Profis 16.01.2022 — 15:30 Uhr

Ein hartes Stück Arbeit

Mainz 05 zieht beim 1:0-Erfolg gegen VfL Bochum in der zweiten Hälfte ein Kampfspiel auf seine Seite

Den 1000 Zuschauern, die das Spiel im Rahmen der Corona-Regelungen in der MEWA ARENA live verfolgen durften, bot dieser Rückrunden-Heimspiel-Auftakt eine ganze Menge: Zwei überraschende Comebacks in der Abwehr, ein gehaltener Elfmeter, ein Innenverteidiger, der nach langer Verletzungspause den entscheidenden Treffer erzielte oder die vierte Gelbe Karte für den 05-Trainer, der deswegen nächsten Samstag in Fürth gesperrt ist. Vor allen Dingen jedoch am Ende den sechsten Heimsieg dieser Saison, gleichzeitig der siebte Auftritt in dieser Runde ohne Gegentor. "Es war sicher kein schönes Spiel, aber ein sehr intensives", kommentierte Mittelfeld-Antreiber Anton Stach nachher den 1:0-Erfolg seines FSV in der spannenden und aufregenden Auseinandersetzung mit dem VfL Bochum zum Beginn der Englischen Woche mit Bundesliga und Pokal-Achtelfinale.

Der Luftsprung, den Bo Svensson nach dem Abpfiff vollführte, verdeutlichte, welche Bedeutung dieser 1:0-Erfolg gegen den starken und mehr als unbequemen bisherigen Tabellennachbarn für den Mainzer Cheftrainer hatte. Drei Zähler nach den beiden unschönen Auswärtsniederlagen zum Ende des Jahres 2021 in Frankfurt und dem 1:4 zum Rückrundenstart vergangene Woche in Leipzig sorgen für Beruhigung. Die jetzt 27 Zähler geben dem Coach und dessen Mannschaft ein gutes Gefühl für die bevorstehende Pokal-Aufgabe am Dienstagabend in Bochum, die mit Sicherheit kein bisschen leichter wird als die 94 Minuten Bundesliga am Samstagnachmittag im eigenen Stadion. "Ich bin froh, ein sehr enges, ausgeglichenes Spiel gewonnen zu haben. Wir freuen uns alle über drei Punkte in einem sehr schwierigen Spiel, sagte der Cheftrainer später. Diese Freude werde auch nicht durch die Gelbe Karte getrübt, die er in der 88. Minute sah und die ihm ein Spiel Sperre einbringt.

Missverständnis bringt Trainer-Sperre

Auslöser dafür sei ein Missverständnis gewesen, sagte der 42-Jährige. Nach einem Foul von Polter an St. Juste habe aus der Bochumer Ecke jemand "Schauspieler" gerufen, darauf habe er reagiert und "Schauspieler" zurückgerufen, der vierte Offizielle habe dies wohl auf die Unparteiischen bezogen und Schiri Frank Willenborg informiert, der dem sichtlich verdutzten Svensson Gelb zeigte. "Schade, ich glaube, das war ein Missverständnis, aber den Vorwurf muss ich mir trotzdem selbst machen", sagte Svensson. "Es war nicht eine Karte, sondern die vierte. Das liegt in meiner Verantwortung, denn es ist ein bisschen viel."

Schade, ich glaube, das war ein Missverständnis, aber den Vorwurf muss ich mir trotzdem selbst machen

Die Partie wäre möglicherweise komplett anders verlaufen, hätte der Bochumer Verteidiger Konstantinos Stafylidis in der ersten Minute nicht so konsequent gegen den heranstürmenden Jonathan Burkardt verteidigt. Die 05ER hätten durch eine frühe Führung vielleicht etwas mehr Sicherheit in ihr Passspiel und ihre Ballannahmen bekommen. Denn mit hoher Intensität und Tempo hatten die Mainzer zunächst besser ins Spiel gefunden, druckvoll agiert und dem Gegner mit ihren Pressingvarianten Probleme bereitet. Fast allen Angriffen, sowie den Aktionen nach den zahlreich gewonnenen zweiten Bällen, fehlte jedoch die Präzision. "Nach der Anfangsphase war Bochum besser, aber das lag nicht nur an uns und daran, dass wir schlechter gespielt haben, sondern wir hatten auch einen guten Gegner", betonte Svensson. "Es wäre verdient gewesen, wenn sie zur Pause geführt hätten", räumte der Däne ein.

