Profis 21.07.2019 — 10:00 Uhr

Ein Stratege, der das Spiel liest

Edimilson Fernandes, der Neuzugang von West Ham United, stieg wegen eines Infekts mit Verzögerung ins 05-Training ein - Einsatz am Sonntag im Test gegen Jahn Regensburg

Viel zeigen von seinem fußballerischen Talent konnte Edimilson Fernandes bisher noch nicht. Der Neuzugang von West Ham United musste im Trainingslager des 1. FSV Mainz 05 in Grassau meist individuell trainieren. Ein grippaler Infekt hatte das Immunsystem des Schweizer Nationalspielers geschwächt. Am Samstagmorgen aber präsentierte sich der 23-Jährige endlich im Mannschaftstraining. "Wir sind froh, dass er wieder auf dem Platz stand und gleich ein Tor gemacht hat aus einem Offensiv-Laufweg", sagte Sandro Schwarz. "Er muss aber noch einiges machen im athletisch-läuferischen Bereich."

Der 05-Trainer geht allerdings davon aus, dass er den Mittelfeldmann am Sonntag, im abschließenden Testspiel der bayerischen 05-Woche, einsetzen kann. Dann trifft der Bundesligist in Kirchheim bei München auf den Zweitligisten Jahn Regensburg (16 Uhr, live bei 05er.tv).

Den Stock reinhalten

Fernandes, bei den 05ern kurz Edi gerufen, ist ein technisch versierter, ballsicherer Spieler. Das war auch beim eingeschränkten Trainingsprogramm im Chiemgau zu sehen. "Er ist ein guter Fußballer, der immer den Ball haben will", sagt Schwarz. Der Neuzugang, bekanntlich ein Cousin des Eintracht Profis Gelson Fernandes, ist laut dem 05-Trainer ein schlauer Spieler, was den Ballbesitz angeht, der aber auch den Stock reinhalten kann in den Zweikämpfen und zudem auch in der Balleroberung gut ist.

"Wir wollten ein solches Profil haben. Er kann die Bälle auch in engen Situationen fordern, lebt von der Strategie und kann das Spiel lesen", so der Schwarz. Dazu kam, dass der Profi schon einiges gesehen habe im Fußball und vor allem, "dass schon mit dem ersten Gespräch klar war, dass er zu uns will. Hier sieht er seinen nächsten Schritt".

Fernandes begann beim FC Sion in der Schweiz, spielte bereits als 17-Jähriger in der ersten Mannschaft und in der Super League. 2016 folgte der Wechsel nach England in die Premier League zu West Ham United. Ein Jahr später die Ausleihe zum AC Florenz. Und nun, wieder ein Jahr danach, das neue Engagement am Bruchweg. "Die Zeit bei West Ham und in Florenz hat mich sehr wachsen lassen auf persönlicher, aber auch auf mentaler Ebene sowie physisch. Ich denke, ich habe viele Fortschritte gemacht", erzählt der Spieler in Grassau. In London habe man nicht so sehr auf die Jugend gesetzt, die Durchlässigkeit sei nicht so groß gewesen. Er sei sich nicht sicher, ob der Schritt dahin vielleicht zu früh gekommen sei. "Der Schritt in die Premier League ist was Großes. Am Anfang war es nicht leicht für mich, da rein zu finden. Dann hat mich der Coach aber regelmäßig gebracht." Allerdings selten auf der Position, die der Profi gerne besetzt hätte. Dann kam die Anfrage aus Florenz, "da bin ich gewechselt".

Viel Hilfe von Cousin Gelson

Er könne viele Positionen spielen, präferiere aber die acht. "In Florenz haben wir mit der Raute gespielt. Da war ich alleiniger Sechser, das hat mir auch sehr gut gefallen und gut getan", sagt er. Die Technik und seine Balleroberungen gehörten zu seinen Stärken, überhaupt nach vorne zu spielen, betont der 05-Profi. "Ich möchte hier als Achter auch einige Tore mehr schießen als bisher. Man hat mir gesagt, dass in der Bundesliga ein schnelleres, körperlicheres Spiel bevorzugt wird. Dann liegt es an mir, mich anzupassen."

Mit Gelson Fernandes, dem defensiven Frankfurter Mittelfeldspieler, den er durch die räumliche Nähe zur Nachbarstadt nun häufiger sehen könne, habe er eine sehr starke Verbindung. "Er hilft mir sehr hier in Deutschland mit den Papieren und bei vielem anderen", sagt Edimilson, der seinen Cousin sonst jedoch meist nur bei der Schweizer Nationalmannschaft trifft. "Natürlich hat mir Gelson viel erzählt und mir gesagt, dass man in Mainz große Fortschritte machen kann", sagt der 05er, der sich schon auf das Derby freut. "Gelson hat schon gesagt, wenn es zum Aufeinandertreffen kommt, wird er aus familiären Gründen nicht spielen. Er hat Angst vor mir und meinen Dribbler-Qualitäten", so Fernandes lachend.

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