Profis 12.07.2018 — 10:30 Uhr

"Kleiner Nussknacker" zeigt sich im Konkurrenzkampf

Ridle Baku kämpft im Trainingslager der 05er für einen Platz im Team - Abstiegskampf-Shooting-Star musste den krassen Karrierestart erst einmal sacken lassen

Auch bei der Abfahrt zum Trainingsplatz hat Ridle Baku stets ein Lächeln auf den Lippen.

Ridle Baku und Jean-Philippe Mateta teilen sich ein Hotel-Zimmer in dieser Trainingslagerwoche im niederländischen Venlo. Verständigungsprobleme gibt's da nicht. Wenn sich die beiden Profis des 1. FSV Mainz 05 unterhalten, verstehen allerdings alle Übrigen im Kader nur noch Bahnhof. Denn die beiden Spieler mit kongolesischen Wurzeln sprechen in ihrer Muttersprache miteinander: Lingála, übersetzt Flusssprache, ein Bantu-Dialekt, der im Norden des Kongos gesprochen wird. Der 20-jährige, gebürtige Mainzer und sein ein Jahr älterer Mannschaftskollege, der in Frankreich geboren und aufgewachsen ist, dürften sich viel zu erzählen haben, denn für beide ist diese Vorbereitung der Start ins Ungewisse. Beide treten an, um sich in der Bundesliga zu etablieren.

Mateta kommt mit der Empfehlung von 17 erzielten Toren aus der vergangenen Saison für Le Havre. Bakus Stern erstrahlte plötzlich im Abstiegskampf-Endspurt der abgelaufenen Spielzeit, als der Shooting-Star aus dem eigenen Nachwuchs mit seinen beiden Treffern gegen RB Leipzig und Borussia Dortmund maßgeblichen Anteil am vorzeitig gesicherten Ligaverbleib der 05er hatte. Die Geschichte, wie der Mittelfeldspieler an der Raststätte in Bruchsal aus dem Bus geholt wurde, die Auswärtsfahrt der Mainzer U23 nach Freiburg abbrechen musste, von Teammanager Darius Salbert nach Mainz zurückgebracht wurde, ins Trikot schlüpfte und im Profi-Team auflief, ist hinlänglich bekannt und oft erzählt worden. Auch sein Fehlpass in der Anfangsphase, der fast zum Gegentor geführt hätte, wie sich der junge Spieler dann steigerte, den Siegtreffer zum 3:0 erzielte und eine Woche später in Dortmund direkt die 1:0-Führung zum späteren 2:1-Überraschungserfolg nachlegte.

Schwarz: Das Profil brauchen wir

Das Ganze liegt nun zwei Monate zurück und Baku muss sich in diesem Sommer neu beweisen, seine Bundesliga-Ambitionen im Konkurrenzkampf der Mittelfeldspieler unterstreichen. Das tut der 20-Jährige in dieser frühen Phase der Vorbereitung mit einem Selbstverständnis, das nicht erkennen lässt, dass da erst drei Bundesligaspiele in seiner Vita stehen. Sandro Schwarz hält große Stücke auf den zentralen Mittelfeldmann, der als Sechser oder Achter aufläuft. "Ridle ist ein Panzer, ein kleiner Nussknacker", sagt der 05-Trainer in Venlo. "Er hat diese Körperlichkeit und auch fußballerisch eine Qualität. Er bestätigt im Moment den nächsten Entwicklungsschritt ohne das Gefühl zu vermitteln, er müsse diese beiden Spiele gegen Leipzig und Dortmund immer wieder bestätigen, was seine Tore angeht. Sein Fleiß in der Arbeit gegen den Ball, die Läufe in die Boxen, das ist das Profil, das wir von ihm brauchen und das bringt er zu 100 Prozent mit." Baku habe wichtige Erfahrungen gemacht, in einer schwierigen Situation im Abstiegskampf seinen Mann gestanden. "Da sind wir nun mit ihm auf dieser Position sehr gut besetzt."

"Ich muss immer noch die Bälle zusammenpacken"

Der 20-Jährige hat, wie er im Mediengespräch im Teamhotel verrät, etwas gebraucht, um den Wirbel um seine Person im Bundesliga-Finale etwas sacken zu lassen. "Klar, ich habe mir die Tore ein paar Mal angeguckt, aber dann wollte ich auch davon wegkommen. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um das Ganze zu realisieren. Es hätte ja keiner wirklich gedacht, dass das so passiert." Mit der neuen Situation umzugehen, habe etwas gedauert. Den Anfang seiner Profikarriere bezeichnet er selbst als "schon irgendwie krass. Es hat sich was verändert", sagt Baku. "Die  Leute sehen mich jetzt anders. Ich versuche aber gleichzubleiben und weiter Gas zu geben."  Sein Standing innerhalb der Mannschaft ist gewachsen in diesem Sommer. "Ich war ja schon ein halbes Jahr lang im Training der Profis und konnte reinschnuppern. Am Ende habe ich dann drei Spiele gemacht, konnte mich beweisen. Die Mitspieler konnten sehen, was ich kann. Im Tagesablauf hat sich aber nicht viel verändert. Ich muss immer noch die Bälle zusammenpacken", erzählt er lachend.

Das Wichtigste in diesen Tagen sei es, eine engagierte konzentrierte Vorbereitung zu bestreiten und zu sehen, wie er sich selbst in dieser Hinrunde entwickle. Im Trainingslager wirkt Baku jedenfalls nicht wie ein Neueinsteiger. Der Achter zeigt sich entschlossen, den Konkurrenzkampf um die Startplätze zu bestehen, wirkt extrem stabil auf den Beinen. "Es ist doch klar, jeder Spieler will auf dem Platz stehen. Jetzt, in dieser Vorbereitung, kann ich mich ja zeigen und mich empfehlen."

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