05-Keeper ahnt die Ecke des Strafstoß-Schützen

Dass dies nicht geschehen war, und es zur Pause 0:0 stand, verdankten die Mainzer Robin Zentner. Der Torhüter hielt den Foulelfmeter des Ex-05-Stürmers Sebastian Polter, weil er die Ecke des Schützen ("Er hatte seine letzten Elfmeter in die linke Torwartecke geschossen") ahnte, abtauchte und den Schuss festhielt. Polter war zuvor im Strafraum von Stefan Bell getroffen worden. "Ich glaube nicht, dass man das pfeifen muss", kommentierte Bell die Entscheidung. "Es hat sich angefühlt, als habe er irgendwie nach hinten ausgetreten. Ich laufe auf ihn zu und habe jetzt ein dickes Bein. Ich glaube, er trifft eher mich als ich ihn. Das hätte man auch weiterlaufen lassen können", so der 05-Innenverteidiger. "Dass Robin den Elfer gehalten hat, gibt mir aber ein gutes Gefühl als Verursacher."

Dem Ganzen vorausgegangen war ein unnötiger Ballverlust von St. Juste, der bei einem Solo aus der Abwehr heraus den Moment fürs Abspiel verpasst und den Ball verloren hatte. Im Übrigen der einzige schwere Fehler des Holländers beim Comeback. Bell lobte später sowohl St. Juste als auch Moussa Niakhaté für deren starke Leistung nach der langen Abstinenz. Svensson hatte statt einer aus der Not geborenen Dreierkette oder dem Wechsel auf eine defensive Viererformation Niakhaté und St. Juste trotz aller im Vorfeld noch geäußerten Bedenken neben Bell in die Startformation geschickt.  

Auch Kapitän Moussa Niakhaté bedankte sich nach seinem Comeback bei den 1000 Zuschauern in der MEWA ARENA.

Entschlossener nach der Pause

Nach der Pause bot das Spiel ein anderes Bild: Die Gastgeber fanden zurück zu ihrer Dominanz, wirkten nun aber zielstrebiger als in der Anfangsphase. "Wir haben in der Halbzeit ein paar Sachen besprochen", erklärte der Cheftrainer. "Wir waren dann einen Tick wacher, haben uns besser durchsetzen können, und danach sah unser Spiel besser aus. Die Folge: St. Juste erzielte drei Minuten nach Wiederanpfiff den Siegtreffer im Anschluss an eine von den Bochumern schon geklärte Ecke. Leandro Barreiro hatte sich den Ball 30 Meter vor dem Tor auf der rechten Seite zurückgeholt, über Stach war die Kugel zu Jonny Burkardt gelangt, dessen flache Hereingabe von halblinks den Torschützen erreichte, der aus rund elf Metern flach abzog und den kurzen Innenpfosten traf, von wo der Ball ins Netz prallte. Für den Niederländer "ein unglaubliches Gefühl", wie er sagte, nach Monaten harter Reha-Arbeit. Es folgte eine Reihe von 05-Szenen und Momenten, die mit etwas mehr Zielstrebigkeit, Genauigkeit und Abschlussgier die Spannung aus diesem Match hätten herausnehmen können. Die Mainzer vergaben dabei gute Möglichkeiten aufs 2:0 durch Burkardt, Silvan Widmer, Jae-Sung Lee und Barreiro.

Und weil die Gäste ebenfalls noch ihre Chancen hatten, blieb es aufregend, bis Zentner in der fünften Minute der Nachspielzeit mit seiner letzten Parade einen Locadia-Schuss parierte und endgültig den Heimsieg festhielt. "Es war ein hartes Stück Arbeit", betonte der Torhüter nach dem Abpfiff. Wir haben richtig gut dagegengehalten und ein Kampfspiel in der zweiten Halbzeit auf unsere Seite ziehen können."

Im Anschluss an die Pressekonferenz vor dem Pokal-Achtelfinale am Montagvormittag (11 Uhr, live auf 05ER.tv) sowie dem Abschlusstraining am Bruchweg treten die 05ER bereits morgen Nachmittag im Mannschaftsbus die Reise in den Ruhrpott an.

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