Profis 05.12.2017 — 16:00 Uhr

Nicht noch mehr Steine in den Rucksack packen

Sandro Schwarz: Kritischer Umgang mit der Selbstanalyse und fester Glaube an positiven Entwicklungsprozess

05-Trainer Schwarz am Dienstagvormittag auf dem Trainingsgelände am Bruchwegstadion.

Wer häufiger am Bruchweg zu Gast ist, wenn die Bundesligafußballer des 1. FSV Mainz 05 ihr Training absolvieren, der sieht regelmäßig solch intensive, konzentrierte und hochwertige Trainingsleistungen wie die am Dienstagvormittag zum Beginn der Vorbereitungen auf das Auswärtsspiel am Samstag bei RB Leipzig. Spielformen, in denen die von Sandro Schwarz stets geforderte Schärfe, also die komplette Konsequenz, Feuer und Engagement zu sehen sind, in denen dann auch viel gelingt. Fußballerische Aktionen, die das Team in den vergangenen beiden Spielen nur sporadisch auf den Platz brachte. "Es gibt da tatsächlich eine gewisse Diskrepanz", räumte der 05-Trainer anschließend in der obligatorischen Medienrunde ein.

Schwarz hatte zum Wochenstart mit Ausnahme der beiden länger verletzten René Adler und Karim Onisiwo sowie dem grippekranken Stefan Bell seinen kompletten Kader auf dem Platz. In einer interessanten, harten Trainingseinheit, in der alles von dem drin war, an dem es zuletzt in der Liga haperte. "Jeder, der regelmäßig unser Training beobachtet, kann feststellen, dass wir die Sachen gut machen. Wenn wir so wie heute trainieren, dann funktionieren die Dinge. Dann kriegst du Spielfluss rein, kommst zwischen die Linien, kommst zu Torabschlüssen, kommst ins Gegenpressing. Diese Reihenfolge brauchen wir im Spiel aber genauso wie im Training", sagt der 39-Jährige. "Alle Spieler müssen sich immer bewusst sein, dass alles, was wir unter der Woche tun, nur dazu dient, das Ganze auch im Spiel abzurufen."

"Ärgerlich, dass wir uns dahin gebracht haben"

Das gelang beim 1:2 in Freiburg nur eine Halbzeit lang, beim 1:3 gegen die Augsburger hin und wieder. Zwei total unnötige Niederlagen, wie der Trainer befand. "Wir haben jetzt das Thema, wie wir mit der Situation umgehen. Wir waren vor zwei Wochen in einer Situation, die sehr ordentlich war in unserem Entwicklungsprozess, hatten eine gute Ausgangslage. Da war der Blick natürlich aktiv nach vorne gerichtet. Dass wir uns, was die Punkte angeht, viel mehr versprochen haben, ist klar", so Schwarz. Doch auch leistungstechnisch habe man mehr erwartet. "Wir haben in zwei Spielen drei Halbzeiten gespielt, die uns Punkte gekostet haben, in denen wir Spielraum gelassen haben. Vor allem in Sachen Widerstandsfähigkeit nach Rückständen. Es ist ärgerlich, dass wir uns dahin gebracht haben." Bei aller Kritik dürfe man jedoch nicht vergessen, dass es auch schon anders gewesen sei in dieser Vorrunde. "Dass es nicht allzu lange her ist, dass wir auch erfolgreiche Spiele bestritten haben. Mit klaren Botschaften an Physis, an Mentalität, an Intensität, an aggressiver Vorwärtsverteidigung, an Defensivverhalten, mit Gefährlichkeit vor dem Tor, wenn wir Zug hatten in unseren Aktionen."

Intern gehe man sehr kritisch damit um in der Selbstanalyse. "Es ist aber auch immer ein schmaler Grat", betont Schwarz. "Wir dürfen uns die Dinge, die nicht gut waren, nicht von Tag zu Tag weiter einreden, immer wieder betonen und uns damit noch mehr Steine in den Rucksack packen. Wir dürfen nicht so tun, als hätten wir es noch nie gezeigt, hätten noch keine positiven Ergebnisse geholt." Deshalb hat der Coach in der Mannschaftssitzung zum Wochenstart dem Team auch keine Augsburg-Bilder mehr gezeigt, sondern Videosequenzen aus dem guten Auftritt in Mönchengladbach. "Es muss nicht sein, dass wir hier wie geprügelte Hunde durchlaufen. Kritik muss sein, aber am Samstag müssen wir dann auch wieder mit einer bestimmten Freiheit und unbelastet ins nächste Spiel gehen."

Suche nach Comeback-Mentalität

Es dürfe auch im Umfeld nicht das Gefühl aufkommen, die Mannschaft habe noch nie gute Dinge gezeigt. "Wir haben zwei Spiele verloren und wissen, in welcher Tabellenregion wir uns befinden. Wir sollten aber jetzt nicht so tun, als wären wir drei Spieltage vor Schluss und bangen darum, was passiert nach dem nächsten Spiel. Diese Grundhaltung sollte es bei Mainz 05 nicht geben."

Möglicherweise hat sich aufgrund der Ausgangslage nach dem Sieg gegen die Kölner danach im Team unterbewusst eine gewisse Sicherheit breit gemacht. "Wenn es eine Art Gemütlichkeit war, dann ist die nun draußen", sagt der 05-Trainer. "Wir brauchen immer die absolute Konsequenz in unseren Aktionen sowie eine Comeback-Mentalität, wenn wir in Rückstand geraten. Wir werden nie Spiele mit 85 Prozent Leistung gewinnen können. Dass wir uns gegen das Ergebnis auflehnen können, haben wir auch schon gezeigt in dieser Saison. Der nächste Entwicklungsschritt muss sein, das alles mit mehr Verlässlichkeit abzurufen. Egal, welcher Gegner auf der anderen Seite steht. Ich glaube fest an diese Entwicklung."

Trainingsimpressionen vom Dienstagvormittag

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