhanfar. Zuversicht ergibt sich dabei nicht nur aus den Leistungen und der inhaltlichen Weiterentwicklung des Teams. "Wir haben hier mit Bo einen Cheftrainer, der die Lage kennt. Es geht Tag für Tag um ein gutes Training, gute Performance. Dann bin ich auch davon überzeugt, dass wir gemeinsam den Klassenerhalt schaffen können", sagt Kaniuth.

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